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Product Lifecycle management PLM-Projekte lassen sich auch ohne Stolpersteine umsetzen

| Autor / Redakteur: Mathias Vorwerk / Dietmar Kuhn

Product Lifecycle Management (PLM) ist ein IT-Konzept in Unternehmen, die alle Daten eines Produktes abbildet. PLM soll das Zusammenspiel der Planung (PPS/ERP), Konstruktion (CAD), Berechnung (CAE) und Fertigung (CAM) bis zum Controlling, Vertrieb und Service regeln. Es ist nicht als fertige Lösung zu kaufen, sondern als eine Strategie zu verstehen.

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Bild 1: Für eine PLM-Strategie gilt: Alle für den Prozess relevanten Faktoren müssen berücksichtigt werden.Bild: Cimpa
Bild 1: Für eine PLM-Strategie gilt: Alle für den Prozess relevanten Faktoren müssen berücksichtigt werden.Bild: Cimpa
( Archiv: Vogel Business Media )

Um so wichtiger ist es, die Hürden bei der Planung und Entscheidung sicher zu überspringen oder zu umgehen: Kurze Lieferzeiten, hohe Qualitätsansprüche und ein starker Kostendruck – mit diesen Rahmenbedingungen müssen Produktentwickler in nahezu allen Branchen zu Recht kommen.

PLM löst Probleme komplexer Produkte und Lieferketten

Damit nicht genug: In vielen Fällen werden die Produkte immer komplexer, beispielsweise durch Mechatronik-Komponenten, die neue Anforderungen an die Integration von Mechanik-, Elektronik- und Software-Entwicklung stellen. Aus Sicht der Zulieferer entwickelt sich außerdem die Zusammenarbeit in global verteilten Wertschöpfungsketten zu einer Herausforderung; sie müssen mit mehreren Original Equipment Manufacturern (OEM) und Zulieferern zusammenarbeiten und sich dadurch in mehreren Netzwerken bewegen.

Wie reagieren? Die Antwort lautet für große, wie für mittelständische Unternehmen: Product Lifecycle Management (PLM) – als Konzept für eine effizientere Produktdatenintegration und Steuerung der Produktlebensläufe von der Produktplanung bis zum Recycling.

Doch die Bilanz nach mehr als einer Dekade PLM-Erfahrung ist gemischt: Richtig eingesetzt, können Unternehmen mit PLM unter anderem Produkte schneller entwickeln, Kosten reduzieren, Qualitäts- und Sicherheitsstandards erhöhen. Allerdings liegen über die Hälfte aller PLM-Projekte nicht in Zeitplan und Kostenrahmen oder sie gehen an den Zielen vorbei.

PLM hat hohe strategische Bedeutung

Das wichtigste Regel bei einem PLM-Projekt lautet: Die strategische Bedeutung von PLM nicht unterschätzen. Management und Mitarbeitern in vielen Unternehmen fehlt das Verständnis dafür, was PLM eigentlich für die Organisation ihres Produktentstehungsprozesses bedeutet.

Über die klassischen Grobziele hinaus, sollten Unternehmen klare Feinziele definieren, damit Projektleiter in der Lage sind, die richtigen Prioritäten zu setzen. Außerdem benötigen sie, so banal es sich anhört, Ziel- und Zeitvorgaben, die mit den vorgesehenen Ressourcen auch realisierbar sind.

PLM-Projektleiter muss sich durchsetzen können

Auch bei der Zusammenstellung der Projektteams gilt es, die richtige Hand zu haben: Man braucht einen Projektleiter mit Erfahrung und Durchsetzungsvermögen, der sich zu 100% auf das Projekt konzentrieren kann, und ein Kernteam von Leuten, die sich mit den Prozessen im Unternehmen auskennen und die in der Lage sind, ihre Kollegen in den Fachabteilungen zu überzeugen.

