Metav-Digital Neue Allianzen stabilisieren Wertschöpfungsketten

Autor / Redakteur: Cornelia Gehwiehs / Peter Königsreuther

Kommt das „Domestic Sourcing“, also der Trend zu Lieferanten aus der Nähe, fragt der VDW. Die Antwort darauf, und noch mehr, erörtert die Metav digital vom 23. bis 26. März. Hier ein Einblick...

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Einfache Lieferketten müssen komplexe Wertschöpfungsnetze werden, meint der VDW. Die Metav Digital wird per Experten zeigen, wie das geht. Mit dabei ist der Maschinenhersteller Heller. Hier ein Blick in dessen Fertigung.
Einfache Lieferketten müssen komplexe Wertschöpfungsnetze werden, meint der VDW. Die Metav Digital wird per Experten zeigen, wie das geht. Mit dabei ist der Maschinenhersteller Heller. Hier ein Blick in dessen Fertigung.
(Bild: Heller)

Seit Beginn der Corona-Pandemie diskutieren viele über die Stabilität von Lieferketten – der Disput ist zu einem wahren Top-Thema geworden. Die einen kämpfen um die Beschaffung von Masken und Impfstoffen, den anderen macht die Kurzarbeit bei Zulieferern oder eine Störung auf dem Rohstoffmarkt zu schaffen. Über allem schweben auch noch Unwägbarkeiten durch Handelskonflikte und politische Fährnisse. Wird deshalb die Deglobalisierung voranschreiten?

Die Lage ist prekär, aber nicht für jeden...

Bereits im Frühjahr 2020 sorgte eine Studie der TU München für Zündstoff. Denn diese kam zu dem Ergebnis, dass sich die Strukturen weltweiter Lieferketten in Zukunft „dramatisch verändern werden“. Deshalb sei es wichtig, hieß es damals, dass man in künftigen Krisensituationen in der Lage zu sein müsse, alternative Lieferanten in einer wenig beeinträchtigten Region in petto zu haben. Doch anders als es etwa die chemische oder pharmazeutische Industrie spürt, sieht der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken aus Frankfurt am Main) die eigene Branche weit weniger unter Handlungsdruck.

Eine hohe Tiefe in der Wertschöpfung macht stark

Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW, kennt den Grund! Die hohen Qualitätsstandards der Branche. Er sagt: „Die Unternehmen besitzen entweder eine sehr hohe Wertschöpfungstiefe, oder sie kaufen bereits überwiegend in Deutschland ein.“ Bei Komponenten und Rohmaterial aus China oder dem südlichen Europa seien zwar Ausfälle zu beklagen gewesen, es seien aber durchaus auch Kompensationsmöglichkeiten über andere Lieferanten genutzt worden.

Das sieht auch Benjamin Eichinger vom Unternehmen Scoutbee bei Würzburg so: „Es gibt Schocks, die Unternehmen treffen, aber auch Tools, die Betroffenen helfen.“ Deshalb ist Scoutbee auf die digitale Lieferantensuche spezialisiert, und bedient sich dabei auch der Künstlichen Intelligenz (KI) und Big Data, heißt es. Mittels einer SaaS (Software as a Service) kann man dann in Milliarden von Datensätzen nach Produkten und geeigneten Lieferanten zielsicherer fahnden. Durchforstet werden dabei tiefgehende Marktinformationen, wie Finanzzahlen, Expertisen zur Nachhaltigkeit oder aktive Zertifizierungen – und das sprachübergreifend und in Echtzeit, um sämtliche aktuellen und potenziellen Lieferanten weltweit zu identifizieren. Dauert eine manuelle Suche üblicherweise Wochen oder Monate, führt Eichinger weiter aus, so schrumpft der Aufwand durch digitale Tools allenfalls auf Tage, was durchaus eine Zeitersparnis von 85 % bedeuten kann.

„Man muss immer mit Schocks rechnen, die Unternehmen hart treffen. Doch sollte man auch an bestehende Tools denken, die einem im Ernstfall helfen“, rät Benjamin Eichinger, Director Sales Germany bei Scoutbee.
„Man muss immer mit Schocks rechnen, die Unternehmen hart treffen. Doch sollte man auch an bestehende Tools denken, die einem im Ernstfall helfen“, rät Benjamin Eichinger, Director Sales Germany bei Scoutbee.
(Bild: Scoutbee)

Die Corona-Krise ist es nicht wirklich...

Scoutbee verzeichnete 2020 einen sprunghaften Zuwachs an Aufträgen und Kunden, darunter auch Werkzeugmaschinen-Hersteller. Vor rund 6 Jahren gegründet, und erst seit zwei Jahren auf dem Markt, beschäftigt das Unternehmen inzwischen über 130 Mitarbeiter. Ein virtueller Stand auf der Fachmesse Metav digital 2021 ist im Übrigen bereits gebucht. Eichinger bestätigt, dass es in letzter Zeit eine Bevorzugung von Lieferanten „in der Nähe“ durchaus gegeben hat. Auch seien globale Strategien zurückgefahren worden. Doch ausgelöst hat die Suche nach neuen Lieferanten nicht unbedingt die Corona-Krise, macht er klar. Auch Qualitätsmängel oder die Reduzierung von Lieferkosten spielten bei den registrierbaren Veränderungen eine Rolle.

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