Werbemittel Investitionsgüter mit einer Prise Erotik präsentieren

Redakteur: Jürgen Schreier

Während der Kreativität bei der Bewerbung von Konsumgütern kaum Grenzen gesetzt sind, wirken Werbemedien für Investitionsgütern nach Einschätzung von Csaba Németh oft bieder und hausbacken. Dies will der Ochsenfurter Medienexperte nun mit frischen Ideen, einer prägnanten, ja erotischen, Bildsprache, die künstlerischen Ansprüchen genügt ändern. MM Maschinenmarkt sprach mit dem Chef der Agentur CsaNé Medien.

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Warum nicht auch Investitionsgüter mit einer Prise Erotik (und Humor) bewerben, meint Medienexperte Csaba Németh. Bilder: Danica Photography
Warum nicht auch Investitionsgüter mit einer Prise Erotik (und Humor) bewerben, meint Medienexperte Csaba Németh. Bilder: Danica Photography
( Archiv: Vogel Business Media )

MM: Investitionsgüter sind in der Regel High-Interest-Produkte. Legt das nicht eine gewisse Sachlichkeit bei der Bewerbung nahe?

Németh: Auch Unternehmen der Investitionsgüterbranche sind rein sachlich nicht zu positionieren. Überall, wo Menschen ein Produkt oder eine Dienstleistung herstellen und anbieten, spielen emotionale Faktoren eine Rolle.

MM: Aber kaufentscheidend ist doch letztlich die technische Leistungsfähigkeit eines Produkts, dessen optimale Einpassung in den betrieblichen Ablauf, sind Preis und Leistung. Oder sehn wir das falsch?

Németh: Sicher sind das wichtige Faktoren. Doch erwerbe ich mit einem Investitionsgut nicht nur eine technische Lösung, sondern entscheide mich in der Regel auch für eine zwischenmenschliche Partnerschaft.

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MM: Wie soll sich das auf die Bewerbung des Produkts auswirken?

Németh: Auch die so genannten weichen Faktoren gilt es zu kommunizieren. Als Investor will ich beispielsweise wissen, wie es mit der Zuverlässigkeit, mit Service- und Kulanzleistungen meines potentiellen Geschäftspartners aussieht. Wenn ich in seinen Werbemedien Informationen darüber finde, ist das für mich ein Indiz, dass meine Bedürfnisse von ihm ernst genommen werden.

MM: Sie sind dabei, einen Unternehmenskalender für die Investitionsgüter- und Dienstleistungsbranche auf den Markt zu bringen – „Präsent mit einer Prise Erotik“, ist Ihr Motto. So etwas kenn man aus dem Automobilbereich, aber Erotik und Produktionsmaschinen, wie passt das zusammen?

Németh: Nun, die Außendarstellung weicher Faktoren, wie die Attraktivität, Kraft, Flexibilität und Vitalität eines Unternehmens kann durch den erotischen Stimulus befördert werden. ich denke, ein Unternehmenskalender als Werbeträger ist ein überschaubares Versuchsfeld, um neue Wege der Kommunikation auszuprobieren.

MM. Aber mal ehrlich, technische Produkte und Dienste mit einer „Prise Erotik“ zu bewerben, das passt auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen.

Németh: Sie haben Recht, wenn Sie damit sagen wollen, dass der „erotische Stimulus“ kein Allheilmittel ist. So, wie bei jeder anderen Attribuierung auch, muss die „Prise Erotik“ zu Unternehmen, Produkt sowie zum Kommunikationsziel passen.

MM: Es gibt also auch Fälle, in denen der erotische Stimulus unpassend ist?

Németh: Aber ja!

MM: Können Sie das konkretisieren? Welche Branchen im Investitionsgüterbereich können von Ihrem Angebot profitieren?

