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Hezinger/Hybridcut Mit kombinierter Schneidtechnik in die Selbstständigkeit

Redakteur: Dietmar Kuhn

Hezinger Maschinen GmbH ist als Handelshaus für Blechtechnologien schon seit über 30 Jahren am Markt etabliert. Seit einigen Jahren auch mit eigenen Konzepten für Wasserstrahl- und Plasmaschneidanlagen. Für Ralph Senula war das ein Glücksfall. Denn mit einer Hezinger-Hybridanlage, die beides kann, wagte der Fertigungsfachmann jetzt den Schritt zum Unternehmer.

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Mithilfe des Wasserstrahls sauber und sogar schräg geschnittene Teile.
Mithilfe des Wasserstrahls sauber und sogar schräg geschnittene Teile.
(Bild: Kuhn)

Oft geht man über viele seltsame Wege, um zu etwas ganz Neuem zu gelangen. Meist Zufälle! So erging es auch dem Fertigungs- und Montagefachmann Ralph Senula. Bislang war er immer nur als Angestellter unterwegs, machte gute Arbeit und sammelte als Mittvierziger dabei jede Menge wertvolle Erfahrungen. So lange, bis ihm sein Bekannter, Hans-Jörg von Gersdorff, in Beckum Leiter der Niederlassung des schwäbischen Maschinen-Handelshauses Hezinger Maschinen GmbH aus Kornwestheim, über den Weg lief und ihm von den Möglichkeiten des Wasserstrahlschneidens erzählte.

Am Anfang stand die Idee für Hybridanlage zum Wasserstrahl- und Plasmaschneiden

„Das war ganz einfach“, sagt Senula. „Wir kennen uns schon länger und haben uns einmal über die Schneidtechniken wie Laser, Wasserstrahl- oder Plasmaschneiden unterhalten und die jeweiligen Techniken diskutiert und ob man die auch verknüpfen könnte“, ergänzt der Neuunternehmer. Bei diesen Gesprächen, die meist in privater Atmosphäre abliefen, kamen beide auf die Idee, dass eine Hybridanlage zum Wasserstrahl- und Plasmaschneiden auch für größere Dimensionen die ideale Anlage wäre, mit der man wirtschaftlich erfolgreich und materialunabhängig sein könnte. „Ich habe mich auf einigen Messen umgesehen“, sagt Senula, „aber leider nicht eine solche Maschine gefunden wie wir, von Gersdorff und ich, sie uns vorgestellt haben.“

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Also musste Senula beziehungsweise Hezinger zu einer Sonderlösung greifen. Daraus entstand dann die sogenannte Hybridanlage mit einer Schneidfläche von 8 m × 3 m und zwei Portalen, die jeweils mit einem Wasserstrahlschneidkopf und einem Plasmaschneidkopf bestückt werden können. Aus diesem Gedanken heraus ist mit Hybricut GmbH auch der Name für Senulas Unternehmen entstanden.

Wasserstrahl- und -Plasmaschneidanlagen nur mit Komponenten von Marktführern

Für die Hezinger Maschinen GmbH bedeutete die Konzeption dieser Kombianlage keinerlei Probleme. Hatte man sich in Kornwestheim doch schon seit Jahren mit unterschiedlichen Schneidtechniken, erst als Händler für die Trenntechnologien und seit etwa zwei Jahren als Entwickler solcher Anlagen beschäftigt.

Die Hezinger-Wasserstrahl- und -Plasmaschneidanlagen werden nach eigenen Ideen und vorgegebenen Konzeptionen vom erfahrenen italienischen Maschinenbauer Soitaab produziert. Die Komponenten, die dort verbaut werden, stammen ausnahmslos von den jeweiligen marktführernden Herstellern, wie beispielsweise KMT für die Hochdruckpumpentechnik, Kjellberg Finsterwalde für die Plasmatechnik und Lantek für die softwareseitige Unterstützung der Schneidprozesse.

In der hier vorgestellten Anlage kommt beispielsweise eine Wasserstrahlschneid-Hochdruckpumpe der Typenreihe KMT SL-V 50 Classic mit 3800 bar Druck und einer Leistung von 37 kW zum Einsatz, als Plasmaschneidanlage ist es eine Kjellberg Finsterwalde Hi-Focus 161i für Plasmaschnitte bis 50 mm Dicke, die dort zur Anwendung kommt.

Schnelligkeit des Plasmaschneidens und Stärken des Wasserstrahlschneidens kombiniert

Senula setzt vor allem deshalb auf die Hybridschneidtechnik, weil einerseits mit dem Plasmaschneiden sehr schnell geschnitten werden kann, im Regelfall bis zehnmal schneller als mit dem Wasserstrahl. Andererseits stellt sich ihm bei dickeren Materialien immer das Problem mit der Herstellung von Löchern, überhaupt wenn es um kleinere Durchmesser geht. Mit dem Wasserstrahl ist es dabei ein Leichtes, auch den Einstich für kleinere Löcher zu realisieren, ohne das Material an den Rändern durch die Wärmeeinwirkung zu verändern, wie etwa beim Plasmaschneiden. Im Übrigen können mit dem Wasserstrahl auch Schrägschnitte in hervorragender Qualität erzeugt werden.

Mit der Hezinger-Hybridschneidanlage kann Senula die Grobschnitte deshalb in hohen Geschwindigkeiten fahren und die Feinheiten mit dem Wasserstrahlschneiden herstellen. Dabei, und das ist ein weiterer großer Vorteil, muss das Teil in seiner Lage auf der Maschine nicht verändert werden. Die Schneidgeschwindigkeiten für Plasma liegen so um die 6000 mm/min (beispielsweise Baustahl, 4mm dick), die beim Wasserstrahlschneiden bei etwa 5000 mm/min (beispielsweise bei Papier oder dünnen Kunststoffen), um einmal einen Vergleich zu nennen.

Hybridmaschine mit Wasserstrahl- und Plasmaschneiden verhilft zu mehr Aufträgen

Beispielhaft erzählt Senula von dem Auftrag eines Ofenbauers, der bei ihm einen Rahmen für eine Grundplatte in der Größenordnung von 1,20 m × 1,20 m und einer Dicke von 15 mm. Zunächst wollte der Ofenbauer nur den geschnittenen Rahmen bestellen. Erst, als Senula ihm klar machte, dass er auf einer einzigen Maschine den Rahmen schneiden und in selbiger Aufspannung auch die 8,3 mm Durchmesser großen Löcher für das Gewinde einbringen kann, hat der Ofenbauer die komplett bearbeitete Grundplatte bei Hybricut in Auftrag gegeben.

„Das ist nur ein Beispiel von vielen“, macht Senula deutlich. Durch die hybride Schneidtechnik in einer Anlage ist er so flexibel, dass er keinen Schneidauftrag mehr ablehnen muss. Egal welche Dicke, egal welcher Werkstoff, egal welche Aussparungen oder Lochbilder – mit der Hezinger-Maschine ist er die erste Adresse, wenn es sowohl um einfache als auch sehr umfangreiche Schneidaufgaben geht. „Das Auftragsvolumen wächst ständig, obwohl wir noch gar nicht so richtig am Markt sind“, konstatiert Senula.

Für von Gersdorff als persönlichen Berater von Senula verliert die Anlage langsam ihren Prototypencharakter. „Es ist ja die erste Anlage dieser Art und Größe. Sicher hatten wir anfangs mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen, die aber nach ein paar Monaten beseitigt waren“, sagt er. Aufgrund ihres Prototypencharakters steht die bis jetzt einzigartige Hezinger-Maschine auch allen Interessenten zur Begutachtung zur Verfügung.

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