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PDM ist mehr als die Verwaltung von CAD-Zeichnungen

| Autor/ Redakteur: Eduard Rüsing / Reinhold Schäfer

Der Textilmaschinenhersteller Fong‘s Europe bringt mit dem Produktdaten-Management-(PDM-)System Pro.File eine neue Ordnungsstruktur in seine Produktdatenabläufe. Daraus resultieren zum Beispiel konsistente Artikelstammdaten zwischen CAD und ERP sowie aktuelle und gültige Fertigungsdokumente wie Stücklisten und Zeichnungen.

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Pro.File-Funktionen wie Versionsmanagement, Rückverfolgbarkeit oder Verwendungsnachweise sind eine wichtige Unterstützung für den Konstrukteur.
Pro.File-Funktionen wie Versionsmanagement, Rückverfolgbarkeit oder Verwendungsnachweise sind eine wichtige Unterstützung für den Konstrukteur.
(Bild: Fong´s Europe)

Der in Schwäbisch Hall ansässige Textilmaschinenhersteller Fong‘s Europe konzentriert sich auf Forschung und Entwicklung neuer Techniken, die im Vergleich zu konventionellen Maschinen eine erhebliche Reduzierung der Prozesszeiten und der Verbrauchswerte für Wasser, Strom und Chemikalien ermöglichen.

Um dieses hohe Produkt-Know-how auch bei jedem Auftrag einer immer individuell auf die Anforderungen des Kunden zu gestaltenden Textilveredelungsanlage griffbereit zu haben, setzten die vom chinesischen Hersteller Fong‘s aufgekauften europäischen Unternehmen, die nun unter Fong‘s Europe GmbH firmieren, auf den Einsatz von PDM/PLM-Lösungen.

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Heute hat der Textilmaschinenbauer die Produktion in Shenzhen in China und in Schwäbisch Hall konzentriert. Produziert werden an beiden Standorten alle Maschinentypen, damit von Shenzhen aus die östliche und von Schwäbisch Hall die westliche Hemisphäre beliefert werden kann. „Dass innerhalb des Fong‘s-Konzerns die Produktion in Schwäbisch Hall weiter besteht und tendenziell eher ausgebaut wird, liegt auch daran, dass viele Kunden einfach auf das ‚Made in Germany‘ besonderen Wert legen,“ sagt Volker Hilsenbeck, Konstrukteur und PDM-Projektbetreuer bei Fong‘s Europe.

Produktwissen steckt im PDM-System

Das PDM-System bündelt das gesamte Wissen und Know-how über ein Produkt des Unternehmens aus Entwicklung, Konstruktion, Fertigung, Einkauf oder Service und macht es allen Mitarbeitern, die entsprechend berechtigt sind, zugänglich. Dabei werden unabhängig vom CAD- und ERP-Systemtyp alle CAD-Modelle, Zeichnungen, Artikelstammdaten oder Stücklisten bis hin zu Dokumenten mit Grafiken, Texten oder Berechnungstabellen sicher im Electronic Vault oder Datentresor gespeichert. Das ermöglicht die Aktualität und Konsistenz der Produktdaten zwischen den und innerhalb der Abteilungen.

In Schwäbisch Hall war bereits 2002 die PDM-Lösung Pro.File angeschafft und mit der Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)Lösung Infor ERP COM integriert worden. Diese wurde 2008 in der ERP-Integration auf neue flexible Technologien umgestellt. „Eine Anpassung des Datenaustauschs aufgrund von Prozessänderungen oder bei einem Update von PDM beziehungsweise ERP wurde dadurch deutlich einfacher“, erklärt Hilsenbeck. Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung dieses Update-Szenarios erhielt der Textilmaschinenhersteller vom Procad-Partner Cinteg AG aus Göppingen.

