Fraunhofer-IWU Karosserien entstehen zukünftig in Mischbauweise

Redakteur: Dietmar Kuhn

„Es gibt viele Gründe für den Einsatz von Mischbau in der Automobilfertigung“, sagte Hubert Waltl, Vorstand für Produktion und Logistik von Volkswagen Pkw, während der internationalen Konferenz Umformen und Fügen – Technologien für Multimaterial-Design am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) in Chemnitz.

Firmen zum Thema

Ein bisher gut gelungenes Beispiel, wie sich der Materialmix im Automobilbau verteilt, ist der „Up! Lite“ von Volkswagen.
Ein bisher gut gelungenes Beispiel, wie sich der Materialmix im Automobilbau verteilt, ist der „Up! Lite“ von Volkswagen.
(Bild: VW)

Was unter Mischbau zu verstehen ist, wurde in zahlreichen interessanten Vorträgen deutlich. Demnach kommen über die hochfesten Stahlwerkstoffe hinaus im Automobilbau immer mehr das leichtere Aluminium sowie die noch leichteren Carbonwerkstoffe, beispielsweise CFK, zur Anwendung – in Teilbereichen auch Magnesium.

Aluminiumanwendungen derzeit auf Fahrzeuge im Sport- oder Premiumsegment beschränkt

Sind Aluminiumanwendungen derzeit meist noch auf Fahrzeuge im Sport- oder Premiumsegment und auf kleine Stückzahlen beschränkt, sollen verschiedene Studien und Untersuchungen das Potenzial von Aluminium unter wirtschaftlichen Bedingungen im Multimaterial-Leichtbau heben. So erklärte auch Dr. Henk-Jan Brinkmann von der Hydro Aluminium Rolled Products GmbH: „Die überwiegend verwendeten naturharten 5xxx-Al-Werkstoffe verfügen über eine hervorragende Kombination aus guter Umform- und Schweißbarkeit, hoher Festigkeit und guter Korrosionsbeständigkeit.“

Demnach liegt es vor allem an den Werkstoffentwicklern, die den Idealwerkstoff anbieten müssen. „Der Halbzeugproduzent verfügt dafür über eine Vielzahl von Stellmöglichkeiten“, sagte Brinkmann. Eine Produktion, in der Aluminium im Mix mit anderen Leichtbauwerkstoffen bereits praktisch umgesetzt wird, ist beispielsweise die des „Up! Lite“ von VW. Denn seine Karosserie setzt sich im Wesentlichen aus hochfestem Stahl und Aluminium zusammen, wobei das Grundgerüst aus warmumgeformten und damit sehr festen Stählen und die eher großflächigen Teile aus Aluminium bestehen. Um den derzeit möglichen Werkstoffmix komplett zu machen, sind die vorderen Stoßfänger-Querträger aus Kohlefaserverbundwerstoffen.

Karosseriebauteile aus den unterschiedlichen Werkstoffen optimal umformen

Weitere Vorträge der Chemnitzer Konferenz befassten sich damit, wie Karosseriebauteile aus den unterschiedlichen Werkstoffen sich am besten umformen lassen und wie die Teile später montiert und zusammengehalten werden. Dabei spielen vor allem das Korrosionsverhalten und die Stabilität der Verbindungen eine große Rolle. Bevor die Mischbauweise auf der Tagesordnung der OEM verankert ist, bleibt der abgesicherte Einsatz für die Großserie eine große Herausforderung.

(ID:36811570)