Brennstoffzellenkomponenten NRW-Klimaschutzminister besucht Gräbener Maschinentechnik

Redakteur: Jürgen Schreier

„Ich habe heute Morgen ein paar beschlipste Revolutionäre kennengelernt.“ Mit diesem Fazit schloss NRW-Klimaschutzminister Johannes Remmel sichtlich beeindruckt seinen Besuch bei der Gräbener Maschinentechnik GmbH & Co. KG in Netphen. Er habe Einblick nehmen können in den Kosmos der Brennstoffzellen-Fertigung.

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Minister Johannes Remmel war nicht mit leeren Händen nach Netphen-Werthenbach gekommen. Er übergab einen Förderbescheid für das Förderprojekt „Breeze“ an Dr. Theodor Gräbener (r.) und Dieter Kapp (l.), Geschäftsführende Gesellschafter der Theodor Gräbener GmbH & Co. KG, zu der Gräbener Maschinentechnik gehört. (Bild: Gräbener)
Minister Johannes Remmel war nicht mit leeren Händen nach Netphen-Werthenbach gekommen. Er übergab einen Förderbescheid für das Förderprojekt „Breeze“ an Dr. Theodor Gräbener (r.) und Dieter Kapp (l.), Geschäftsführende Gesellschafter der Theodor Gräbener GmbH & Co. KG, zu der Gräbener Maschinentechnik gehört. (Bild: Gräbener)

Hintergrund ist, dass die NRW-Landesregierung in den letzten vier Wochen zwei wichtige Bausteine der neuen Klimaschutzpolitik angeschoben hat: Zum einen hat das Kabinett den Entwurf für das erste deutsche Klimaschutzgesetz verabschiedet, das verbindlich die Reduzierung von klimaschädlichen Treibhausgasen vorsieht.

Remmel: Klimaschutz bedeutet Wachstumschancen für die heimische Wirtschaft

Zum zweiten wurde am Montag der neue Windenergieerlass in Kraft gesetzt. „NRW wird Vorreiter beim Klimaschutz“, sagte Remmel. „Und wir setzen Anreize für die Wirtschaft, sich als Technologieführer weltweit zu etablieren.“

Remmel sieht in einem ambitionierten Klimaschutz große Wachstumschancen für die heimische Wirtschaft. „Klimaschutz ist nicht nur eine ökologisch technologische Herausforderung, sondern auch eine ökonomische Chance. In diesem Segment entstehen riesige Märkte.“ Dazu sei aber ein technologischer und industrieller Sprung notwendig.

Remmel: „Die Brennstoffzellen-Fertigung ist eine der interessantesten Herausforderungen der Automobilindustrie. Auf diesem Gebiet ist die Firma Gräbener eine der entscheidenden Firmen.“ Und das wiederum seien „die besten Voraussetzungen, um gemeinsam nun eine weitere, vor uns liegende Herausforderung zu meistern“.

Die nachhaltige und entschlossene Transformation unserer Wirtschaft, auch der Energiewirtschaft zu einer effizienten und beschäftigungsstar-ken Klimaschutzwirtschaft. Gerade die mittelständisch geprägte Maschinenbau-Branche habe dies schon früh erkannt und die Weichen richtig gestellt. „Mittelständische Technologieführer, wie etwa Gräbener Maschinentechnik, haben diese Wachstums-Chance längst genutzt“, lobte der Minister.

Gräbener zeigt sich vom Markt der erneuerbare Energien überzeugt

Und das auch in der Herstellung von Maschinen für den Bau von Offshore-Windtürmen. In von Gräbener errichteten Produktionsanlagen können Windtürme von beliebiger Länge und Durchmessern von mehreren Metern gebaut werden. Dazu liefert Gräbener Maschinentechnik Plattenfräsmaschinen, 3- und 4-Walzen-Biegemaschinen, Längs- und Rundnahtfräsmaschinen.

Rund- und Längsnahtfräsmaschinen aus dem Hause Gräbener tragen mit ihrer sauberen Schweißnahtvorbereitung beispielsweise dazu bei, dass die Kosten pro Meter Schweißnaht um mehr als 50% reduziert werden – unter anderem dank der Verkürzung des energieintensiven Schweißprozesses.

