BDI-Mittelstandspanel Schlechte Noten für die Wirtschaftspolitik

Redakteur: Dietmar Kuhn

Der deutsche Mittelstand gibt der aktuellen Wirtschaftspolitik schlechte Noten. Zwei gewichtige Gründe dafür sind: Fast zwei Drittel der industriellen Familienunternehmen fürchten bei Änderung des Erbschaftsteuergesetzes um ihren Bestand und der Fachkräftemangel. Demnach sehen zwei Drittel in der mangelnden Qualifikation den Hauptgrund für unbesetzte Stellen.

Der Mittelstand vergibt für die aktuelle Wirtschaftspolitik ganz schlechten Noten.
Der Mittelstand vergibt für die aktuelle Wirtschaftspolitik ganz schlechten Noten.
(Bild: Kuhn)

Im Herbst 2014 gibt der deutsche Mittelstand der aktuellen Wirtschaftspolitik der Bundesregierung deutlich schlechtere Noten als noch vor einem halben Jahr. Waren im Frühjahr 2014 45 % der Unternehmer der Meinung, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen verdienten die Note „(sehr) gut“, sind es jetzt nur 37 %. Dies ergibt das aktuelle BDI/PwC-Mittelstandspanel, für das vom Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn gemeinsam mit TNS Emnid 1424 Unternehmen des industriellen Mittelstandes befragt wurden.

Vertrauen des Mittelstandes auf dem Tiefpunkt

Dass das Vertrauen weiter schwindet, belegt der Anteil von rund 21 % an Unternehmen, die für die kommenden zwölf Monate mit schlechten bis sehr schlechten wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen rechnen. Damit sehen fast doppelt so viele negativ in die Zukunft wie im Herbst 2014. Sorge bereiten den Unternehmen die möglichen Veränderungen bei der Erbschaftsteuer, die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise und die Schuldenkrise in Europa. Auch den Fachkräftemangel bekommen sie deutlich zu spüren.

Sorge vor veränderter Erbschaftsteuer sehen fast zwei Drittel (64 %) aller familiengeführten Industrieunternehmen bei einem Wegfall der Verschonungsregeln in der Erbschaftsteuer den Bestand ihres Unternehmens gefährdet. Rund zwei Drittel (64 %) der Familienunternehmen, in denen bis 2019 ein Generationenwechsel ansteht, wären in diesem Fall gezwungen, ihre Investitionen zu senken. Fast die Hälfte (48 %) geht in einem solchen Fall davon aus, Beschäftigung abbauen zu müssen. Dazu sagte Arndt G. Kirchhoff, Vorsitzender des BDI/BDA-Mittelstandsauschusses: „Die mittelständischen Unternehmen blicken mit Sorge auf das bevorstehende Urteil in Karlsruhe. Wir in Deutschland brauchen weiterhin unbedingt einen wirtschaftlich gesunden und international wettbewerbsfähigen Mittelstand. Deshalb darf es keine Verschlechterung bei der Erbschaftbesteuerung geben.“

Ungeachtet der konjunkturellen Unsicherheiten spüren die Mittelständler zunehmend den Druck durch die Verknappung des Arbeitskräfteangebotes. Fast 88 % der Unternehmen melden aktuell Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen. Für rund 67 % der Unternehmen ist dabei das Fehlen der erforderlichen Qualifikation Hauptgrund für die Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. „Besonders bei der Rekrutierung von Fachkräften mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und bei der Besetzung von Ausbildungsstellen haben viele Mittelständler Mühe und reagieren darauf mit flexiblen Arbeitszeitmodellen oder gezielten Lösungen.

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