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Brexit

Nach dem Brexit-Votum

| Autor/ Redakteur: Rosemarie Stahl / Frank Jablonski

Vor über einem Monat wählte die Mehrheit der Briten den Austritt aus der EU. Trotz Prognosen in diese Richtung war der Schock groß. Die Folgen würden nicht nur für Großbritannien, sondern auch für die deutsche Industrie deutlich spürbar sein, befürchteten deutsche Industrieverbände. Inzwischen ist der erste Schreck verflogen und es zeigt sich: Die Auswirkungen sind vermutlich nicht so drastisch wie befürchtet, aber immer noch schwer abschätzbar.

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( Bild: VBM )

Nach dem Referendum am 23. Juni war das Chaos in Großbritannien groß. David Cameron nahm erwartungsgemäß seinen Hut und erklärte mit einem Pfeifen auf den Lippen, dass es Aufgabe der neuen Regierung sei, dem Europäischen Rat die Austrittserklärung offiziell mitzuteilen. Spätestens da wurde deutlich, dass sich dieser Prozess sehr lange hinziehen wird. Mit Theresa May haben die Briten nun viel schneller als erwartet eine neue Premierministerin. Doch die neue Regierung muss zunächst intern die eigene Position bestimmen, bevor die eigentlichen Verhandlungen mit der EU beginnen können. Die Verhandlungsphase selbst wird momentan auf zwei Jahre geschätzt.

Unternehmen erwarten stabile Investitionen in Deutschland

Doch ganz gleich, ob der Brexit früher stattfindet als zunächst befürchtet oder nicht, können sich Unternehmen auf eine längere Phase der Unsicherheit einstellen. Und obwohl Unsicherheit pures Gift für die Wirtschaft ist, rechnen laut einer Umfrage der IHK zwei Drittel der Unternehmen während der Verhandlungsphase mit einem konstanten Handel. Wie sich allerdings die Lage nach dem Austritt entwickeln wird, hängt selbstverständlich von den Ergebnissen der Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU ab. Ein Drittel der Befragten rechnet mit sinkenden Ex- und Importen.

Innerhalb Deutschlands sind die Reaktionen der befragten Unternehmen eher gelassen: Neun von zehn Unternehmen planen keine Anpassung der Investitionen und noch mehr (95 %) beabsichtigen keinen Auf- oder Abbau der Beschäftigung in Deutschland. Deutschland könnte in gewisser Hinsicht sogar vom Brexit profitieren: 21 % der britischen Unternehmen mit Niederlassungen in Deutschland planen ihre Investitionen in Deutschland zu steigern und fast jedes vierte Unternehmen will die Zahl der Beschäftigten ausbauen. Für britische Unternehmen gewinnen die Niederlassungen innerhalb der EU merklich an Bedeutung.

Ebenfalls überwiegend optimistisch fällt eine Blitz­umfrage des Beratungsunternehmens Kloepfel Con­sulting aus (siehe auch das Interview mit Geschäftsführer Marc Klöpfel auf Seite 27): Hier gaben über die Hälfte der Befragten an, sie würden nicht erwarten, dass aufgrund des Brexit Kunden oder Aufträge wegbrechen. Knapp 70 % waren darüber hinaus sogar überzeugt, dass auch ihre Einkaufspreise nicht steigen werden und knapp 90 % gaben an, dass sie ihren Produktionsfluss durch den Brexit nicht in Gefahr sehen.

Wie stark deutsche Unternehmen betroffen sind, hängt vor allem davon ab, ob sie Tochtergesellschaften in Großbritannien unterhalten und wie wichtig dieser Markt in Relation zur Unternehmensgröße ist. Frank Brandmaier, Head of Corporate Media Relations bei Kion, sieht genau aus diesem Grund sein Unternehmen nicht besonders stark betroffen: „Der Anteil Großbritanniens am Kion Umsatz ist recht gering, nämlich 9 %. Wir produzieren dort nicht mehr und sind als Importeur zwangsläufig einem natürlichen Währungsrisiko ausgesetzt. Entsprechend sichern wir uns über einen Zeitraum von ungefähr zwölf Monaten gegen Transaktionseffekte ab.“ Makroökonomisch teilt er die allgemeine Einschätzung, dass die wirtschaftlichen Konsequenzen eines Brexits für Großbritannien und die EU wahrscheinlich negativ sein werden: „Wie groß diese Auswirkungen sein werden, lässt sich allerdings nicht abschätzen.“

Auch andere Unternehmen haben bislang keine drastischen Auswirkungen des Brexits zu spüren bekommen. Beispiel Trumpf: In Ditzingen sieht man das Geschäft in Großbritannien bislang nicht gefährdet. Das Unternehmen erwirtschaftet mit einer Vertriebsgesellschaft etwa 55 Mio. Euro Jahresumsatz in Großbritannien. Seit 2008 produziert Trumpf mit der Tochter SPI auch Laser auf der Insel, die weltweit verkauft werden. „Wir beobachten den Markt seit dem Referendum besonders aufmerksam“, so Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Trumpf-Geschäftsführung. „Die Nachfrage nach unseren Produkten ist bislang aber ungebrochen.“

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