Cinteg hilft derzeit auch bei der Einbindung des 15-köpfigen Entwicklerteams am Standort Hof in die Prozessketten in Schwäbisch Hall. Dazu wurde die alte IT-Landschaft mit dem ERP-System von Komma und der PDM-Lösung von Gain schrittweise abgelöst. „Das Spannende waren dabei nicht die technischen Aspekte. Entscheidend war, dass wir gemeinsam mit den Mitarbeitern von Fong’s Abläufe, Daten, Nummernkreise, ja die historisch gewachsenen Produkte aus zwei Firmen in einem Pro.File-System zusammengeführt haben“, berichtet Martin Gärtner, Geschäftsstellenleiter der Cinteg AG. Hilsenbeck zeigt sich zufrieden mit der Unterstützung des Procad-Partners: „Das Know-how des PLM-Teams von Cinteg war in der Umstellungsphase ab 2008 eine wichtige Basis für uns. Dabei waren besonders die kurzen Wege hilfreich, um Probleme schnell aus der Welt zu schaffen.“

Gültige Zeichnungen und Stücklisten

Pro.File läuft bei Fong‘s an etwa 50 Arbeitsplätzen in den Arbeitsbereichen Entwicklung, Konstruktion, Einkauf, Produktion, Vertrieb, Service, Softwareentwicklung, QS-Dokumentation und Maschinendokumentation. Zu den integrierten Systemen gehören Autocad, Solidworks und Microsoft Office. „Anfangs mussten sich die Kollegen in der Konstruktion erst daran gewöhnen, dass die Daten nicht mehr auf den alten Pfaden im Dateisystem abgelegt werden, sondern in Pro.File“, erinnert sich Hilsenbeck. „Heute schätzt man aber die Vorteile der unternehmensweiten PDM-Lösung. Alle haben jetzt aktuell gültige Produktdaten, sei es bei der Arbeit in der Konstruktion oder über Stücklisten und Zeichnungen in den anderen Bereichen.“ Früher mussten zentral für alle Abteilungen die Zeichnungen umständlich ausgedruckt werden. Heute sind die Zeichnungen im PDM und viele Informationen lassen sich direkt von den Bildschirmen in den Arbeitsbereichen aus der PDF-Zeichnung auslesen. Und da, wo ein Ausdruck noch notwendig wird, wie in der Fertigung oder für die Monteure zum Aufbau der Maschine beim Kunden, sind Drucker in den Abteilungen vorhanden.

Die Konstruktionsstücklisten werden ebenfalls im PDM erstellt und automatisch ans ERP übergeben. Artikelstämme liegen sowohl im PDM als auch im ERP. Durch die automatische Übertragung werden sie aber immer synchron gehalten. „Mit einer stets gültigen Zeichnung und einer aktuellen Stückliste legen wir die Grundlage einer fehlerfreien Produktion. Pro.File hat außerdem die Funktion des Stücklistenvergleichs in seinem Repertoire.

Alle Auftragsdokumente per Mausklick

Ein weiterer konkreter Nutzen im Vergleich zu früher ist, dass heute alle Unterlagen zu einem Werkauftrag per Mausklick zur Verfügung stehen. Ein großer Bereich, der im PDM abgebildet wird, ist die Verwaltung der Abnahmezeugnisse. Das sind Zertifikate für die Bleche, die in den Druckbehältern der Maschinen verbaut werden und an die bestimmte Anforderungen an Inhaltsstoffe und Schmelzwerte gestellt werden müssen. Ein anderer wichtiger Bereich sind die Abnahmeprotokolle der Maschinen beim Kunden sowie die Berichte der Monteure, die alle im PDM verwaltet werden.

Auch das Versionsmanagement und die Rückverfolgbarkeit sowie die Möglichkeit eines Verwendungsnachweises in Pro.File sind für Fong’s Europe wichtig, um die Maschinen rationell fertigen und noch in Jahren gut betreuen zu können. In naher Zukunft wird auch die Elektrokonstruktion mit ihren Abläufen und dem CAE-System Eplan in das Programm eingebunden werden. Es ist damit bei dem Textilmaschinenhersteller nicht mehr wegzudenken. MM

* Eduard Rüsing ist freier Fachjournalist in Karlsruhe. Weitere Informationen: Cinteg AG, 73037 Göppingen

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