Noch mehr beeindruckte den Minister allerdings, dass Gräbener Maschinentechnik seit 2003 das Geschäftsfeld der Brennstoffzelle beharrlich bearbeitet. So hatte das Netphener Unternehmen bereits 2005 einen wichtigen Beitrag zur industriellen Massenfertigung der Brennstoffzelle geleistet, indem es eine Anlage zur industriellen Fertigung metallischer Bipolarplatten für Brennstoffzellen, die "Powerboxx", entwickelte. Das Land NRW hatte die Entwicklung der „Powerboxx“ im Jahr 2005 mit 840.000 Euro unterstützt.

Netzwerk Brennstoffzelle und Wasserstoff

„Die Bipolarplatte ist eine wichtige Kernkomponente der Brennstoffzelle. Gräbener Maschinentechnik hat auf Basis des Hydroforming ein schnelles und kostengünstiges Verfahren entwickelt, die Bipolarplatten mit hohem Wasserdruck aus dünnem, hochfesten Metall herzustellen. Dadurch konnten die Herstellungskosten dieser wichtigen Brennstoffzellenkomponente deutlich gesenkt werden“, erläuterte Dr. Andreas Ziolek, Leiter des Netzwerkes Brenn-stoffzelle und Wasserstoff der EnergieAgentur.NRW. Gräbener ist Mitglied des Netzwerkes und mittlerweile Zulieferer für Brennstoffzellenhersteller weltweit.

Förderbescheid übergeben

Die stetigen Bemühungen der Firma Gräbener, die Forschung und die Entwicklungen im Brennstoffzellen-Sektor voran zu bringen, trugen dazu bei, dass Minister Remmel nicht mit leeren Händen nach Netphen gekommen war. Er überbrachte einen Förderbescheid für das Förderprojekt mit dem Akronym „Breeze“. Dies ist die Entwicklung eines brennstoffzellenbasierten Range-Extenders für Batteriefahrzeuge. Range-Extender haben die Aufgabe, die Reichweite von Batteriefahrzeugen auf bis zu 500 km zu erhöhen, indem sie permanent die Batterie nachladen. In gegenwärtigen Fahrzeugkonzepten geschieht dies durch Verbrennungsmotoren in Verbindung mit einem Generator. Dabei entstehen logischerweise wieder Luftschadstoffe und Lärm, die die Vorteile von Batteriefahrzeugen teilweise kompensieren. Mit einer wasserstoffbetriebenen Brennstoffzelle hingegen, die weitestgehend lautlos funktioniert und nur Wasserdampf abgibt, bleiben diese Vorteile erhalten.

Das Projektkonsortium besteht aus dem Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen (VKA) an der RWTH Aachen (Modulentwicklung), der FEV Motorentechnik Aachen (Gesamtsystementwicklung und Fahrzeugintegration), dem Zentrum für Brennstoffzellentechnik in Duisburg (Brennstoffzellenentwicklung) und eben der Gräbener Maschinentechnik (Herstellung der metallischen Bipolarplatten für die Brennstoffzelle).

Projekt Breeze wird mit 2 Mio. Euro vom Land NRW gefördert

Das Projekt hat ein Gesamtbudget von rund 2,5 Mio. Euro und wird mit 2 Mio. Euro vom Land NRW im Rahmen von „Elektromobilität NRW“ des Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes NRW gefördert. Am Gesamtbudget hat Gräbener einen Anteil von knapp 800.000 Euro und wird mit 560.000 Euro gefördert. „Wir sind stolz und dankbar, dass das Land Nordrhein-Westfalen unsere Bemühungen für ein zukunftsweisendes Mobilitätskonzept so umfassend würdigt“, freute sich Dr. Theodor Gräbener, gemeinsam mit Dieter Kapp, geschäftsführender Gesellschafter der Theodor Gräbener GmbH & Co. KG.

Kapp: „Das bestätigt uns in unserer Überzeugung, dass die Brennstoffzelle schon in absehba-rer Zeit ein Antrieb der Zukunft sein wird – effektiv und umweltfreundlich.“

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