Lagerkapazitäten Krisensicher dank größerem Lager?

Das Gespräch führte Tobias Zimmermann

Das sollten Unternehmen in Zeiten des Stahlmangels bei Lagertechnik beachten.

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Verfügbare Lagerflächen im Unternehmen erleichtern die unabhängige Produktion in Krisenzeiten. Doch die Nachfrage nach Stahl auf dem Weltmarkt ist auch für Regalhersteller ungebrochen hoch.
Verfügbare Lagerflächen im Unternehmen erleichtern die unabhängige Produktion in Krisenzeiten. Doch die Nachfrage nach Stahl auf dem Weltmarkt ist auch für Regalhersteller ungebrochen hoch.
(Bild: Elvedi)

Engpässe beim Stahl: Die Auswirkungen der Coronapandemie sind auch Ende 2021 spürbar. Während die Auftragslage sich in vielen Branchen stabilisiert, ist die Beschaffung von Rohstoffen wie Stahl zu einem Spießrutenlauf auf dem Weltmarkt geworden. Laut einer Umfrage der Förderbank KfW leiden rund 50 % der mittelständischen Unternehmen unter Lieferproblemen. Diese Auswirkungen sind auch stark in der Lagersystembranche spürbar. Dort bilden sich die beiden Seiten der Medaille ab: Wenn Rohstoffe schwerer zu bekommen sind, setzen Unternehmen vermehrt auf ein großes Lager, dass sie unabhängiger produzieren lässt. Doch auch den Herstellern von Regalen und anderer Lagertechnik fällt es schwer, den Rohstoffbedarf zu decken. Edwin Müller-Rauschenbach, Sales Manager beim Regalsystemhersteller Elvedi berichtet von seinen Erfahrungswerten der letzten Monate und was Unternehmen beim Erweitern der eigenen Lagerkapazitäten beachten müssen.

Herr Müller-Rauschenbach, bereits seit letztem Jahr herrscht auf dem Weltmarkt beim Stahl ein großes Ungleichgewicht. Auch auf die Lagersystembranche hat das geringe Angebot und die hohen Materialkosten Auswirkungen. Wie ist die Lage heute?

Die Hersteller von Lager- und Regalsystemen haben wie die gesamte Industrie nach wie vor mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Vielerorts hat sich die Auftragslager deutlich verbessert, so auch im Bereich der Lagertechnik. Hallen, Außenlager und andere Lagermöglichkeiten stehen in vielen Unternehmen zurzeit weit oben auf der Investitionsliste. Just-in-time Beschaffungen werden branchenübergreifend schwieriger. In Zeiten von knappem Laderaum und langen Lieferzeiten will kaum ein Unternehmen den Stillstand der Produktion riskieren. Ein größeres Lager ermöglicht es den Betrieben unabhängiger zu produzieren.

Das Problem ist komplex und nicht kurzfristig zu lösen. Welche Gründe erleben Sie für das niedrige Angebot und die hohen Preise auf dem Stahlmarkt?

: Aufgrund der steigenden Nachfrage waren die Stahlwerke für das erste Halbjahr 2021 schnell ausgebucht. Aber auch die Erfüllung der Nachfrage dauert schlichtweg länger als früher. Durch Corona haben sich nicht zuletzt Warenströme verschoben. Klassische Exportländer wie China oder Indien decken beispielsweise zunächst ihren eigenen hohen Bedarf. Die USA und die europäischen Staaten beziehen im weltweiten Vergleich besonders hohe Mengen an Stahl über den Import. Der wird jetzt schwieriger erfüllbar. Europa hat zeitgleich nicht die Kapazitäten, seinen eigenen Bedarf selbst zu decken – diese wurden in den letzten Jahrzehnten abgebaut. Verknappungen beim Laderaum und coronabedingte Einschränkungen im Grenzverkehr verschärfen die Lieferzeiten. Auf der Preisseite gibt es aber natürlich weitere Faktoren: Der eingeführte CO2-Preis von 25 Euro pro verursachter Tonne Kohlenstoffdioxid geht vom Erzeuger an den Kunden weiter. Generell sind aber auch die Preise für Eisenerz, Kokskohle und Schrott weiter gestiegen.

Welche Handlungsempfehlung geben Sie Unternehmen, die zeitnah in Lagertechnik investieren wollen?

Auch wenn die Preise zurzeit teilweise gestiegen sind, sollten geplante Investitionen in die Erhöhung von Lagerkapazitäten nicht aufgeschoben werden. Das Vertagen löst keine Probleme. Im Gegenteil: Diese Rohstoffkrise wird uns aller Voraussicht nach noch eine ganze Weile beschäftigen. Daher sollten Unternehmen zügig ihre Entscheidungen treffen, um nicht noch sehr viel länger auf ihre Lagertechnik zu warten. Die Anfragen nach Lagersystemen sollten mit Vorlauf erfolgen, auch wenn die Umsetzung erst im ersten Quartal 2022 ansteht. Eine Entspannung des verknappten Angebots und leicht sinkende Preise werden voraussichtlich eine noch stärkere Nachfragesituation entstehen lassen. Diese muss dann auch erst mal wieder abgearbeitet werden. Da haben bereits angefragte Lagerprojekte einen zeitlichen Vorteil. Es macht mehr Sinn, noch einmal über den Preis zu sprechen, als zu spät mit der Planung anzufangen.

Was können Unternehmen tun, um weitere Planungssicherheit für Ihre Investitionen in Lagertechnik zu garantieren?

Wir raten zu einer engen Kommunikation zwischen Lieferanten, Hersteller und Kunde. Die enge Planung der nächsten Schritte mit einem Lagersystemhersteller wie Elvedi gibt dem Kunden Sicherheiten und Arbeitserleichterungen. Ein zentraler Ansprechpartner kümmert sich um die Anliegen jedes Kunden. Er kann Auskünfte über Liefertermine geben. Darüber hinaus sind etablierte Lagersystemhersteller wie Elvedi schlichtweg schon lange am Markt und pflegen langjährige Partnerschaften mit Lieferanten. Daraus folgt ein sicheres und organisch gewachsenes Netzwerk für die Lieferung von Rohstoffen. Zudem beraten wir unsere Kunden jederzeit gerne zu den effizientesten Lagersystemlösungen für den konkreten Anwendungsbereich. Oft gibt es günstigere und schnellere Lösungen, die der Kunde vor dem Beratungsgespräch nicht bedacht hat. Innerhalb des bestehenden Lagers ist häufig Optimierungspotenzial, das mit einfachen Mitteln besser ausgeschöpft werden kann.

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