Remmert-Studie Modernisierung von Blech- und Langgutlagern

Autor / Redakteur: Ralph Schiffler / Annedore Munde

Die Studie „Modernisierung von automatischen Blech- und Langgutlagern in mittelständischen Unternehmen“ der Friedrich Remmert GmbH kommt in verschiedenen Bereichen zu überraschenden Ergebnissen. Wesentliche Aspekte zu den Chancen und dem Optimierungspotenzial einer Lagermodernisierung stellten wir bereits im vergangenen Jahr vor. In diesem Beitrag betrachten wir unter anderem die Gründe, warum einige Unternehmen ihre Anlage nicht modernisieren, und gehen auf die Risiken einer Lagermodernisierung ein.

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Grundlage der Remmert-Studie waren insgesamt 125 Telefoninterviews mit Geschäftsführern und Logistikleitern mittelständischer Unternehmen. Vorausgesetzt wurde dabei, dass die befragten Unternehmen ein eigenes automatisches Langgut- oder Blechlager bewirtschaften. Ein wichtiges Ergebnis der Studie im Hinblick auf die Chancen einer Lagermo-dernisierung ist, dass das Optimierungspotenzial einer Modernisierung – obwohl dieses erwiesenermaßen sehr hoch liegt – von modernisierungsunerfahrenen Unter-nehmen erheblich unterschätzt wird. Dies mag auch einer der Gründe dafür sein, warum lediglich ein Drittel der Befragten innerhalb der letzten zehn Jahre eine Lagermodernisierung durchführte.

Ein weiteres Drittel aller befragten Unternehmen gibt an, innerhalb der nächsten zehn Jahre eine Modernisierung angehen zu wollen. Jeder Vierte dieser Gruppe plant eine Restrukturierung im Jahr 2007, jeder Zweite sieht diese bis 2010 vor. Ein Viertel möchte eine Modernisierung bis 2015 umsetzen. Das verbleibende Drittel aller Studienteilnehmer beabsichtigt nicht, das Lager innerhalb der kommenden zehn Jahre zu modernisieren. Remmert befragte diese Unter-nehmen nach den Beweggründen, die gegen ein Modernisierungsprojekt sprechen. Gut zehn Prozent der Unternehmen geben an, erst vor kurzem ein neues Lager integriert zu haben. Sieben Prozent begründen ihre Entscheidung mit mangelnden finanziellen Möglichkeiten. Mit knapp 60% gibt der Großteil der Gruppe an, dass er mit der derzeitigen Leistung und dem vorhandenen Platz zufrieden ist und daher keinen Bedarf für eine Restrukturierung sieht.

„Auch wenn im Lager zum jetzigen Zeitpunkt alles einigermaßen gut läuft, lohnt es sich immer, das Optimierungspotenzial der einzelnen Komponenten mit Experten zu analysieren“, kommentiert Matthias Remmert, Geschäftsführer der Friedrich Remmert GmbH, diese Haltung. „Zum einen gab es im Bereich Lagertechnik in den letzten Jahren starke Entwicklungen, so dass sich in vielen Bereichen ganz neue Optimierungspotenziale eröffnen. Zum anderen sind regelmäßige Modernisierungen respektive Teilmodernisierungen wichtig, damit es nicht irgendwann zu einemzeit- und kostenintensiven Anlagenausfall kommt.“

Das mit einer Lagermodernisierung verbundene Risiko ist im Allgemeinen höher als das bei einem Anlagenneubau. Rund zwei Drittel aller Befragten schätzen die Schnittstellenanbindung als größtes Risiko ein. Unerfahrene Modernisierungspartner werden von allen Befragten als zweitgrößtes Risiko genannt: Etwa 40% aller Befragten benennen diesen Punkt. An dritter Stelle folgt bei den erfahrenen Unternehmen das Risiko eines lückenhaften Pflichtenhefts.

Die befragten Unternehmen, die noch keine Modernisierung durchgeführt haben, nennen als drittes gravierendes Risiko ein schlechtes Zeitmanagement. Darin äußert sich nach Aussagen der Remmert-Modernisierungsexperten vor allem die Angst, während der Modernisierung den Lagerbetrieb nicht aufrecht erhalten zu können und lange, kostenintensive Ausfallzeiten zu riskieren.

„Kompetente Modernisierungspartner setzen Restrukturierungen heute problemlos während des laufenden Betriebs um“, berichtet Matthias Remmert. Als weitere Risiken bewerten die Studienteilnehmer eine mangelnde Dokumentation der Altprozesse sowie schlechten Support im Anschluss an die Modernisierung. Als entscheidender Faktor zur Risikominimierung wird wie zu erwarten die wohlüberlegte Auswahl des Modernisierungspartners genannt.

