Trumpf Saubere Schweißkanten als Basis für sichere Verbindungen

Autor / Redakteur: Johannes Wetzel und Peter Klingauf / Stefanie Michel

Ob bei Seilbahnen oder Raftingbahnen – Sicherheit steht für Fahrgäste und Betreiber an erster Stelle. Der Präzisionsmaschinenbau muss dies gewährleisten. Hierbei spielen Schweißkantenformer eine wichtige Rolle, denn sie legen in Form von oxidfreien, gleichmäßigen Kanten die Basis für hochfeste Schweißverbindungen.

Anbieter zum Thema

Bartholet Maschinenbau hat die kuppelbare Sechsersesselbahn „Mont Blanc“ im französischen Les Arcs entwickelt und gebaut.
Bartholet Maschinenbau hat die kuppelbare Sechsersesselbahn „Mont Blanc“ im französischen Les Arcs entwickelt und gebaut.
(Bild: Bartholet Maschinenbau)

Ob Skifahrer oder Wanderer – Seilbahnen befördern Menschen zuverlässig auf die Berge. Zu den führenden Herstellern moderner Sessel- und Pendelbahnen gehört die im schweizerischen Flums beheimatete Bartholet Maschinenbau AG (BMF). Vor 50 Jahren als Mechanikerwerkstatt gegründet, konnte das Unternehmen allein in den letzten zehn Jahren Umsatz und Mitarbeiterzahl (heute rund 200) nahezu verdoppeln. Das Erfolgsgeheimnis: präzise, auf Kundenwünsche abgestimmte Produkte entwickeln und diese in enorm kurzer Zeit umsetzen. Vom Auftragseingang bis zur Realisierung benötigt das Unternehmen durchschnittlich nur sechs bis zwölf Monate.

BMF hat viele namhafte Projekte vorzuweisen. So entwickelte, konstruierte und baute das Schweizer Unternehmen unter anderem die kuppelbare Sechsersesselbahn „Mont Blanc“ im französischen Les Arcs (Bild 1) sowie Bahnen, Wasserrutschen und sogenannte Donnerbalken in den Freizeitparks von Tripsdrill, in einer Mall of Arabia sowie in Bahrain und Peking.

Optimierte Prozesse ermöglichen Einhaltung hoher Sicherheitsstandards

Um die hohen Sicherheitsstandards trotz knapper Lieferfristen zuverlässig einhalten zu können, sind flexible und gut ausgebildete Mitarbeiter sowie optimierte Prozesse die entscheidende Basis. Dabei müssen die rund 25 Ingenieure und Techniker in der Konstruktion mit den Fachkräften in der Werkstatt Hand in Hand arbeiten. Um mit entsprechend gutem Fachpersonal ausgestattet zu sein, bildet BMF in großem Stil selbst aus.

Auch für die qualifizierten Facharbeiter gibt es Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Eine davon ist die Qualifizierung zur Schweißfachkraft. Die Verantwortung in diesem Beruf ist sehr groß, denn die Qualität der Schweißnähte muss ebenso wie das verwendete Material immer sehr gut sein.

Bevor die Schweißer aktiv werden können, haben die großen und kleinen Bleche mit einer Dicke von 6 bis 25 mm bereits einige Stationen durchlaufen. So wird beispielsweise das Material direkt nach dem Eingang mit einem Ultraschallprüfgerät auf Lunker (Hohlräume im Metall) oder andere Materialfehler untersucht.

Anschließend stehen mehrere Laser-, Dreh-, Fräs- und Bohrarbeiten auf dem Programm. Schließlich gilt es noch, an einigen dieser vorkonfektionierten Blechteile saubere Schweißkanten mit unterschiedlichen Fasenlängen anzubringen. Zum Herstellen der Schweißkanten kommen bereits seit rund 30 Jahren vor allem Schweißkantenformer der Firma Trumpf zum Einsatz.

