Hermann Blechtechnik Prototypenbauer produziert auch Mountain-Bikes

Redakteur: Dietmar Kuhn

Immer dann, wenn einer der großen Automobilhersteller oder -zulieferer über das Tagesgeschäft hinaus schnell ein Muster oder Prototyp eines Blechteils benötigt, dann finden sie den Weg nach Schorndorf-Weiler. Dort hat sich die Hermann Blechtechnik seit mehr als 50 Jahren niedergelassen und auf solche Teile spezialisiert. Doch das ist nicht alles. Denn unter dem selben Dach produziert das Unternehmen auch hochwertige Mountain-Bikes.

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Solche und kleinere oder auch größere Blechteile, als Prototyp, in kleinen oder großen Stückzahlen - das ist die Spezialität der Hermann Blechtechnik GmbH & Co. Bilder: Kuhn
Solche und kleinere oder auch größere Blechteile, als Prototyp, in kleinen oder großen Stückzahlen - das ist die Spezialität der Hermann Blechtechnik GmbH & Co. Bilder: Kuhn
( Archiv: Vogel Business Media )

Am seinem Schreibtisch sitzend und das Handy an sein rechtes Ohr gepresst hört Markus Hermann, Geschäftsführer der Hermann Blechtechnik GmbH & Co. im schwäbischen Schorndorf-Weiler, konzentriert zu. Keine Zwischenfrage – nur einfach zuhören. Sein Gesprächspartner ruft diesmal aus dem nahegelegen Stuttgart an und hat mal wieder einen speziellen Wunsch. Erst nach einigen Minuten bricht Hermann sein Schweigen: „Ja, das können wir machen, ich melde mich heute Nachmittag wieder.“

Eine Szene, die bei den Hermanns an der Tagesordnung ist. Denn das 15-Mann-Unternehmen hat sich vor allem auf Lösungen für Blechprototypen spezialisiert und das mit großem Erfolg. Der Kundenkreis ist dementsprechend groß. Ob Automobilhersteller und ihre Zulieferer, Elektrogerätehersteller oder Apparatebauer – für Hermann sind alle gleich.

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„Sie haben ein Problem – und wir sind da um es zu lösen“, meint der freundliche Schwabe. „Zeit und die Fähigkeit zur Präzision, das sind unsere größten Trümpfe die wir in der Hand haben“, meint er weiter. Deshalb müssen Kunden mit ihrem Problem auch nicht lange warten. „Innerhalb von ein zwei Tagen haben wir das, was er von uns möchte – und was wir versprechen, das lösen wir auch ein“, versichert er glaubwürdig.

Unternehmen bereits in der dritten Generation geführt

Das Unternehmen wird nun bereits in der dritten Generation von Markus Hermann geführt obwohl sein Vater Bernd kräftig mitmischt und es eben nicht lassen kann, bei der Lösungsfindung dabei zu sein. Gründer war sein Großvater Alfred, der 1949 den Grundstein dafür gelegt hat. Aus kleinen Anfängen heraus und mit großen Investitionen, beherrscht Hermann Blechtechnik heute alle Künste einer modernen Blechbearbeitung.

Vom Stanzen und Umformen über die Laserbearbeitung bis hin zur Montage macht man alles selbst

Den Hermanns ist nicht nur der schwäbische Tüftlergeist zu eigen – sie haben sich dafür auch eine fein ausgestattete Fertigung zugelegt. So können sie vom Stanzen und Umformen über die Laserbearbeitung bis hin zur Montage alles selbst machen. Auch die spanende Bearbeitung gehört mit zu den fertigungstechnischen Möglichkeiten. „Es hat schon Aufträge gegeben, für die wir in einer bestimmten Werkstoffqualität nicht die richtige Blechdicke einkaufen konnten – da sind wir einfach hergegangen und haben die Dicke um zwei Zehntel heruntergeschliffen damit es gepasst hat“, verrät Markus Hermann. Aber auch in der Werkzeugentwicklung und -herstellung hat die kleine schwäbische Ideenschmiede ihr Können schon vielfach unter Beweis gestellt.

