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Neff / Daimler Suche nach der ältesten Presse war erfolgreich – 62 Jahre im Dienst

| Autor / Redakteur: Dietmar Kuhn / M.A. Frauke Finus

Anlässlich der Euroblech 2016 startete Walter Neff eine Aktion mit dem Ziel die älteste noch in Betrieb befindliche Neff-Presse im Markt zu finden. Fündig wurde man im Mercedes-Benz Werk Gaggenau. Hier tut eine hydraulische Einständer-Presse 6S40 mit 6 t Presskraft seit nunmehr 62 Jahren zuverlässig ihre Dienste. Dafür wurde das Mercedes-Benz Werk Gaggenau von Neff ausgezeichnet.

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Im Mercedes-Benz Werk Gaggenau fertigt und montiert die Daimler AG Aggregate und Komponenten für Fahrzeuge, insbesondere Antriebe und Antriebskomponenten für schwere Lkws und Nutzfahrzeugachsen.
Im Mercedes-Benz Werk Gaggenau fertigt und montiert die Daimler AG Aggregate und Komponenten für Fahrzeuge, insbesondere Antriebe und Antriebskomponenten für schwere Lkws und Nutzfahrzeugachsen.
(Bild: Kuhn)

Weit über 6000 Umform- und Montagepressen hat die Walter Neff GmbH Maschinenbau in den nunmehr 70 Jahren ihrer Firmengeschichte weltweit in Betrieb genommen. „Darin“, so Oliver Dörmann, Geschäftsführer des Unternehmens, „steckt natürlich erst einmal ein riesiges Potenzial für das Retrofit-Geschäft.“ Der weitere Auf- und Ausbau dieses Geschäftsbereiches, ältere noch aktive Neff-Pressen zu modernisieren und sie für weitere Jahre fit zu machen, das ist das erklärte Ziel des Pressenbauers aus Karlsruhe-Neureut.

Oliver Dörmann sieht darin ein riesiges Zukunftspotenzial für sein Unternehmen. Hintergrund sind die aktuellen Regeln des Bestandsschutzes von Maschinen und Anlagen. Davon ausgehend gibt es ja viele Maschinen und Anlagen, die heute nicht mehr oder nur teilweise den Anforderungen der Maschinenrichtlinien entsprechen. „Hier“, so Dörmann, „wollen wir mit unserem Wissen und Können einhaken und Unternehmen, die eine Neff-Presse – oder auch eine Presse eines Fremdherstellers – in Betrieb haben, ein umfassendes Retrofit-Programm anbieten.

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„Oldtimer“ unter den Pressen

Da gilt es doch in erster Linie zu recherchieren, wie alt die noch aktiven Neff-Pressen sind, wer sie in Betrieb hat, welche Art von Presse es ist und was der potenzielle Betreiber in naher Zukunft mit diesen Pressen plant. Zur Euroblech 2016 in Hannover startete Neff deshalb eine besondere Aktion. Verbunden mit der Auslobung eines Preises wurde die älteste noch aktive Neff-Presse gesucht (verschiedene Fachmagazine berichteten darüber). Die Pressenbetreiber konnten sich mit der Einsendung einer Text- und Bildbeschreibung an dem ausgeschriebenen Wettbewerb beteiligen.

Unter den zahlreichen Bewerbungen war mit einer 62 Jahre alten Neff-Montagepresse 6S40 die heute noch im Mercedes-Benz Werk Gaggenau in Betrieb ist, der absolute „Oldtimer“ unter den Pressen gefunden. 1955 bei Neff, damals noch im württembergischen Bad Urach dem Gründungsstandort von Neff gebaut, tut sie heute noch ihre Dienste in einer Montagelinie für Achskomponenten im Mercedes-Benz Werk Gaggenau. Dipl.-Ing. Michael Koelmel ist im Werk Gaggenau als Leiter Planung Montage/Lackierung für Achsen und Sondergetriebe verantwortlich. In seinem Ressort befindet sich auch die älteste Neff-Presse. „Meine Mitarbeiter und ich wurden über die Aktivitäten von Neff informiert und eingeladen uns am Wettbewerb zu beteiligen. Da haben wir uns einfach mal beworben.“ Die hydraulische Einständer-Presse 6S40 steht in einer Montagelinie mit mehreren, wesentlich neueren Montagepressen für Achsteile schwerer Baustellen-Fahrzeuge. Für Koelmel ist die Presse nicht nur wegen ihres Alters eine „Exotin“. Vielmehr zielt der Begriff auf den Einsatz und die Verwendung der Maschine ab. „Wir nutzen die Presse vor allem für spezielle Aufgaben. Sie ist zwar innerhalb der Linie über eine Fördereinrichtung mit den anderen Pressen verbunden, doch wird sie in der Regel manuell mit Sonderlösungen bestückt“, erklärt Koelmel.

Lösungspartner für alle Modernisierungsschritte

Auf eine Automatisierungslösung der 6S40 mit 6 t Presskraft verzichtet man in Gaggenau gänzlich. „Schließlich wollen wir uns mit der „Exotin“ ein Stück Freiheit und Flexibilität erhalten. Eine Automatisierungslösung würde dem entgegenstehen“, meint der Produktionsplaner.

In den 62 Jahren ihres aktiven Betriebes hatte die Neff-Presse öfter auch mal die Standorte innerhalb des Mercedes-Benz Werkes Gaggenau gewechselt „Machbar war dies auch durch die Aufnahme immer neuer Werkzeuge für die jeweiligen Aufgaben“, bemerkt Koelmel. Größere Veränderungen an der Maschine gab es allerdings nie. So wurden laut Michael Koelmel zwar regelmäßig und nach Daimler-Standard Serviceleistungen durchgeführt, die sich aber im Wesentlichen auf die Sicherheitsstandards und die Optik der Anlage bezogen. „Technisch wurde da kaum etwas verändert“, sagt auch Michael Streeb als Meister der Montage im Mercedes-Benz Werk Gaggenau. Die Neff-Presse sei einfach gestrickt, robust und einfach ideal für die Montagearbeiten.

Im Mercedes-Benz Werk Gaggenau ist Neff ein bekannter Name. Nicht nur weil dort zahlreiche Neff-Pressen mit unterschiedlichen Aufgaben und Größenordnungen stehen, sondern auch weil der Service gut ankommt. Neff sieht sich neben Neubeschaffungen auch als Lösungspartner für alle Modernisierungsschritte die notwendig sind – egal ob es sich um die Hydraulik, Steuerung oder die Materialhandhabung handelt. Darüber hinaus sind bei Neff die Themen Automatisierung und Energieeffizienz ganz hoch aufgehängt.

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