Schweißkantenformer mit lang bewährter Technik

Aktuell verwendet BMF die Modelle Trutool TKF 1100 und das neue Trutool TKF 2000 (Bild 4 und Bild 5). Das Arbeitsprinzip dieser Werkzeuge bewährt sich seit seiner Erfindung vor 50 Jahren. Sie stoßen die Stahlkanten in dem gewünschten Winkel Stück für Stück ab und hinterlassen oxidfreie, metallisch blanke Schnittkanten – in einem Arbeitsgang (Bild 6).

Als Alternative dazu kamen früher gelegentlich Winkelschleifer und Schneidbrenner zum Einsatz. Heute nicht mehr, denn mit einem Winkelschleifer lässt sich eine saubere Schweißkante nicht wirtschaftlich herstellen. Zudem müsste wegen des Funkenflugs mit Schutzausrüstung gearbeitet werden. Außerdem verursachen die geringe Standzeit der Schleifscheiben und der relativ langsame Vorschub hohe Betriebskosten. Auch den Schneidbrenner nutzt bei BMF niemand mehr, denn die erzeugten Schnittkanten sind oft nicht ganz parallel und der hohe Wärmeeintrag beeinflusst das Materialgefüge negativ. Daher wäre stets eine Nachbearbeitung der Fase notwendig.

Keine Gefügeänderungen im Metall dank geringer Wärmeentwicklung

Mit dem Schweißkantenformer entsteht nur eine sehr geringe Wärmeentwicklung, sodass Gefügeänderungen im Metall vermieden werden und chemische Prozesse ausgeschlossen sind. Außerdem entstehen während des Bearbeitungsprozesses weder Staub noch Dämpfe oder Gase.

Das vor zwei Jahren gekaufte Trutool TKF 1100 ist besonders für seine flexiblen Einsatzmöglichkeiten geschätzt. Ob gerade Blechkanten, Radien ab 40 mm oder Innenkonturen ab 80 mm Innendurchmesser zu bearbeiten sind: es genügt ein Arbeitsgang. Die bis zu 9 mm lange Fase ist an 3 bis 25 mm dicken Stahlblechen schnell erstellt. Auch Rohre und kleine Werkstücke stellen kein Problem dar. Die erzielten geringen Rautiefen und blanken Oberflächen garantieren optimale Schweißbedingungen und sind die Grundlage für hochbeanspruchbare Verbindungen (Bild 7).

Mit dem Schrägungswinkel 45° werden die meisten Fälle abgedeckt

Das neue Trumpf-Spitzenmodell Trutool TKF 2000 wird bei Bartholet sowohl mobil als auch stationär eingesetzt – abhängig davon, wie groß und schwer die zu bearbeitenden Bleche sind. Wie Ueli Zeller, Leiter der Schlosserei von BMF, erzählt, werden häufig Schweißkantenschrägen von 15 bis 20 mm in Blechen mit bis zu 50 mm Materialstärke benötigt. Dafür ist der TKF 2000 das richtige Werkzeug. Dass sich der Schrägungswinkel stufenlos zwischen 20 und 55° einstellen lässt, ist für BMF eher von geringer Bedeutung. Mit den klassischen 45° deckt das Unternehmen die meisten Einsatzfälle ab.

Bei den Schweißkanten beginnt die Qualität der Schweißnaht. Deshalb wollen die Schweißer nicht mehr auf die neuen TKF Trutool verzichten. Darüber hinaus amortisiert sich die Investition in weniger als einem Jahr. Auch die laufenden Kosten sind sehr gering. Die sogenannten Stoßstähle sind die einzigen klassischen Verschleißteile. Diese können die Mitarbeiter aber mehrmals und ganz einfach nachschleifen. Auch der Aus- und Einbau geht schnell. Dementsprechend sind die Verschleißkosten zu vernachlässigen.

* Johannes Wetzel ist Vertriebsleiter bei der Trumpf Grüsch AG in 7214 Grüsch (Schweiz); Peter Klingauf ist freier Journalist

(ID:35118840)