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Ortung So funktioniert Omlox

| Autor / Redakteur: Simone Käfer / Simone Käfer

Omlox soll den Fluss der Materialien zwischen den Maschinen sichtbar machen – unabhängig vom Hersteller. Wir haben nachgefragt, wie das funktioniert und was Sie als Anwender dafür brauchen.

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Omlox zeigt, wo das Produkt, die Ware, das Material sich gerade befindet und wohin es als nächstes unterwegs ist – in Echtzeit, hersteller­unabhängig und für den Mittelstand umsetzbar.
Omlox zeigt, wo das Produkt, die Ware, das Material sich gerade befindet und wohin es als nächstes unterwegs ist – in Echtzeit, hersteller­unabhängig und für den Mittelstand umsetzbar.
(Bild: Trumpf)
  • Omlox schafft Transparenz in der indirekten Prozesskette.
  • Zwei Hardware-Komponenten gehören zum System: ein Satellit und ein Tag.
  • Die Funkschnittstelle von Omlox sorgt dafür, dass alle Maschinen und Werkzeuge in einer Produktion herstellerunabhängig zusammenarbeiten können.

Kleinere Losgrößen, mehr Varianten und eine kürzere Lebenszeit der Produkte – und plötzlich ist der Engpass nicht mehr die Maschine, sondern die Intralogistik. Die Erfahrung hat man auch beim Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf gemacht. „Um den Engpass Logistik zu beseitigen, musste eine Echtzeitproduktionsplanung her und dazu brauchten wir die Daten aus den Maschinen – einheitlich, in einer Sprache“, sagt Eberhard Wahl von Trumpf. Das war zwar die Geburt der Schnittstelle Umati, doch nicht die Lösung. Denn es fehlten immer noch viele Daten, unter anderem weil einiges manuell erledigt wird oder manche Maschinen so alt sind, dass sie keine Daten liefern. Man musste also eine Lösung finden, bei der man nicht auf die Daten aus den Maschinen zugreift, sondern auf den Ort der Ware oder des Produkts. Die Lösung liegt in der Transparenz für die indirekte Prozesskette, die stolze 80 % einer jeden Fertigung ausmacht.

Innenraumortung ist das Zauberwort und laut Wahl das „nächste große Ding von Konzernen wie Google oder Apple“. Nebenbei geht es also auch darum, die Datenhoheit zu behalten, vollständig unabhängig zu sein – auch von Trumpf. Das zu betonen, ist Wahl wichtig.

Wir wollen, dass jeder mitmachen kann, weil nur das dem Mittelstand hilft.

Eberhard Wahl

Eberhard Wahl von Trumpf
Eberhard Wahl von Trumpf
(Bild: Trumpf)

Damit scheint es das schwäbische Unternehmen auch ernst zu meinen, denn es gehören nicht nur 60 Unternehmen dem Projekt an, der Kommunikationsstandard Omlox wurde inzwischen auch an die Profibus Nutzerorganisation (PNO) übergeben. Mit ihrer Erfahrung soll sie Omlox international etablieren und die Arbeit daran vorantreiben.

Die Hardware von Omlox

Zwei Hardwarekomponenten gehören zu dem System: ein Satellit, der die Positionsdaten empfängt, und ein Tag, der auf den Produkten liegt und der die Infos sendet. Innerhalb der Omlox-Community gibt es verschiedene Tags und verschiedene Satelliten, die von unterschiedlichen Unternehmen gebaut werden. Alle sind untereinander beliebig austauschbar.

Satellit und Tag – mehr Hardware braucht man für die Ortung nicht.
Satellit und Tag – mehr Hardware braucht man für die Ortung nicht.
(Bild: © Electronic Publishing Stefan Berner / Trumpf)

Im Testszenario bei Trumpf liegen die Tags auf der Ware oder den Produkten, die über das Fabriksteuerungssystem angesteuert werden. „Bewegt sich der Tag durch die Halle, wissen wir, wo die Ware ist und welchen Prozessschritt sie erledigt hat“, beschreibt Wahl. „Dann folgt der nächste Prozessschritt. Das heißt, die Begleitpapiere fallen weg.“ Kontextsensitiv heißt diese Art von Prozessablauf; das bedeutet, dass immer nur der nächste Schritt auf einem Display am Tag angezeigt wird. Die Infos dafür kommen aus einem übergeordneten Steuerungssystem, das über den standardisierten Omlox-Hub angebunden werden kann. Um zu wissen, wo die Waren sind, müssen die Omlox-Satelliten in der Fertigungshalle installiert werden. Wobei die reine Kommunikation auch über Wifi oder einen 5G-Campus möglich ist. Wie viele Satelliten benötigt werden, kommt auf die Größe und Ausstattung der Halle an.

