Maschinen- und Anlagenbau Kunden fordern größere Präsenz im Ausland

Redakteur: Claudia Otto

Der Internationalisierungsdruck im deutschen Maschinen- und Anlagenbau steigt. Vor allem Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 100 Mio. Euro spüren den Druck ihrer wichtigsten Kunden, ihnen mit eigenen Fertigungen und Servicebereichen ins Ausland zu folgen. Das geht aus der Studie „Weltmeister auch jenseits des Exports?“ von PWC hervor.

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Die steigenden Auslandsaktivitäten der Kunden sind Treiber der bevorstehenden Internationalisierungswelle im deustchen Maschinen- und Anlagenbau.
Die steigenden Auslandsaktivitäten der Kunden sind Treiber der bevorstehenden Internationalisierungswelle im deustchen Maschinen- und Anlagenbau.
( © Sergey Nivens - Fotolia)

Befragt wurden 50 Unternehmen, die jeweils zu den Weltmarktführern ihres Marktsegments gehören. In den kommenden Jahren werde vor allem eine größere Präsenz in Asien und Nordamerika mit eigenen Produktions- und Dienstleistungsstandorten erforderlich sein. Diese Regionen bergen für die Branche das größte Wachstumspotenzial.

„China könnte sogar zur zweiten Heimat des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus werden“, meint Dr. Ralph Niederdrenk, Leiter der deutschen Strategy Group und Partner bei PWC. In den kommenden vier Jahren wird sich dort der Anteil der Produktion des deutschen Maschinenbaus von derzeit 7 auf 12 % nahezu verdoppeln. Bei den befragten Firmen mit bis zu 100 Mio. Euro Jahresumsatz wird das asiatische Land damit sogar Nordamerika als Fertigungsstandort den Rang ablaufen.

Nur 30 % der Produkte außerhalb Deutschlands gefertigt

Derzeit erfolgt lediglich ein Drittel der Wertschöpfung des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus außerhalb Deutschlands. Dem steht eine Exportquote von 76 % gegenüber. Entlang der Wertschöpfungskette haben Service und Wartung mit durchschnittlich 40 % aller Aktivitäten den größten Auslandsanteil. Hingegen werden nur 30 % der Produkte außerhalb Deutschlands gefertigt. Die befragten Unternehmen gehen selbst davon aus, dass in den kommenden Jahren immer noch gut 60 % der Erzeugnisse im Inland entstehen werden.

„Prinzipiell ist die Branche derzeit gut aufgestellt. Doch diese starke Position birgt die Gefahr, dass der Trend zur Internationalisierung verpasst wird“, sagt Martin Theben, PWC-Maschinenbauexperte und Leiter des Geschäftsbereichs Industrielle Produktion in Deutschland. Neben der Nähe zum Kunden sind Kostenvorteile und die Erschließung neuer Märkte die wichtigsten Gründe für Internationalisierung.

Qualität an ausländischen Standorten sichern

Für das Festhalten an den bisherigen Strukturen gibt es allerdings auch Gründe. So fürchten viele Unternehmen, im Ausland die in Deutschland gewohnte Qualität nicht erreichen zu können. Die Herausforderung liege hier in der Rekrutierung von ausreichend qualifiziertem Personal. Als weiteren Hemmschuh nennen die Unternehmen laut Theben den unzureichenden Knowhow-Schutz. Auch aus diesem Grund sind in der Branche bis zu 90 % aller Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten weiterhin in Deutschland angesiedelt.

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