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Stahlindustrie benötigt neue Ansätze für ihre Erholung

| Redakteur: Stéphane Itasse

Die weltweite Stahlindustrie leidet seit Jahren an Überkapazität. Waren 2007 weltweit noch knapp 1,6 Mrd. t Stahl verfügbar, so waren es 2013 schon über 2 Mrd. t. Doch die weltweite Nachfrage nahm im gleichen Zeitraum nur leicht zu. Auf diese Marktentwicklung reagieren Unternehmen immer nach dem gleichen Muster – doch nach einer Studie sind neue Ansätze für die Lösung dieses Problems nötig.

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In der weltweiten Stahlindustrie ist der Ofen noch nicht aus, aber ohne neue Dienstleistungsangebote wird sich die Branche nicht erholen.
In der weltweiten Stahlindustrie ist der Ofen noch nicht aus, aber ohne neue Dienstleistungsangebote wird sich die Branche nicht erholen.
(Bild: Stahl-Zentrum/Georgsmarienhütte)

Seit 2007 sei die Schere zwischen Kapazität und Nachfrage so immer stärker auseinander geraten. Preisverfall, ein hoher Margendruck und das wachsende Preisgefälle zwischen Stahl aus westlichen Ländern und günstigerem Importstahl spitzten die Lage in der Industrie zu.

Kostensenkungen reichen für den Turnaround nicht aus

Mit Werksschließungen, Entlassungen oder Verkäufen von Vermögensteilen versuchten die Stahlhersteller, schnelle Kostensenkungen zu erzielen. Doch damit könnten die aktuellen Marktherausforderungen nicht langfristig bewältigt werden, wie die Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants bei der Vorstellung der Studie Challenging Conventional Wisdom in Steel mitteilt.

„Überkapazitäten und Billigimporte stellen die größten Bedrohungen für die Stahlindustrie dar – und diese Lage wird sich in der nahen Zukunft nicht merklich verändern“, erläutert Thomas Wendt, Partner von Roland Berger in Nordamerika. „Heute ist es günstiger, 1 t Stahl um die halbe Welt zu transportieren, als sie ein paar Hundert Kilometer auf der Schiene oder Straße zu verschieben. Stahlkonzerne sollten daher nicht nur auf die Kosten achten, sondern vielmehr an ihren Umsätzen arbeiten.“

Viele Stahlkonzerne treffen ihre Entscheidungen ausschließlich auf Basis von Kennzahlen aus der Gewinn- und Verlustrechnung, wie es in der Mitteilung heißt. Die gängige Diagnose: Individuelle Verträge seien profitabel, aber die Fixkosten blieben zu hoch. Bei der Analyse vernachlässigten Stahlproduzenten die aktuellen Marktentwicklungen und die Wettbewerbslage und reagierten auf die sinkende Profitabilität nur mit Kosteneinsparungen mit dem Ziel, ihre Absatzmengen zu erhöhen. Dabei würden die Marktpreise weiter gesenkt, um dieses Volumen zu realisieren; Durchschnittspreise fielen oft tiefer als angenommen. Die Folgen: Der Margendruck nehme zu und die Profitabilität sinke. Eine gefährliche Abwärtsspirale, die Stahlhersteller mit gezielten Strategien abwenden sollten.

Mehr Dienstleistungen versprechen neue Umsätze für die Stahlindustrie

Der einseitige Blick auf die Gewinn- und Verlustrechnung als Basis für Unternehmensentscheidungen berge große Risiken: „Die Gewinn- und Verlustrechnung liefert meist ein verzerrtes Bild der Realität“, erläutert Isaac Chan, Co-Autor der Studie. „Wenn sie als einzige Grundlage für die Geschäftsstrategie des Unternehmens dient, wird der Erfolg langfristig ausbleiben.“ Denn die Kennzahlen der Gewinn- und Verlustrechnung basierten auf historischen Daten und spiegelten weder die am Markt erzielbaren Preise noch die aktuellen Kosten wider.

Der Fokus auf weiche Faktoren wie eine angepasste Lagerhaltung, individuelle Zahlungsbedingungen sowie auf Kundenbeziehungen stellen in der Branche einen Mehrwert und eine Geschäftschance dar, wie es in der MItteilung heißt.„Viele Stahlproduzenten glauben, dass sie ihre Preise senken müssen, um mit den günstigeren Wettbewerbern besser Schritt halten zu können. Doch da irren sie sich“, warnt der Berater Kunal Shah. „Um sich vom Wettbewerb abzuheben, sollten sie ihren Kunden vielmehr einen Mehrwert durch zusätzliche Services bieten.“

Um nachhaltig profitabel wachsen zu können, sollten sich Stahlkonzerne daher zunächst ein klares Bild der Lage verschaffen. Dabei müssten interne Verkaufsentscheidungsprozesse genauso berücksichtigt werden wie externe Marktbedingungen. Denn nur mit einem umfassenden Verständnis für alle wichtigen Aspekte seien Führungskräfte in der Lage, zwischen kurzfristigen Aufwärtstrends am Markt und nachhaltigem Erfolg zu unterscheiden. Ohne dieses Verständnis bleibe ein erhebliches Potenzial ungenutzt, um die Profitabilität der Stahlindustrie langfristig zu steigern.

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