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Maschinenbau nach der Krise Solide finanzierte Unternehmen können jetzt Marktanteile hinzugewinnen

Redakteur: Jürgen Schreier

Zwar zeigten sich im deutschen Maschinen- und Anlagenbau nach den drastischen Produktionseinbrüchen im Jahr 2009 wieder Erholungstendenzen, doch sei die Krise damit aber keineswegs ausgestanden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Beratungsunternehmens Oliver Wyman. Der Grund: Der Markt wird voraussichtlich in den nächsten Jahren noch deutlich unter dem hohen Niveau von 2008 bleiben.

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Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau musste nach Jahren des Booms 2998 kräftig Federn lassen. Bild: Rohwedder
Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau musste nach Jahren des Booms 2998 kräftig Federn lassen. Bild: Rohwedder
( Archiv: Vogel Business Media )

Folglich müssten den wirkungsvollen Sofortmaßnahmen zur Kostensenkung und Liquiditätssteigerung, die viele Unternehmen konsequent umgesetzt haben, je nach Unternehmenssituation weitere Strukturanpassungen oder Investitionen in neue Wachstumsfelder folgen. Gleichzeitig sei die Finanzierung sicherzustellen, heißt es in der Studie „Rückkehr zu Wachstum und Profitabilität im deutschen Maschinen- und Anlagenbau“.

Enormer Kapazitätsaufbau in den Jahren 2003 bis 2008

Von 2003 bis 2008 hat das Produktionsvolumen im deutschen Maschinen- und Anlagenbau kontinuierlich zugenommen. Die Boomjahre 2007 und 2008 waren getrieben durch ein starkes Wachstum in den Schwellenländern und ein hohes Investitionsaufkommen aufgrund günstiger Kredite. In Erwartung anhaltenden Wachstums bauten viele Fertigungsunternehmen zudem weitere Kapazitäten auf. Doch 2009 erlebte die Branche einen Abschwung bislang nicht gekannten Ausmaßes. Gemessen am Vorjahr ist die Produktion um rund 26% eingebrochen, das Volumen fiel damit in etwa auf das Niveau von 2003 zurück. Haupttreiber für den drastischen Einbruch war die Investitionszurückhaltung auf Kundenseite. Dies belastete insbesondere den Export.

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Maschinenbausparten von der Krise unterschiedlich betroffen

Im deutschen Maschinen- und Anlagenbau machen zehn Hauptsektoren rund 70% des gesamten Produktionsvolumens aus. Sie bedienen nicht nur Branchen mit unterschiedlichen Konjunkturzyklen wie die Konsumgüterindustrie und Industrieproduktion. Auch die Beschaffungszeiten und Lebensdauer der Maschinen differieren deutlich. Entsprechend waren die Produktionsrückgänge in den einzelnen Segmenten unterschiedlich intensiv.

Die stärksten Einbrüche verzeichneten Textilmaschinen (-35%) sowie Werkzeug- und Kunststoffmaschinen (jeweils -33%). Glimpflicher davon kamen Segmente wie Maschinen für die Nahrungs- und Genussmittelbranchen mit einem Minus von 15%. Ausgeblieben sind 2009 vor allem Investitionen in Maschinen und Anlagen zur Kapazitätserweiterung oder Produktivitätssteigerung.

Schnelle Erholung im Maschinenbau ist nicht in Sicht

„Der Investitionsblase im Jahr 2008 folgte ein sehr harter Einbruch“, erklärt Lutz Jäde, Partner und Restrukturierungsexperte bei Oliver Wyman. „Die künftige Entwicklung hängt von vielen Faktoren ab, etwa der Entwicklung des Euros, dem Tempo der Erholung in wichtigen Abnehmerbranchen und der Entwicklung der BRIC-Staaten. Sollte sich der Markt jedoch in ähnlichen Zyklen wie in den 90er-Jahren erholen, kann die Branche nicht mit einer schnellen Rückkehr auf das Vorkrisenniveau rechnen.“

In diesem Fall wäre für 2010 bestenfalls ein schwaches Wachstum des Produktionsvolumens zu erwarten. Bis 2013 ist mit derselben Annahme laut Studie lediglich eine jährliche Steigerung von 3 bis 5% möglich. Mittelfristig müssen sich die Unternehmen in diesem Szenario auf ein um 15 bis 20% niedrigeres Produktionsvolumen als im Ausnahmejahr 2008 einstellen.

Daran ändere auch die leichte Markterholung zu Beginn dieses Jahres nichts. Zwar stieg der Auftragseingang im Februar 2010 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresmonat um 29%. Doch insgesamt liegt der Markt noch immer gut 30% unter dem hohen Niveau von 2008. „Der freie Fall ist erstmal gestoppt“, so Jäde. „Aber der Weg aus dem Tal heraus wird länger sein als vielfach erwartet.“

Maschinenbau hat Krise bisher recht gut gemeistert

Insgesamt ist der Maschinen- und Anlagenbau bislang gut durch die Krise gekommen, die die schwerste seit dem Zweiten Weltkrieg war. Aufgrund der Boomjahre 2007 und 2008 mit einer guten Umsatz- und Ertragslage ist der Verschuldungsgrad vieler Unternehmen gering. Die Branche hat eine starke Technologieposition sowie stabile Kundenbeziehungen. Zudem haben viele Unternehmen die interne Transparenz und Managementprozesse verbessert und Kostenstrukturen flexibilisiert. Entsprechend schnell und entschlossen haben die meisten Maschinen- und Anlagenbauer auf den dramatischen Markteinbruch reagiert und mit Sofortmaßnahmen kurzfristig Kosten gesenkt sowie die Liquidität gesichert.

Ein vielfach genutztes Instrument war die Kurzarbeit. Teilweise befanden sich 2009 mehr als ein Viertel der Beschäftigten im Maschinen- und Anlagenbau in Kurzarbeit. Damit konnten viele Unternehmen betriebsbedingte Entlassungen erfolgreich vermeiden. Entsprechend ging die Zahl der Beschäftigten lediglich um drei Prozent zurück. Zudem erfolgte im Zuge des geringeren Umsatzvolumens ein starker Abbau von Working Capital. Ein wesentlicher Faktor war dabei die Reduktion von Beständen, die insbesondere ab Jahresmitte vorgenommen wurde.

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