Die Architektur von Omlox

(Bild: Trumpf)

Auf der oberen Ebene liegt die offene Schnittstelle Omlox-Hub API. Sie bringt alle Lokalisierungsdaten einheitlich zusammen. „Und das ist extrem wichtig“, so Wahl, „denn den Fehler aus den 90er-Jahren, als man Insellösungen schuf, die nicht miteinander kommunizieren können, den wollen wir nicht wiederholen!“ Leider geschieht derzeit genau das, wenn sich beispielsweise ein AGV mit seiner eigenen Karte in der Halle orientiert. Eine Karte, die ihre eigenen Koordinaten hat, nicht standardisiert ist und bei jedem Hersteller anders. „Der Omlox-Hub integriert alle ortsbezogenen Daten, bringt sie auf ein einheitliches Koordinatensystem und ermöglicht damit, dass die übergelagerte Software nur ein Mal entwickelt werden muss“, so Wahl. Er vergleicht es mit dem Android-System, dessen Apps, nur ein Mal programmiert, auf allen Android-­Geräten laufen – unabhängig vom Hersteller.

Das Omlox-Air-Interface adressiert die Funkschnittstelle. „Stellen Sie sich vor, Ihr Wifi-Router weigert sich, sich mit Ihrem Smartphone zu verbinden. Weil es kein Samsung ist. Unvorstellbar, oder?“ fragt Wahl. „Aber genau so arbeitet Ihre Produktion derzeit. Von mobilen Geräten über die Infrastruktur, die Softwarezwischenschicht bis zur Visualisierung kaufen Sie alles von einem Hersteller, damit es überhaupt funktioniert.“ Und da greift Omlox ein. Denn seine Funkschnittstelle dient dazu, dass die installierte Hardware mit der mobilen Hardware hersteller­unabhängig zusammenarbeiten kann. „Durch diese Offenheit können wir die Satelliten beispielsweise in die Beleuchtung integrieren“, so Wahl. Anwender kaufen dann Beleuchtung gleich mit Ortung. So wird auch die Frage, wie viele Satelliten nötig sind, irrelevant. Denn die Anzahl der Lampen reicht für die Ortung aus. Preislich wäre der Unterschied überschaubar, meint Wahl. Eine Integration der Tags ist künftig auch in handgeführten Werkzeugen oder anderen Bestandteilen einer Fabrik durch den Hersteller denkbar – ganz so, wie jeder Hersteller auch ein Bluetooth-Modul integrieren kann.

Künftig sollen alle beweglichen Elemente einer Fabrik mit Omlox in einem System ortbar sein, egal von welchem Hersteller.
Künftig sollen alle beweglichen Elemente einer Fabrik mit Omlox in einem System ortbar sein, egal von welchem Hersteller.
(Bild: Trumpf)

Der Stand der Dinge

Wie so vieles kam auch die Entwicklung von Omlox durch Corona durcheinander und etwas ins Hintertreffen. Nichtsdestotrotz sind bereits einige Produkte auf Basis des Ortungsstandards fertig­gestellt. So zum Beispiel das Assetmanagement, sprich die Nachverfolgung von Aufträgen und das Werkzeugmanagement. Dieser Teil ist von der Hardware- bis zur Software-Ebene nutzbar, auch mit Produkten von verschiedenen Omlox-Anbietern. Ebenfalls bereit für den Einsatz ist das Element für die Buchung, die location-based Activity. Ist ein Tag an einem bestimmten Ort, leitet die location-­based Activity eine automatische Buchung ein. Die Vorteile sind klar: Die ganzen Lean-Management-Abläufe in WIP (Work in Process, Pufferlager), wie die Fertigungsbuchung, die Ein- und Auslagerungsbuchung oder die Materialbedarfsbuchung, entfallen.

Das bringt die Zukunft für Omlox

Dass auch die Aktionen autonom laufen, ist derzeit noch im Proof of Concept. „Wenn beispielsweise Material bei einer Maschine bereit liegt, weiß Omlox das und die Maschine wird beladen, ohne dass ein Mensch ihr oder dem Roboter den Befehl geben muss“, erklärt Wahl. Ebenfalls im Proof of Concept, aber noch nicht in der Serienreife, ist die Ortung für fahrerlose Transportsysteme (FTS). Zu den längerfristigen Themen gehört, dass ein Tor sich automatisch öffnet, wenn ein FTS durchfahren will, oder wie man Menschen per AR-Brillen durch seine Halle navigieren kann.

Referenzkunde von Omlox werden

Wer Referenzkunde für Omlox werden will, sollte die grünen Anwendungen bieten. An den gelb eingefärbten wird noch gearbeitet.
Wer Referenzkunde für Omlox werden will, sollte die grünen Anwendungen bieten. An den gelb eingefärbten wird noch gearbeitet.
(Bild: Omlox)

Derzeit ist die Omlox-Abteilung der PNO noch auf der Suche nach Referenzkunden. Voraussetz­ungen gibt es laut Wahl eigentlich nur eine: Möglichst viele der bereits umsetzbaren Anwendungen (siehe Bild) sollte das Unternehmen testen können. Wenn zufällig noch jemand seine Beleuchtung erneuern will, dann könnte er sogar Pilotkunde werden von Lampen, die Omlox-Satelliten inte­griert haben.

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