Blechbearbeitung Neue Anlagentechnik für die Bearbeitung ganz großer Bleche

Autor / Redakteur: Annedore Munde / Stefanie Michel

Große Blechformate, individuelle Kundenbetreuung und passgenaue Technik – so kann man die Eckpfeiler auf den Punkt bringen, mit denen ein Blechverarbeiter aus Köln seit vielen Jahren erfolgreich am Markt agiert. Mit der Anschaffung neuer Anlagentechnik und einem zweiten Standort in Thüringen kann das Unternehmen jetzt noch besser auf die Kundenwünsche eingehen.

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Am Produktionsstandort in Berka/Werra hat sich August Bertrams auf die Bearbeitung großformatiger Bleche spezialisiert.
Am Produktionsstandort in Berka/Werra hat sich August Bertrams auf die Bearbeitung großformatiger Bleche spezialisiert.
(Bild: Bertrams)

Der Kölner Dialekt ist im Gespräch mit Jörg Bertrams kaum herauszuhören. Seit mehr als 20 Jahren lebt er in Berka/ Werra und ist hier für den Thüringer Produktionsstandort der August Bertrams GmbH verantwortlich. Gegründet, so erzählt er, wurde das Unternehmen ursprünglich von seinem Großvater 1938 in Köln. Gestartet ist dieser ganz klassisch mit Stanz- und Biegeteilen sowie Blechformteilen. Der Vater des heutigen Firmenchefs erweiterte das Produktionsprogramm später um den Bereich Abkantprofile. Das Geschäft lief gut und größere Produktionsflächen wurden erforderlich. Im Jahr 1979 wurde die Betriebstätte also von Köln-Mülheim nach Köln-Porz verlagert. Doch bereits 1984 musste wieder erweitert werden: Die Produktionsfläche wurde von 2000 auf dann 2500 m² ausgebaut. Als 1992 die nächste Flächenerweiterung notwendig wurde, war dies in Köln nicht mehr möglich. Man suchte nach einem zweiten Unternehmensstandort, der nicht nur die Option auf Erweiterung bot, sondern auch mit dem Blick auf die Logistik und die erforderlichen Fachkräfte geeignet war.

Kontinuierliches Wachstum erfordert neue Produktionsflächen

Die Entscheidung fiel für Berka/Werra aus, wo eine zweite Niederlassung des Unternehmens mit einer Hallenfläche von etwa 4000 m² errichtet wurde. Jörg Bertrams war von Beginn an dabei: Er war an der konzeptionellen Entwicklung des Standortes genauso beteiligt wie am Werksaufbau und der Produktionsplanung. Dass er dabei auf die Kenntnisse aus seinem Produktionstechnikstudium zurückgreifen konnte, erleichterte vieles.

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Im Januar 1993 war in Berka/Werra für 15 Beschäftigte Produktionsstart. Und das gleich mit einer Premiere für das Unternehmen: Neu im Produktionsprogramm waren 3D-Laserteile und die komplette Bearbeitung von bis zu 8150 mm langen und bis zu 10 mm starken Blechen. „Wir haben uns auf große Teile spezialisiert, die teilweise bis zu einer Tonne Gewicht haben“, sagt Bertrams. Zu den Kunden zählt er Unternehmen aus Bereichen des Anlagen-, Stahl-, Container-, Fahrzeug- und Maschinenbaus, Handel, Luft- und Raumfahrttechnik sowie aus dem Bereich der erneuerbaren Energien.

Vorhandenes Fachpersonal am zweiten Standort nutzen

Heute sind in Thüringen 27 Mitarbeiter beschäftigt und in Köln 30. Der Aufbau des zweiten Standortes sei eine gute Wahl gewesen, so Bertrams. Die Nähe zur Autobahn sei ein Faktor. Wesentlich wichtiger sei jedoch das Fachpersonal, auf das das Unternehmen hier vor Ort von Beginn an bauen konnte.

In den fast 85 Jahren Unternehmensgeschichte in Köln und immerhin schon 20 Jahren in Berka/Werra hat die August Bertrams GmbH ihr Leistungsspektrum stetig erweitert. Neben der klassischen Blechbearbeitung und Blechumformung gehören heute Scherenzuschnitt, Stanzen, Laserbearbeitung, Kanten, Schweißen und Beschichten zu den Schwerpunkten in den Blechbearbeitungszentren.