Das größte Nutzenpotenzial liegt bei vielen Unternehmen im Änderungswesen. Um den Änderungsprozess mit PLM-Werkzeugen unterstützen zu können, müssen sämtliche Daten im PDM-System vorliegen und auch die Beziehungen zwischen ihnen abgebildet sein. Nur so ist gewährleistet, dass bei einer Zeichnungsänderung auch der Arbeitsplan und – falls erforderlich – das NC-Programm erfasst werden.

Vor der PLM-Einführung müssen Daten in PDM-Systemen vorgelegen

Die Abbildung der Geschäftsprozesse ist überhaupt ein Thema. Früher hieß es: Erst Prozesse reorganisieren, dann in elektronischer Form festschreiben. Unternehmen haben mit einem vorgelagerten Business Process Reengineering jedoch nicht die besten Erfahrungen gemacht. Es ist zeitaufwändig und oft so theoretisch, dass es die Mitarbeiter demotiviert. Neue Prozesse kann man nicht am grünen Tisch definieren, sondern muss sie zusammen mit erfahrenen Anwendern im Zuge der PLM-Einführung Schritt für Schritt entwickeln (Bild 1).

Der Marktforschungsfirma CIM-Data und anderen Marktbeobachtern zufolge spielt die Systemauswahl für den Projekterfolg eine untergeordnete Rolle. Das heißt nicht, dass die Funktionalität ganz zu vernachlässigen ist. Unternehmen wählen aber immer noch Systeme aus, die alle möglichen Funktionen haben, unabhängig davon, ob diese benötigt werden. Um den Administrationsaufwand so gering wie möglich zu halten, sollten Projektteams sich bei der Systemimplementierung nahe am Standard halten und sich auf die Anpassung der Oberfläche beschränken.

Datenmigration von CAD zu PLM bleibt ein Stolperstein

Die CAD-Integration ist heute kein Thema mehr – höchstens noch ein politisches, weil manche Hersteller ihre Programmierschnittstellen (API) nicht vollständig offen legen. Dagegen sind die Migration der Altdaten und ihre Bereinigung nach wie vor ein Unterfangen, das bei vielen Projekten zu Verzögerungen führt. Wenn die Akzeptanz der gesamten Lösung von der Verfügbarkeit der Bestandsdaten abhängt, sollten Projektteams frühzeitig mit diesem Schritt beginnen.

Die Anwender-Akzeptanz ist die zweite tragende Säule eines erfolgreichen PLM-Projekts. Mangelnde Akzeptanz kann sogar das Aus für die installierten Werkzeuge und Systeme bedeuten. Akzeptanzprobleme können unterschiedliche Ursachen haben, angefangen von einer schlechten Systemperformance über mangelnden Anwendersupport bis hin zu Fehlern bei der Projektorganisation.

Anwender im Unternehmen müssen PLM-Idee mittragen

Akzeptanz bedeutet aber vor allem, dass die Anwender verstehen, worum es bei PLM geht und diese Idee mittragen. Deshalb ist es so wichtig, die Meinungsmacher im Unternehmen in das Projekt einzubinden.

Der beste Garant für eine gute Akzeptanz ist freilich der Nutzen, den der Anwender durch PLM verspürt. Wenn er seine Dokumente einfacher und schneller findet, ist das ein überzeugendes Argument. Schätzungsweise 30 bis 40% der Zeit, die Anwender tagtäglich mit der Suche nach irgendwelchen Unterlagen zubringen, lässt sich durch PLM einsparen.

Aber auch der Aufwand für andere Tätigkeiten wie Freigabe, Kommunikation oder Administration, mit der die Konstrukteure einen Großteil ihrer Arbeitszeit verbringen, reduziert sich durch PLM. Trotz der Schwierigkeiten bei den Einführungsprojekten führt deshalb an PLM kein Weg vorbei. Nur mit PLM werden Unternehmen künftig wettbewerbsfähig sein. MM

Mathias Vorwerk ist Senior Consultant bei der Cimpa GmbH.

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