VBW-Index Konjunktur in Bayern droht abzustürzen

Autor / Redakteur: Martin Sonneck / Jürgen Schreier

Das Ergebnis des aktuellen VBW-Index Herbst 2008 der bayerischen Wirtschaft malt ein pessimistisches Bild der Zukunft. Der Präsident der VBW – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., Randolf Rodenstock während der Vorstellung der Ergebnisse in München: „Wir befinden uns bereits in der Stagnation und stehen am Rande einer Rezession.“

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VBW-Präsident Randolph Rodenstock: „Die obligatorisch Frage, ob das Glas halb voll oder halb leer ist, kann ich eindeutig beantworten: Es ist halb leer!“
VBW-Präsident Randolph Rodenstock: „Die obligatorisch Frage, ob das Glas halb voll oder halb leer ist, kann ich eindeutig beantworten: Es ist halb leer!“
( Archiv: Vogel Business Media )

Das Ausmaß der Abschwungs sei laut Rodenstock derzeit nicht absehbar, doch um Schlimmeres zu vermeiden, müssen das Banken-Rettungspaket greifen und sich die Finanzmärkte stabilisieren, die Politik Wachstum und Beschäftigung fördern und die Tarifparteien vernünftige Abschlüsse zustande bringen.

Der Index erreicht im Herbst 2008 einen Wert von insgesamt 103 Punkten – gegenüber 133 im Frühjahr und 140 Punkten im Herbst 2007, damit ist er seit dem Frühjahr um 30 Punkte gesunken. „Die obligatorisch Frage, ob das Glas halb voll oder halb leer ist, kann ich eindeutig beantworten: Es ist halb leer! Denn der Index ist gespalten und es ist zu befürchten, dass sich das Glas in den kommenden Monaten weiter leert“, kommentierte Rodenstock. So sind die Indizes zur Lage, die das das Wachstum des ersten Halbjahres widerspiegeln, noch relativ gut. Der Wachstumsindex, der um 16 Punkte zurückgegangen ist liegt noch im grünen Bereich. Der Beschäftigungsindex ging leicht auf 156 Punkte zurück.

Dramatisch ist allerdings der Blick in die Zukunft, den die Prognoseindizes widerspiegeln: So zeigen die Befragungsergebnisse vor allem, dass der Prognoseindex zum Wachstum eingebrochen ist. Er hat sich von 104 auf 50 Punkte mehr als halbiert und liegt damit auf einem Fünf-Jahres-Tief. Der Prognoseindex zur Beschäftigung fiel ebenfalls spürbar von 118 auf 71.

Ursachen für den Abschwung

Die Gründe für diesen Abschwung macht VBW-Präsident Rodenstock an einer Reihe von Ursachen fest. So zeichnet sich schon seit längerem der Abschwung der Weltwirtschaft ab. Der Konjunkturzyklus geht zu Ende und führt zu einer globalen Nachfrageschwäche. Die weltweit hohe Inflation, verursacht vor allem durch die hohen Rohstoff-, Energie- und Nahrungsmittelpreise, dämpfen das Wachstum. Die Immobilienkrise belastet die USA und zwischenzeitlich auch Länder wie Großbritannien, Spanien und Irland und dämpft Investition und Konsum in diesen Ländern. Die globale Banken- und Finanzmarktkrise verschärft zudem den Abschwung. „Das Rettungspaket der Bundesregierung ist in der jetzigen Sondersituation notwendig und leider alternativlos, um einen Kollaps des Wirtschaftssystems zu verhindern. Gleichzeitig darf es aber keine neue Regulierungswut auslösen“, sagte Rodenstock.

Arbeitnehmer und Unternehmen entlasten

Darüber hinaus forderte er Maßnahmen, die Wachstum und Beschäftigung fördern und dauerhaft Arbeitnehmer und Unternehmen entlasten. Allerdings seien staatliche Konjunkturprogramme der falsche Weg, da sie nur kurzfristig und punktuell wirkten und lediglich zu einer Umschichtung des Konsums zu den geförderten Produkten führten. Dass die IG Metall in dieser Situation die höchsten Lohnforderungen seit 16 Jahren stellt, ist für den VBW-Präsidenten nicht nachvollziehbar. „Ziel muss es sein, auch im Abschwung möglichst viele der 50000 in der Aufschwungphase aufgebauten Arbeitsplätze zu erhalten. Darauf muss sich auch die Tarifpolitik ausrichten.“ Man habe daher der IG Metall vorgeschlagen, gemeinsame Verhandlungen auf Spitzenebene für alle Tarifgebiete zu führen.

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