Neue Anlagentechnik setzt Maßstäbe in puncto Dimension

Mit dem Leistungsangebot ist auch der Maschinenpark gewachsen. So wurde im Zuge der Erweiterung in Berka/ Werra nicht nur die Produktionshalle um weitere 2160 m² ausgebaut, sondern auch neue Anlagentechnik angeschafft: eine 1000-t-Gesenkbiegepresse von EHT mit einer Bearbeitungslänge von bis zu 10.050 mm.

Der Kauf dieser neuen Technik bedeutete für Bertrams zu diesem Zeitpunkt einen wichtigen Schritt in Richtung Automationserweiterung: bessere Reproduzierbarkeit der Abkantungen, geringere Rüstzeiten und höhere Wirtschaftlichkeit. „Damals wie heute: Wir müssen uns nicht nur auf unser Fachpersonal verlassen können, sondern auch auf unsere Technik“, sagt Bertrams. Das war wohl auch der Grund, warum 2007 eine Trumpf-Laserschneidanlage 4030 mit Liftmaster dazukam und 2008 eine 500-t-Gesenkbiegepresse mit einer Bearbeitungslänge von bis zu 7500 mm. Und 2012 dann die zweite Trumpf-Anlage: eine Trulaser 8000. „Der Laser ist prädestiniert für kleine Losgrößen“, so Bertrams. „Und die Anlage passt gut zu unserem Produktportfolio“, ergänzt er.

Etwa 800 bis 1000 t Stahl werden im Monat verarbeitet. Gefertigt werden beispielsweise Längs- und Querträger, Außenrahmen, Rungenprofile, tragende Komponenten für den Landmaschinenbau oder auch Teile für Lackieranlagen – viele großformatige Teile also. Die neue Überformatmaschine von Trumpf eignet sich dafür ideal. Die Anlage in Berka/ Werra bearbeitet Bleche bis zu einer Größe von 12 m × 2 m und ist mit einem Wechseltisch ausgestattet. Die größte Ausführung dieser Trumpf-Anlage ist für die Bearbeitung von Blechen bis zu einer Größe von 16 m × 2,5 m ausgelegt.

Mit Lasersteuerung filigrane Konturen im Blech erzeugen

Dank einer präzisen Lasersteuerung können auch filigrane Konturen in Dick- und Dünnblech erzeugt werden, und dies aufgrund der hohen Maschinensteifigkeit mit einer sehr hohen Konturgenauigkeit. Durch gemeinsame Trennschnitte wird sowohl das Material noch effizienter genutzt als auch der Verschnitt verringert. Das Konzept der „fliegenden Optik“ garantiert dem Anwender außerdem eine kratzerarme Bearbeitung und damit minimalen Ausschuss.

In Berka/Werra steht die 57. Trulaser 8000. Und Jörg Bertrams hat eine besondere Beziehung zu dieser Anlage. Die Automatisierung dazu wurde nämlich im Unternehmen selbst entwickelt, wobei auf gängige Komponenten von Demag und Siemens zurückgegriffen wurde. Mit dieser passgenauen Automatisierung könne man besser auf die spezifischen Fertigungsabläufe reagieren, so Bertrams. Dass die Anlagenteile der Automatisierungstechnik letztendlich die gleiche Farbgebung erhalten haben wie die große Trumpf-Anlage, versteht sich für Bertrams von selbst.

Kompetenz vom Einzelteil bis zum einbaufertigen Produkt

„Jedes Teil hat seine Herausforderungen“, sagt Bertrams. Gerade bei der Herstellung von Klein- und Mittellosen sei ein sehr individuelles Arbeiten notwendig. Und hier gehe man mit dem Kunden häufig ein Stück des Weges gemeinsam. „Unsere Entwicklungsarbeit wird gern in Anspruch genommen“, erklärt er. Die technischen Voraussetzungen dafür sind vor Ort auch vorhanden. Und nicht immer ist es nur das einzelne Bauteil, welches der Kunde in Auftrag gibt. „Wir haben eine hohe Fertigungstiefe und können bis zum einbaufertigen Produkt liefern.“ Ein entsprechender Maschinenpark mit CNC-Stanzmaschinen, -Scheren und -Gesenkbiegepressen, 3D-Lasern sowie diverse Schweiß- und Robotertechnik sind dafür genauso die Basis wie die Konstruktion mithilfe entsprechender CAD/CAM-Systeme.

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