Németh: Die meisten unserer Interessenten kommen aus dem Nahrungs- und Genussmittel- sowie aus dem Gastronomie- und Veranstaltungsbereich. Doch es sind viele weitere Branchen denkbar. Grundsätzlich hängt das von zwei Faktoren ab. Wie nah ist das Unternehmensthema mit dem erotischen Thema verwandt und – wichtiger – was ist das Kommunikationsziel des Werbeträgers? Erotik ist eine beseelte Kommunikationsform und originäre Lebensenergie. Je näher die Branche am Leben dran ist, umso eher kommt eine Attribuierung mit dem erotischen Stimulus in Frage.

MM: Das heißt im Umkehrschluss: Je weiter weg vom Leben, je abstrakter und technisierter eine Branche aufgestellt ist, umso weniger profitiert sie von einer erotischen Attribuierung?

Németh: Das ist grundsätzlich richtig. Aber vergessen Sie nicht das Kommunikationsziel.

MM: Das Kommunikationsziel ist also entscheidend?

Németh: Genau. Denken Sie an die IT-Branche. Will ich mit meinem Werbeträger etwas über die Leistungsfähigkeit meiner technischen Prozesse und mathematischen Algorithmen sagen, ist eine erotische Attribuierung unpassend. Spamfilter oder Virenscanner sind nun einmal nicht sexy.

MM: Und wann wäre sie passend?

Németh: Wenn ich auf den Nutzen abziele. Wenn ich meiner potentiellen Klientel zeigen will, wie kostengünstig, effizient und multimedial sie mit meinen Produkten kommunizieren kann. Denken Sie an frisch Verliebte, die ein hohes Kommunikationsbedürfnis haben. Möchte ich diese Zielgruppe ansprechen, wäre eine „Prise Erotik“ genau richtig.

MM: Aber mehr als eine „Prise“ darf oder soll es dann doch nicht sein?

Németh: Sie kennen doch das Zitat von Paracelsus: Die Dosis macht das Gift. Abgesehen davon, gibt es auf der Klaviatur der Erotik verschiedene Spielarten. Unsere zeichnet sich dadurch aus, dass wir das Thema nicht auf die sexuelle Ebene reduzieren, sondern Erotik als eine beseelte Kommunikationsform verstehen.

MM: Erotik als beseelte Kommunikationsform, was heißt das konkret?

Németh: Das heißt in der Umsetzung, dass wir in unserer Bildsprache nicht auf nackte Tatsachen setzen, sondern unseren Models die Möglichkeit geben, ihre Persönlichkeit ganzheitlich, und ihre Erotik intelligent und subtil zum Ausdruck zu bringen.

MM: Bei Ihren Werbeträgern handelt es sich also nicht um Akt-Kalender?

Németh: Keineswegs. Erotik hat ja auch etwas mit Sehnsucht und Neugier zu tun.

MM: Sie legen großen Wert darauf, dass die von Ihnen gestalteten Kalender auch künstlerischen Ansprüchen genügen.

Németh: Unsere Kalender sind Unikate, die die jeweiligen Unternehmens- oder Produktthemen künstlerisch interpretieren und mit einer Prise Erotik würzen. Diese erotische Nuance zeichnet sich durch Phantasie, Raffinesse, unter Umständen auch durch eine Prise Humor aus. So ist das Unternehmen an 365 Tagen im Jahr bei seinen Key Accounts präsent – mit Stil und Niveau.

MM: Die Herstellung der Kalender erfolgt im Netzwerk. Für die Bildproduktion haben Sie Danica Photography, Daniela Hütter, aus Würzburg gewinnen können, Layout und Design kommen von der agentur.3wm, ebenfalls aus Würzburg.

Németh: Es ist ein großer Glücksfall, wenn nicht Fügung, dass ich im letzten Jahr auf Daniela Hütter aufmerksam geworden bin. Sie ist ein aufgehender Stern am Himmel der modernen erotischen Fotografie. Mit 3wm arbeite ich seit 2005 projektbezogen zusammen und bin mit der zuverlässigen, menschlich angenehmen Kooperation sehr zufrieden. Sie sehen, auch hier sind es „weiche Faktoren“, die zählen.

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