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Zulieferung

Pleitegeier kreist über der Automobil-Zulieferindustrie

| Redakteur: Jürgen Schreier

In den kommenden Monaten wird eine regelrechter Insolvenz-Tsunami über Deutschlands Automobilzulieferindustrie hinwegrollen. Das prognostiziert das Beratungsunternehmen Oliver Wyman in seiner neuen Studie „Krise in der Automobilindustrie“.

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Cabrio-Fertigung bei Edscha in Hengersberg: Obwohl technologisch führend, musste das Zulieferunternehmen am 2. Februar 2009 beim Amtsgericht Wuppertal Insolvenz anmelden. Bild: Edscha
Cabrio-Fertigung bei Edscha in Hengersberg: Obwohl technologisch führend, musste das Zulieferunternehmen am 2. Februar 2009 beim Amtsgericht Wuppertal Insolvenz anmelden. Bild: Edscha
( Archiv: Vogel Business Media )

Bereits in den vergangenen drei Monaten haben 22 Automobilzulieferer aus Deutschland beziehungsweise Zulieferer mit Werken in Deutschland Insolvenz angemeldet. 2007 setzten die Firmen, die vor den Amtsrichter treten mussten, zusammen 4,5 Mrd. Euro um und beschäftigten 32000 Mitarbeiter im In- und Ausland. Der Scheitelpunkt der Insolvenzwelle wird nach Einschätzung der Oliver-Wyman-Analysten im März 2009 erreicht sein, wenn die Auswirkungen von verlängerten Weihnachtsferien und Kurzarbeit bei den Automobilherstellern voll auf die Zulieferer durchschlagen. Bis Ende dieses Jahres könnten dann weitere 50 bis 80 Automobilzulieferer in die Insolvenz gehen und damit die Jobs von bis zu 100000 Mitarbeiter wackeln.

Jeder sechste Job hängt am heiligen Blechle

Die Automobilindustrie ist mit einem Umsatz von 290 Mrd. Euro im Jahr 2007 und 745000 direkt Beschäftigten die Schlüsselindustrie in Deutschland per se. Jeder sechste Arbeitsplatz hängt hierzulande vom Automobil ab. Ein Viertel aller Forschungs- und Entwicklungsgelder in Deutschland (rund 18 Mrd. Euro) werden von Unternehmen des Automobilbaus ausgegeben.

Die deutschen Automobilzulieferer nehmen hierbei eine Führungsrolle ein. 43% der Beschäftigten, rund 70% der Wertschöpfung eines Automobils sowie 60% der Automobil-Innovationen stammen mittlerweile aus der Zulieferindustrie. Die weltbesten Antriebe und Motoren kommen aus Deutschland. „In der Automobilwelt sind ‚Innovations made in Germany‘ längst zum Markenzeichen deutscher Ingenieurkunst geworden“, weiß Jan Dannenberg, Partner und Zulieferexperte von Oliver Wyman.

Auch Technologieführer können sterben

Die Automobilzulieferer, die in den vergangenen Wochen zahlungsunfähig wurden, zählen zu den Besten ihrer Klasse. So ist Edscha bei Scharnieren seit Jahren Weltmarktführer und auch im Bereich Cabriodachsystemen mit einem Marktanteil von über 20% weltweit die Nummer eins. Zu den Top-Adressen seiner Klasse zählt auch TMD Friction. Das Leverkusener Unternehmen beliefert Europas Premiumhersteller mir Bremsbelägen. Dies hat den Zulieferer in seinem Spezialgebiet zum Marktführer in Europa gemacht.

Die meisten der insolvent gewordenen Zulieferer waren zudem strategisch sehr gut positioniert. Selbst das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) war bei den insolventen Firmen über Jahre hinweg positiv. In der Absatzkrise wurden ihnen aber eine ungesunde Kapitalstruktur und eine starke Verschuldung zusammen mit hohen Zinslasten zum Verhängnis. Bankenkrise und Verunsicherung der Konsumenten

Bankenkrise bringt Autoverkäufe zum Absturz

Der Ausgangspunkt für die aktuellen Probleme der Automobilzulieferer ist die US-Immobilienkrise mit anschließender Bankenkrise, die sich mehrfach auf die Zulieferer auswirkt. Potenzielle Neuwagenkäufer schrecken in unsicheren Zeiten wie diesen vom Autokauf zurück. So sind seit Mitte September 2008 die Absatzzahlen für Neufahrzeuge weltweit stark rückläufig. In den USA gingen die Zulassungen 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 27% zurück.

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