Synchropress Mit der Servospindelpresse auf dem Anhänger in Deutschland unterwegs

Autor: M.A. Frauke Finus

Etwas erzählt zu bekommen und etwas selbst zu erleben, ist ein Unterschied – auch wenn es um die Fähigkeiten einer Presse geht. Das dachte sich auch Johannes Hülshorst, der Erfinder der Synchropress, packte eine Presse auf den Hänger und besucht nun interessierte Unternehmen vor Ort. Blechnet war dabei, als die Roadshow bei der Samson AG in Frankfurt am Main Halt machte.

Firmen zum Thema

Und Action: Hülshorst senior erklärt die Vorteile einer servomotorisch angetriebenen Presse. Besonders interessant ist für Samson die Möglichkeit, dass die Synchropress stanzen und ziehen kann.
Und Action: Hülshorst senior erklärt die Vorteile einer servomotorisch angetriebenen Presse. Besonders interessant ist für Samson die Möglichkeit, dass die Synchropress stanzen und ziehen kann.
(Bild: Finus)

Der Maschinenbauingenieur Johannes Hülshorst hat vor knapp 15 Jahren ein völlig neues Pressensystem entwickelt: die Synchropress. Bei diesem Pressentyp wird der Stößel über Spindeln nach unten gezogen. Das Konzept einer servomotorisch angetriebenen Presse hat sich mittlerweile bewährt und ist in der Branche bekannt. Trotzdem ist Hülshorst, Geschäftsführer der Aldama GmbH aus Verl, noch immer der Ansicht, die Presse sei erklärungsbedürftig.

Broschüren und Internetpräsenz können noch so toll sein, wenn Hülshorst und ein Kunde gemeinsam vor der Presse stehen, ist das die bestmögliche Erlebniserfahrung. „Wenn wir Kunden aus Süddeutschland zu uns nach Ostwestfalen einladen, kommen sie nur selten. Kommt also der Interessent nicht zur Presse, fährt die Presse zum Interessenten“, war der Schlüsselsatz von Hülshorst, aus dem die Idee einer Roadshow geboren wurde. Im Winter war Hülshorst mit seinem Sohn Alexander bei der Samson AG in Hessen zu Gast.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 11 Bildern

Die in Ventilen verbauten Stanzteile werden in Eigenproduktion gefertigt

Die Samson AG blickt auf über 100 Jahre Erfahrung im gesamten Produktspektrum des Messens und Regelns zurück. Das Unternehmen mit Stammsitz im Frankfurter Ostend ist überall da aktiv, wo Dinge im Fluss sind: Dämpfe, Gase und chemische Substanzen, zum Beispiel in der Lebensmittelindustrie und in der Chemietechnik. Die modular aufgebauten Stellventile sind als Durchgangs-, Eck- und Dreiwegeventile in allen gängigen Druckstufen und Werkstoffen lieferbar. Samson fertigt Ventile mit einem Durchmesser von 1 bis 32". Zusammen mit allen Tochterfirmen beschäftigt Samson weltweit mehr als 4000 Mitarbeiter, etwa 1600 davon arbeiten teilweise im Schichtbetrieb in der Mainmetropole.

An den Edelstahlventilen werden als Dichtelemente 0,15 mm dünne Balge verbaut. Um diese zu befestigen, wird ein Boden angeschweißt, der wiederum als Halterung an die Rohre geschweißt werden kann. Dieser Boden ist ein Stanzteil, das Samson für den Eigenbedarf zurzeit auf zwei hydraulischen Pressen und einer Exzenterpresse fertigt.

Servospindelpresse erlaubt stanzen und ziehen in einer Maschine

Lothar Nonn, Leiter einer von zwei Abteilungen für Betriebsmittelkonstruktion bei Samson, erklärt: „Mit unseren Pressen stoßen wir langsam an unsere Kapazitätsgrenzen. Es muss also eine zusätzliche Anlage her. Die Servospindelpresse stellt hier eine echte Alternative dar, mit ihr könnten wir stanzen und ziehen in einer Maschine.“ Aldama arbeitet beim Bau der Pressen in Kooperation mit der H&T Produktionstechnologie GmbH aus Crimmitschau; aktuell ist die Synchropress in zwei Varianten verfügbar.

Bei der 1M-Variante werden vier mechanisch gekoppelte Spindeln durch einen Motor angetrieben. Diese Variante ist für den Kraftbereich bis 1500 kN konstruiert. Bei der 4M-Variante werden vier elektronisch gekoppelte Spindeln von jeweils einem eigenen Motor angetrieben. So können Presskräfte bis 8000 kN erreicht werden.

Kundenindividuelle Wünsche können mit der Servospindelpresse verwirklicht werden

Nach Frankfurt, dem etwa dreißigsten Halt der Roadshow, haben die Hülshorsts die 1M-Variante mitgebracht. Für die Demonstration wird 0,1-mm-Edelstahl 1.4310 verarbeitet. Das Werkzeug, das exemplarisch auf der Presse gerüstet ist, fertigt ein Teil für ein altes Modell eines Nokia-Handys. Hülshorst zeigt ein erstes, manuell Joystick-gesteuertes Anstanzen und erklärt den Samson-Mitarbeitern: „Bei diesem Pressentyp wird der Stößel über Spindeln nach unten gezogen. Bei der 1M-Presse hier ist der Verfahrweg des Stößels 400 mm. Es sind bis 60 Hub pro Minute möglich.“

Diese Synchropress ist für eine Fertigung bis 5000 Teile gedacht. Schnell kommen im Gespräch die ersten Fragen auf, die Kollegen von Samson fragen nach einer Ausstattung mit Fußschalter und einem manuellen Einlegen. Beides für Hülshorst kein Problem: „Die Synchropress kann individuell auf Kundenwünsche abgestimmt werden. Auch die Abmessungen für den Tisch sind flexibel wählbar.“

Nach einer guten Stunde sind alle Fragen geklärt, Nonn ist zufrieden, die Roadshow zu Gast gehabt zu haben: „Eine Live-Demonstration ist die beste Variante, um für eine Entscheidungsfindung die nötigen Informationen zusammenzubekommen.“

(ID:43090671)

Über den Autor

M.A. Frauke Finus

M.A. Frauke Finus

Leitende Redakteurin, Redaktion @blechnet.com