Marketing Messen in Bayern bieten große Vielfalt

Autor / Redakteur: Dr. Peter Borstel / Stéphane Itasse

In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr „Fertigungs“-Messen in Bayern etabliert. München zeigt sich als Messestandort sehr aktiv, Nürnberg ebenso. Und alle zwei Jahre steht das kleinere Augsburg auch ein bisschen im Rampenlicht.

Firmen zum Thema

Die Messe München ist der größte Messeplatz in Bayern, auch für die Branchenveranstaltungen der Fertigungs- industrie. Bild: Messe München
Die Messe München ist der größte Messeplatz in Bayern, auch für die Branchenveranstaltungen der Fertigungs- industrie. Bild: Messe München
( Archiv: Vogel Business Media )

Einer der führenden deutschen privaten Messeveranstalter ist in Bayern zuhause – die AFAG in Nürnberg, die am 1. April das 60-jährige Bestehen feierte. Gut zwei Wochen zuvor machten sich die Verantwortlichen selbst ein kleines Geburtstagsgeschenk. Ihre internationale Fachmesse „Grindtec“ in Augsburg verzeichnete mit 354 Ausstellern und 11 067 Besuchern neue Rekorde. Das Erfolgsrezept der alle zwei Jahre ausgetragenen Schau liegt in der Nische. Während andere Werkzeugmaschinenmessen ein breiteres Angebot präsentieren, fokussiert sich die Grindtec nur auf ein einziges Segment: Schleiftechnik. Mit dieser Strategie wurden immerhin zuletzt 36% ausländische Aussteller an den eher beschaulichen Messeplatz Augsburg gelockt. Und die freuten sich über gute Geschäftsabschlüsse. „Wir machen hier die gleichen Umsätze wie auf der EMO“, bilanziert Roberto Mancina, „aber die Messe kostet uns nur halb so viel“, rechnet der Präsident des italienischen Herstellers von Diamantschleifscheiben Cafro vor.

Trotz des Lobes für die Augsburger Schleiftechnikmesse: Das eigentliche Messeleben in Bayern spielt sich in München und Nürnberg ab. Die Messe München hat sich in den vergangenen Jahren Zug um Zug einige Veranstaltungen im Fertigungsbereich gesichert. Vor vier Jahren ging erstmals die „Automatica“ an den Start. Vom 10. bis 13. Juni 2008 steht nun die dritte Auflage an. Die Fachmesse für Montage- und Handhabungstechnik, Robotik und industrielle Bildverarbeitung dürfte dann weiter gewachsen sein. „Die Automatica wird die Ergebnisse der Vorveranstaltung des Jahres 2006 übertreffen“, ist Norbert Bargmann, Geschäftsführer der Messe München, überzeugt. Damals trafen über 800 Aussteller auf rund 28 500 Fachbesucher. Im Robotik-Bereich scheint die Stimmung im Vorfeld der Messe sehr gut. Der VDMA erwartet für 2008 ein Wachstum von 12%. Entsprechend optimistisch sehen Branchenführer wie ABB, Fanuc, Kuka oder Motoman der Eröffnung entgegen. Die praktische Anschauung an den Ständen wird durch einen theoretischen Teil ergänzt. Parallel zur Messe findet die 5. Fachtagung Robotik statt, zu der 250 Branchenexperten erwartet werden.

Metall München ersetzt Metav Süd

Ein anderes vergleichsweise neues Projekt in der bayerischen Landeshauptstadt ist die „Metall München“. Sie ist in die Lücke gesprungen, welche die einstige „Metav Süd“ hinterlassen hat. Die Metall München wird vom 11. bis 14. März 2009 zum zweiten Mal ausgetragen – parallel zur traditionsreichen Internationalen Handwerksmesse (IHM). Beide Schaufenster werden von der Münchener Messetochter GHM (Gesellschaft für Handwerksmessen) veranstaltet. „Die Kombination Metall München und IHM war für uns sehr positiv“, gab der Aussteller Demmeler Maschinenbau zu Protokoll und bestätigt damit die gewünschten Synergien zwischen Industrie und Handwerk. Schon bei der Messepremiere im Jahr 2007 kam ein hoher Anteil an ausländischen Einkäufern aus den südlichen Nachbarländern Österreich und Schweiz. Auch zahlreiche norditalienische Besucher wurden gesichtet. Jeder zehnte Fachbesucher reiste aus dem Ausland an. Stark vertreten waren zudem Interessenten aus den boomenden mittelost-/südosteuropäischen Wachstumsmärkten Tschechien, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Dieser Trend könnte sich künftig noch verstärken. Dabei kommt der Messe München und der GHM zugute, dass sie sich seit vielen Jahren stark in der Alpen-Adria-Donau-Region engagieren.

