Deutscher Schneidkongresses „Mehr Respekt vor dem Schneiden“

Autor / Redakteur: Gerhard Hoffmann, / M.A. Frauke Finus

Respekt hat etwas mit Wertschätzung zu tun. Stahl, Metall, Verbundstoffe, Glas oder Kunststoff - sie alle haben eines gemeinsam, sie müssen geschnitten werden. Schneiden ist ein wichtiges Gewerk im Lebenszyklus eines Produktes. Der Schneidprozess steht weit am Anfang der Wertschöpfungskette und erhält möglicherweise nicht immer die ihm gebührende Beachtung. Drum lautet das Motto des Deutschen Schneidkongreses vom 24. bis 25. Februar in Dortmund „Mehr Respekt vor dem Schneiden“.

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Auf dem Schneidforum werden im Februar 2016 in Dortmund alle Trennverfahren betrachtet.
Auf dem Schneidforum werden im Februar 2016 in Dortmund alle Trennverfahren betrachtet.
(Bild: Schneidforum Consulting)

Schneidforum Consulting hat mögliche Ursachen für den Werteverfall in der Blechbearbeitung ermittelt.

Ursache 1. Geringe Ausbildungstiefe, wenig Weiterbildung

Es gibt vieles zu wissen und zu lernen, wenn man einen wirklich guten und wirtschaftlichen Schnitt garantieren möchte. Als eminent relevanter Prozess in der Wertschöpfungskette, sollte das Schneiden von fachlich gut ausgebildeten Mitarbeitern durchgeführt werden. Über Materialeigenschaften, Gase und elektrische Energien, osmotischen Druck, Welleneigenschaften des Lichts, über Maschinengrundwissen, wie beispielsweise den Venturi-Effekt beim Wasserstrahlschneiden, thermischen Einflüssen auf das Materialgefüge, bis hin zu chemischen Zusammenhängen und physikalischen und elektrischen Abläufen muss eine ganze Menge beachtet werden. Umwelt und Sicherheitstechnik, Prozessdenken, Materialwirtschaft und Softwarebzw. CNC-Steuerungswissen kommen noch hinzu. Die Tatsache, dass für das Schneiden von Stahl und Metall in Deutschland noch kein Lehrberuf eingerichtet wurde, muss als handfester Systemfehler begriffen werden. In allen anderen Branchen profitiert man seit Jahren von den unbestreitbaren Vorteilen unseres zweistufigen Lehr- und Ausbildungssystems.

Ursache 2: Geringschätziger Umgang mit den Schneidanlagen!

In einer Umfrage des Schneidportals www.schneidfurm.de ermittelte Schneidforum Consulting dass knapp 70 % aller Schneidmaschinen keine regelmäßige Wartung erhalten. Für wartungsintensive Laserschneidanlagen gilt dies nicht, da für diese Maschinen in der Regel ein Wartungsvertrag abgeschlossen wird. Andernfalls könnte deren störungsfreier Betrieb nicht gewährleistet werden. Ganz anders sieht es hingegen bei den robusten Brennschneid- und Wasserstrahlschneidanlagen aus. Ein Unternehmer berichtet, seiner Meinung nach, sei diese Anlagen so robust gebaut, dass sie über mehrere Jahre hinweg einwandfrei arbeiten. Also wozu etwas abschmieren, reinigen, nachjustieren, warten, auswechseln, wenn es doch auch so funktioniert? Diese Frage lässt die beiden Seiten der Medaille erkennen: Auf der einen Seite ist es gut zu wissen, dass man sich auf seine Produktionsmittel verlassen kann. Auf der anderen Seite ist es unvernünftig, seine Produktionsanlagen nicht regelmässig auf ihren Zustand hin inspizieren zu lassen. Diese Art des Umgangs mit Plasma-, Wasserstrahl- und Brennschneidanlagen spiegelt natürlich auch die Wertschätzung wider. Am Ende führt die Einsparung der regelmässigen Wartung zu einem Wertverlust der Anlage, zu einem Maschinenausfall in ungelegener Zeit und zu erhöhtem Stresspegel, wenn der Hersteller nicht in 24 Stunden die Anlage wieder betriebsbereit in Stand setzen kann.

Ursache 3: Reduktion durch Automatisierung und Vereinfachung!

Für die immer komplexere Automatisierung und damit Vereinfachung ihrer Schneidanlagen gebührt Maschinenherstellern unser Respekt. Aber es ist ein Trugschluss zu glauben, Mitarbeiter müssten nur noch wissen, wie man den Ein/Aus-Knopf betätigt. Die Betreiber dieser Anlagen sind gut damit beraten, die Angehörigen ihres Betriebs kompetent zu schulen, vor allem im Hinblick auf die Qualitätssicherung, die ohne fachlich gut ausgebildete Kräfte undenkbar ist. Die Vorteile einer fundierten Ausbildung lassen sich anhand von Beispielen aus der Praxis gut nachvollziehen. Eine Ungenauigkeit von gerade einmal einem Grad beziehungsweise wenigen Zehntel Millimetern kann bei einer Schweißnahtfasenvorbereitung schnell Mehrkosten von einigen hunderttausend Euro durch das Auffüllen der entstandenen Lücken mit Fülldraht bedeuten. Ebenso kann ein gut ausgebildeter Schachtel-Mitarbeiter den Materialverbrauch durch sein Expertenwissen leicht so stark reduzieren, dass sich für das Unternehmen Einsparungen von mehreren zehntausend Euro im Jahr ergeben können. Schneidforum Consulting glaubt, dass diese drei Ursachen, die speziell in der Schneidbranche vorzufinden sind, einen maßgeblichen Einfluss darauf haben, dass dem Schneiden die verdiente Wertschätzung verwehrt bleibt.!

Was etwas wert ist, verdient einen Preis

Schneidforum Consulting glaubt, dass das Schneiden einen Wert hat und deshalb mehr Respekt und Beachtung verdient. Weil man diesen Wert vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennen kann, soll das Schneiden auf dem Deutschen Schneidkongress 2016 in den Mittelpunkt gestellt werden. Es wird der Cutting Award in allen vier Schneiddisziplinen (Autogen, Plasma, Laser und Wasserstrahl) an Nachwuchstalente verleihen. Auf diese Weise will das Schneidforum seine Wertschätzung gegenüber dem Gewerk des Schneidens und den ausbildenden Unternehmen in Industrie und Handwerk zum Ausdruck bringen. Um den Gegenwert eines guten Schnitts ganz plastisch zu illustrieren, werden die Gewinner mit attraktiven Sachpreisen wie Ipads und Ipods prämiert.

Neben wissenschaftlichen Beiträgen der Referenten von den Fraunhofer-Instituten und der Leibniz-Universität Hannover, werden auch Consultants motivierende Beiträge beisteuern. Im Innovationsforum präsentieren Sponsoren neue Lösungskonzepte für die Praktiker unter den Besuchern. Nach Technik-Blöcken sortiert, planen wir Beiträge zum Laserschneiden, zu Wasserstrahl-Grenzanwendungen, den neuesten Automatisierungsund Schweißnahtkonzepten, zu Entgratungsmethoden, zu kostensenkender Logistikplanung und natürlich auch zu Industrie 4.0 und 3D-Laserbasierten generativen Verfahren.

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