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Öko-Institut

Maßstäbe für den verantwortungsvollen Umgang mit der Nanotechnik

| Redakteur: Jürgen Schreier

Die Nanotechnologien wecken zahlreiche Hoffnungen. Sie bieten die Chance auf neue Produkte und Absatzmärkte, auf medizinischen Fortschritt, auf die Schonung von Ressourcen und Umwelt. Gleichzeitig können sie aber auch Risiken für Mensch und Umwelt bergen. Einen konkreten Wegweiser für Forschung und Entwicklung hat das Öko-Institut jetzt mit der neuen Broschüre „Nano Maßstäbe“ herausgegeben.

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( Archiv: Vogel Business Media )

In der Broschüre informieren die Expertinnen und Experten des Freiburger Instituts über den aktuellen Stand des Wissens, zeigen auf, wo dringender Forschungs- und Handlungsbedarf besteht und welche Werkzeuge geeignet sind, offene Fragen zu klären. „Trotz des bruchstückhaften Wissens muss ein Rahmen gesteckt werden, der es ermöglicht, Vorteile nanotechnologischer Anwendungen tatsächlich zu realisieren und gleichzeitig Risiken zu vermeiden oder zu verringern“, sagt Andreas Hermann, Experte für Umweltrecht am Öko-Institut. „Das ist die große Herausforderung, vor der wir aktuell stehen und beinhaltet nicht nur, geltende Rechtsvorschriften zum Schutz der Verbraucher und der Umwelt nanospezifisch anzupassen.“

Denn viele Effekte neuer Entwicklungen lassen sich nicht allein am Schreibtisch vorhersagen, sondern müssen durch die Auswertung praktischer Erfahrungen systematisch erfasst und beurteilt werden. „Die am Dialog orientierte, wissenschaftliche Begleitforschung ist dafür eine geeignete Methode“, erläutert Martin Möller, Experte für die Nachhaltigkeitsbewertung neuer Technologien am Öko-Institut. „Leider ist sie bei der Einführung neuer Technologien immer noch nicht Standard.“

Grundanforderung ist toxikologische Unbedenklichkeit

Eine Grundanforderung an Nanoprodukte ist ihre toxikologische Unbedenklichkeit für Mensch und Umwelt. „Eine umfassende Nachhaltigkeitsbewertung muss darüber hinaus Hinweise liefern, wie Entlastungspotenziale für die Umwelt erschlossen werden können“, fordert Möller. Dafür ist die Betrachtung des gesamten Lebensweges eines Nanoprodukts essentiell. „Sonst laufen wir Gefahr, dass Vorteile, die sich beispielsweise bei der Herstellung ergeben, durch zusätzliche Belastungen während der Nutzung oder der Entsorgung wieder aufgehoben oder - noch schlimmer - sogar untergraben werden.“

Vorhandene Vorteile von Nanoanwendungen können jedoch nur dann genutzt werden, wenn sich die neuen Produkte auch tatsächlich auf dem Markt etablieren. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass sie sich rechnen. Daher sollten alle relevanten Kosten erfasst werden, also auch die „versteckten“, die während der Nutzung oder durch die Entsorgung entstehen. „Mit der Methode der Lebenszykluskostenrechnung ist dies möglich“, sagt Möller.

Wie lassen sich Nanoprodukte recyceln?

Nanoprodukte sicher zu recyceln und zu beseitigen, stellt eine weitere zentrale Notwendigkeit dar. „Bisher wissen wir sehr wenig darüber, wo Nanomaterialien am Ende eines Produktlebensweges verbleiben oder wie sie sich in unseren Entsorgungssystemen verhalten“, merkt Martin Möller kritisch an. „Wir müssen prüfen, ob unsere Systeme geeignet sind, Nanomaterialien zu erfassen und sicher zu behandeln. Wir müssen auch dafür sorgen, dass negative Wechselwirkungen etwa mit biotechnischen Verfahren ausgeschlossen werden können.“

Das Risikomanagement muss sich aber auch auf die Anlagen selbst erstrecken, in denen Nanomaterialien hergestellt, verarbeitet oder abfalltechnisch behandelt werden. „Daher ist beispielsweise zu klären, wie groß das Risiko ist, dass Nanopartikel infolge eines Störfalls aus solchen Anlagen in die Umwelt gelangen und welche Folgen das haben könnte“, erläutert Dr. Christoph Pistner, Experte für System- und Störfallanalyse am Öko-Institut.

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