Auf das Handwerk und dessen goldenen Boden setzt auch die Nürnberg Messe. Ihre „Holz-Handwerk“ lockte Anfang April im Verbund mit der „Fensterbau/Frontale“ mehr als 100 000 Fachbesucher an – vor allem wieder Schreiner, Tischler und Zimmerleute. „Modernes Handwerk heißt heute: synchrone Nutzung von Kopf, Hand und Maschine“, so Wilfried Altendorf, Geschäftsführer der Wilhelm Altendorf GmbH & Co. KG und Vorsitzender des Messefachbeirates. Von handgeführten Werkzeugen bis zu CNC-Maschinen, von Materialien bis zur Fachliteratur: 516 Aussteller prä-sentierten die ganze Palette von Produkten und Dienstleistungen rund um das Thema handwerkliche Holzbearbeitung und -verarbeitung. Bei der parallel durchgeführten „Fensterbau/Frontale“ klappte die Mischung von Handwerk und Industrie ebenfalls: Die Hälfte der Fachbesucher kam aus dem Handwerk. Das waren vor allem Glaser und Fensterbauer, Bauschreiner, Möbel- und Metallbauer. Ein weiteres Viertel waren Fachleute aus der Industrie, die sich an den Ständen der 760 Aussteller den Durchblick verschafften.

Vom 30. September bis 2. Oktober 2008 öffnet in Nürnberg eine weitere Leitmesse ihre Pforten: die Powtech. „Hier wird das komplette Produkt- und Dienstleistungsspektrum der mechanischen Verfahrenstechnik und Partikelanalytik zu sehen sein“, beschreibt Claudia Hauser, Projektverantwortliche der Powtech. Die Messe ist ein branchenübergreifendes Technologieforum für alle Industrien, die Pulver-, Granulat-, Schüttgut- und Nanotechnologie einsetzen. Besonders angesprochene Branchen sind Chemie- und Pharma, Nahrungsmittel, Keramik, Glas und Holz – genauso wie die Baustoff-, Recycling, Kohle- und Erzindustrie. Und das sind längst noch nicht alle Besucherzielgruppen. Die Nürnberg Messe hebt hervor, dass sich mechanische Verfahrenstechniken in vielen Produktionsprozessen befinden: in der Energieerzeugung, der Textil-, Bekleidungs- und Lederindustrie, aber auch in der Metallbearbeitung. An der letzten Auflage der Powtech nahmen 714 Aussteller und über 16 000 Besucher teil.

SPS/IPC/Drives zu Gast bei der Nürnberg-Messe

Vom 25. bis 27. November 2008 beherbergt die Nürnberg Messe eine Gastveranstaltung der Mesago Messe Frankfurt: die 19. SPS/IPC/Drives für elektrische Automatisierungstechnik. Über 1300 Aussteller zeigen dann wieder Produkte und Dienstleistungen aus Bereichen wie Steuerungstechnik, Antriebstechnik, industrielle Software, Interfacetechnik oder Sensorik. Als Aussteller vertreten sind Weltmarken wie Bosch Rexroth, aber auch mittelständische Unternehmen. Für viele hat sich die Messebeteiligung an der SPS/IPC/Drives mit klingender Münze ausgezahlt – wie ein nord-rhein-westfälischer Aussteller bestätigt. „Wir sind ein Software-Anbieter für ganzheitliche Life-Cycle-Management Systeme“, sagt Jochen Schüler, „den Wert unserer Produkte erkennen mehr und mehr Betreiber wie auch Anlagen- und Maschinenbauer“, so der Geschäftsführer der innotec GmbH, Schwelm. Zum Beispiel der Marktführer für den Bau von Anlagen für die Getränkeabfüll- und Verpackungsindustrie, Krones AG: „Mit dem haben wir 2007 auf der Messe einen umfangreichen Rahmenvertrag über 165 Lizenzen geschlossen.“

(ID:253915)