Auswahl des Modernisierungspartners

Die modernisierungserfahrenen Unternehmen benennen vier wesentliche Kriterien, die letztendlich bei der Wahl des Dienstleisters entscheidend waren: entsprechende Referenzprojekte (44%), langjährige Erfahrung im Bereich Kassetten- und Blechlagerung (44%) sowie im Bereich Datentechnik (27%) und gutes Service/Wartungs-Angebot (37%). Auch die Unternehmen, die eine Modernisierung in der Zukunft planen, geben diese Kriterien an. Sehr auffällig ist, dass letztere eine langjährige Erfahrung des Modernisierungspartners im Bereich Datentechnik viel stärker betonen: Jeder Zweite benennt das Kriterium als äußerst wichtig.

Dieses Ergebnis ist vor allem darauf zurückzuführen, dass immer mehr Unternehmen planen, ihr Lager an ein übergeordnetes Host-System oder an Bearbeitungsmaschinen aus der Produktion anzuschließen. Eine profunde Schnittstellenkompetenz des Modernisierungspartners ist hier Grundvoraussetzung.

Kompetente und erfahrene Modernisie-rungspartner sind, wie bereits erwähnt, unter anderem daran zu erkennen, dass sie am Anfang jedes Projektes die Ist-Situation detailliert aufnehmen und im Pflichtenheft übersichtlich zusammenfassen. „Wichtig ist, dass aus dem Pflichtenheft eindeutig hervorgeht, welche Schritte zu welchem Zeitpunkt notwendig sind und was der einzelne Schritt kostet. Die realistische Bewertung der Ist-Situation und die sachgerechte Einschätzung der Prioritäten sind die wichtigste Voraus-setzung für den Erfolg der Lagermo-dernisierung“, betont Matthias Remmert. Ein solches Pflichtenheft ermöglicht es dem Auftraggeber zudem, Angebote für unterschiedliche Leistungspakete einzuholen.

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Ein weiterer Hinweis auf einen erfahrenen Modernisierungspartner ist die Tatsache, dass dieser sehr genau definieren kann, wie er bei der Modernisierung des Blech- oder Langgutlagers vorgehen wird, um die Produktion respektive den Lagerbetrieb möglichst nicht oder nur minimal einzuschränken. Im Hinblick auf die Schnittstel-lenanbindung, die von vielen Unternehmen als besonders risikoreich angesehen wird, sollten die Verantwortlichen einen unabhängigen Anbieter auswählen, also einen Software-Spezialisten, der nachweislich regelmäßig auch die Maschinen fremder Anbieter an die eigene Software anbindet.

Lückenhafte Dokumentation der Altprozesse beheben

Ein weiterer Aspekt, den kompetente Modernisierungspartner direkt zu Beginn jedes Projekts berücksichtigen, ist die Behebung der lückenhaften Dokumentation der Altprozesse. Hier ist es notwendig, dass bestehende Systeme detailliert aufgenommen werden. Im Bereich der Datenverarbeitung kann dies zum Beispiel bedeuten, dass über einen bestimmten Zeitraum die Telegramme aufgezeichnet werden, die zwischen den verschiedenen Lagerkomponenten gesendet werden.

Ein weiteres aussagekräftiges Auswahl-kriterium ist die Support-Abteilung des Anbieters. Er sollte mit einem eigenen Support-Team aus qualifiziertem Personal arbeiten, das – wenn notwendig – sieben Tage in der Woche rund um die Uhr erreichbar ist. Bei Support-Anfragen oder Service-aufträgen ist es für die Unternehmen einfacher, mit einem festen Team von Ansprechpartnern zu arbeiten als mit wechselnden Subunternehmern des Lagertechnikanbieters.

Auch Verzögerungen bei der Fehlerbeseitigung werden so vermieden. „Unabhängig von diesen spezifischen Hinweisen rate ich Verantwortlichen, die eine Lagermodernisierung planen, sich bereits im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, wie die weitere Entwicklung des Lagers aussehen wird. Eine automatische Anbindung des Lagers an die Produktion zum Beispiel eröffnet in der Regel ein hohes Optimierungspotenzial und sorgt außerdem dafür, dass das Lager auf lange Sicht wettbewerbsfähig bleibt“, erläutert Matthias Remmert abschließend.

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