Was nicht geht, wie beispielsweise die Oberflächenbehandlung, das wird an ein befreundetes Unternehmen im Fertigungsnetzwerk gegeben. Solche Partner hat Hermann ganz in seiner Nähe, rund um Stuttgart. Meist geht alles Hand in Hand und Hermann ist überzeugt, „auch diese Partner wissen, dass wir bei vielen Aufträgen die Zeit überlisten müssen.“

Gute Erfaungen mit 3D-CAD

Im Normalfall, kommen die Kunden mit einer Zeichnung zur Hermann Blechtechnik und besprechen gemeinsam das zu fertigende Blechteil. „Dies tun wir immer unter den Gesichtspunkten der technischen Machbarkeit, vor allem der Kosten und auch unter ästhetischer Betrachtungsweise“, macht Hermann deutlich. Denn viele der Bauteile werden nachher in einem Auto oder irgend einem anderen Gerät sichtbar verbaut. Wo der Kunde selbst noch nicht weiß wie das Teil aussehen soll, da greifen die Schorndorfer mit ihrem eigenen CAD-System, mit Solidworks, ein und Hermann verrät, dass er damit gute Erfahrungen gemacht hat. „Als wir vor einigen Jahren auf 3D gegangen sind, da haben wir von Autodesk auf Solidworks gewechselt“, verrät Hermann.

Dazu nutzt der Prototypenhersteller die Blechlösung von Spi, einem hanseatischen Softwarehaus, weil er dort zahlreiche Blechapplikationen übernehmen kann. Die Modellierung der Bauteile erfolgt denn auch dreidimensional, weil, wie Hermann meint, die Kunden das auch besser verstehen. „Ein 3D-Teil zeigt mir einfach vielmehr, da muss man nicht erst nochmals umdenken“, wirft er ein und meint „Schwierigkeiten machen da manchmal die Geometrie- und Maßangaben, und zwar dann, wenn der Kunde uns nicht verraten möchte, wo und wie dieses Bauteil letztendlich verwendet und eingebaut wird. Das erfordert doch eine Menge Überlegungen, weil ja bestimmte Maße, Abstände oder Parallelitäten absolut exakt eingehalten werden müssen.“

Alle Fertigungsverfahren im Griff

Sind trotz allem die Lösungsangebote erst einmal mit dem Kundenwunsch zur Deckung gebracht, dann wird nach der entsprechenden fertigungstechnischen Lösung gesucht. Da die Hermanns ihren Maschinenpark mit Abkantpressen, Dreh- und Fräsmaschinen, Drahterodiermaschinen und vor allem den schweißtechnischen Möglichkeiten voll im Griff haben, ist das jedoch eine der leichteren Übungen. „Schlimmer ist’s, wenn wir ein bestimmtes Material in einer bestimmten Menge bestellen müssen“, sagt Markus Hermann, „denn als relativ kleiner Abnehmer gibt es da hin und wieder schon Probleme, die wir stemmen müssen.“

Im Prinzip werden aber auch solche Probleme letztendlich immer gelöst. Im Falle von Prototypen werden oft nur geringe Mengen benötigt, aber dafür ist die Werkstoffpalette, die der Schorndorfer Betrieb verarbeitet ziemlich breit – Stahl, Edelstahl oder auch neue moderne und hochfeste Werkstoffe verlassen als einbaufertiges Bauteil die Hermann Blechtechnik. „Oft“, so Hermann, „ist es auch der Fall, dass der Kunde mit einem entsprechenden Prototypen, den wir ihm vor einer Woche geliefert haben, wieder kommt und wir sollen ihm doch eine ganze Serie von 200, 300 oder auch 1000 Stück liefern – und das noch innerhalb von wenigen Tagen.“

In solchen Fällen kann Hermann auf seine erfahrene und flexible Mannschaft zählen. Denn, wenn es einmal zeitmäßig brenzlig wird, dann bleiben alle Mann an Bord und setzen auf die Normalarbeitszeit auch noch einen drauf.

Was die Bauteile angeht, da ist der schwäbische Blechbearbeiter ebenfalls ziemlich flexibel. Die Bandbreite reicht dabei vom kleinsten Stanz- und Biegeteil in Feinblechdicke und Abmessungen im Millimeter-Bereich bis hin zu großen Labortischen für medizinische Anwendungen, die eine auffällig hochwertige Verarbeitung sichtbar machen.

Obwohl das, was Hermann Blechtechnik im Bereich der Blechteil- und Prototypenentwicklung und -fertigung schon alles beherrscht schon sehr vielfältig ist, ist dies noch nicht alles. Die Krönung ihres Engagement finden die schwäbischen Tüftler in ihrem Parallel-Unternehmen „Hot Chili“. Dort nämlich werden Mountainbikes und Streetstepper der Edelklasse entwickelt und hergestellt.

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