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Krisenbewältigung

Neue Technologien sind nur der halbe Weg aus der Krise!

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New Leadership heißt Vertrauen schaffen und Verantwortung übertragen

Bevor man ein neues Geschäftsmodell angeht, muss sich aber häufig erst die Unternehmenskultur verändern, sagen die Experten in Heilbronn. Das stellt insbesondere Führungskräfte vor neue Herausforderungen. Denn erstens seien die Aufgaben in vielen Funktionsbereichen in den vergangenen Jahren so komplex geworden, dass ein Vorgesetzter unmöglich mit allen Entwicklungen in seinem Team Schritt halten könne. Und zweitens müssten in agilen Entwicklungsprozessen Entscheidungen häufig schneller getroffen werden und nicht von komplexen Hierarchien ausgebremst werden. Drittens forderten viele Arbeitnehmer heute auch mehr Selbstverantwortung ein.

Wer also wertvolle Talente an sich binden will, muss außer ein gutes Gehalt zu zahlen, auch emotionale Erfüllung bei der täglichen Arbeit bieten, heißt es. Vertrauen und Verantwortung sind seit Jahren die wichtigsten Werte für Führungskräfte, zitiert Claudia Peus, Professorin für Forschungs- und Wissensmanagement an der TUM, aus einer Studie zur Untersuchung für die Wertekommission. In diesem Jahr stieg zudem die Bedeutung des Wertes Respekt deutlich an! Denn in Coronazeiten rückten manche Teams virtuell enger zusammen und entwickelten mehr Verständnis über die alltäglichen Herausforderungen einzelner Kolleginnen und Kollegen, so die Meinung der Wissenschaftlerin.

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Der deutsche Führungsstil kann zum Bremsklotz werden

Für eine tiefgreifende Transformation sei außerdem eine Führung mit klarem Kurs in puncto Wertekompass entscheidend. In der Praxis sei das jedoch noch nicht in allen Unternehmen angekommen. „Der deutsche Führungsstil ist häufig noch kontroll- und anwesenheitslastig“, weiß etwa Thessa von Hülsen, verantwortlich für die Personalstrategie der Deutschen Börse. Von Hülsen weiter: „Wir versuchen deshalb, mehr Entscheidungen in die Teams zu delegieren.“

In etablierten Unternehmen könne dieser Wandel aber auf Widerstand stoßen. Doch neue Führungsmethoden und ein Austausch auf Augenhöhe sorgten schnell dafür, dass Mitarbeiter sich stärker wahrgenommen fühlen und damit motivierter sind. „Am Anfang gab es durchaus hochgezogene Augenbrauen“, erinnert sich von Hülsen, „aber dann war es ein riesiger Erfolg.“

Bleiben Sie nicht nur gesund, sondern auch neugierig!

Auch eine intensive Zusammenarbeit mit Start-ups könne dabei helfen, sich an moderne Instrumente heranzutasten. Denn die meist kleinen Tech-Teams sind oft von flachen Hierarchien und kurzen Entscheidungswegen geprägt, präzisieren die Experten. Mittelständler und Konzerne kämen über Kooperationen oder gar Übernahmen nicht nur an innovative Produkte: „Damit werden auch Managementstrukturen übernommen“, beobachtet Thomas R. Villinger, Geschäftsführer des Risikokapitalgebers Zukunftsfonds Heilbronn.

Insbesondere eine neue Freude am Ausprobieren könnte Unternehmen zukunftsgerichteten Rückenwind geben. Das Fundament aus exzellenter Entwicklung und einem tiefen Verständnis für den Markt bringen viele ja bereits mit, heißt es weiter. Jetzt gehe es darum, mit Mut, die Transformation innerhalb der eigenen Organisation und entlang der Wertschöpfungskette zu gestalten. Und dabei nicht in alten Strukturen zu verharren. „Wir brauchen Neugierde“, fordert Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe, in diesem Zusammenhang.

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