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Kassensturz Thyssen Krupp hat erfolgreiches Geschäftsjahr hinter sich

| Redakteur: M.A. Frauke Finus

Thyssen Krupp gibt bekannt, dass das Unternehmen einen Jahresüberschuss in Höhe von 268 Mio. Euor erzielt und damit das Geschäftsjahr 2014/2015 erfolgreich abschließt. Der Free-Casflow vor Desinvest sei seit 2005/2006 erstmals wieder positiv. Außerdem stellt Thyssen Krupp einen neuen Markenauftritt vor, der alle Konzerngesellschaften unter einer einheitlichen Dachmarke zusammenfasst.

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Der neue Markenauftritt von Thyssen Krupp auf einer Rolltreppe.
Der neue Markenauftritt von Thyssen Krupp auf einer Rolltreppe.
(Bild: Thyssen Krupp)

Thyssen Krupp hat seine Leistungsfähigkeit nach eigenen Angabem im Geschäftsjahr 2014/2015 weiter gesteigert und die wichtigsten Finanzkennzahlen erneut verbessert. Das Bereinigte EBIT der fortgeführten Aktivitäten kletterte um 26 % auf rund 1,7 Mrd. Euro und lag damit am oberen Rand der unterjährig erhöhten Prognose. Grund für diesen deutlichen Ergebnissprung seien in erster Linie umfangreiche Effizienzsteigerungsmaßnahmen. Ursprünglich geplante Effekte in Höhe von 850 Mio. Euro konnten mit 1,1 Mrd. Euro deutlich übertroffen werden, heißt es weiter.

Aktionäre angemessen beteiligen

Das Nettoergebnis verbesserte sich um 37 % auf 268 Mio. Euro (Vorjahr 195 Mio. Euro), auf die Aktionäre der Thyssen Krupp AG entfallen 309 Mio. Euro (Vorjahr 212 Mio. Euro). Das wichtigste Ziel für das abgelaufene Geschäftsjahr war für das Unternehmen die Erreichung eines positiven Mittelzuflusses vor Desinvestitionen. Zum ersten Mal seit dem Geschäftsjahr 2005/2006 hat Thyssen Krupp mit 65 Mio. Euro wieder einen positiven Free -Cashflow vor Desinvestitionen erzielt (Vorjahr -357 Mio. Euro). „Das markiert für uns einen weiteren Meilenstein im Rahmen unseres Veränderungsprozesses“, sagt Dr. Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender von Thyssen Krupp im Rahmen der Bilanz-Pressekonferenz.

Vor dem Hintergrund des Jahresüberschusses und in Erwartung weiterer Verbesserungen schlagen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von 0,15 Euro je Aktie vor (Vorjahr 0,11 Euro). „Uns ist es wichtig, dass wir unsere Aktionäre an den kontinuierlichen Verbesserungen der Ertrags- und Bilanzkennzahlen angemessen beteiligen. Die Dividende kann uns mittelfristig zwar nicht zufrieden stellen. Es ist aber ein Schritt in die richtige Richtung, der auch unsere bilanziellen Erfordernisse berücksichtigt“, sagt Hiesinger.

Auftragseingang auf Vorjahresniveau

In einem weiterhin anspruchsvollen gesamtwirtschaftlichen Umfeld belief sich der Auftragseingang auf 41,3 Mrd. Euro und lag damit auf Vorjahresniveau. Auf vergleichbarer Basis, das heißt währungs- und portfoliobereinigt, war der Auftragseingang um 5 % rückläufig, so das Unternehmen. Ursache für diesen Rückgang seien niedrigere Werkstoff- und Stahlpreise sowie ein Großauftrag im Marineschiffbau im 1. Quartal des Vorjahres. Hinzu komme angesichts der volatilen und rückläufigen Öl- und Rohstoffpreise eine zurückhaltende Auftragsvergabe im Anlagenbau. Die Komponentengeschäfte und die Aufzugssparte zeigten gegenüber dem Vorjahr steigende Auftragseingänge. Dabei habe die Aufzugssparte erneut einen Spitzenwert zu verzeichnen.

Der Umsatz lag mit insgesamt 42,8 Mrd. Euro in nahezu allen Business Areas auf oder über dem Niveau des Vorjahres (Vorjahr 41,2 Mrd €). Ausnahmen waren lediglich die Stahlgeschäfte. Der Konzern profitierte nach eigenen Angaben neben soliden Marktpositionen von der globalen Aufstellung der Industriegütergeschäfte mit entsprechend positiven Wechselkurseffekten. Auf vergleichbarer Basis blieb der Umsatz leicht unter Vorjahresniveau. Wesentliche Ursache seien niedrigere Werkstoffpreise bei Materials Services und niedrigere Rohstoffpreise bei den Stahlgeschäften. Deutlich stabilisierend habe das organische Wachstum im Komponenten- und Aufzugsgeschäft gewirkt. Dabei verzeichnete die Aufzugssparte auch hier einen neuen Spitzenwert.

Ausblick 2015/2016

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Vorstand weitere Fortschritte bei der Strategischen Weiterentwicklung. Sorge bereiten wachsende Unsicherheiten bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie der hohe Importdruck auf den Werkstoffmärkten vor allem aus Asien. Insgesamt hält Thyssen Krupp daher einen vorsichtigen Blick auf 2015/2016 für geboten. Der Vorstand rechnet dennoch mit einem deutlichen Anstieg bei Jahresüberschuss und Wertbeitrag, einem Free-Cashflow vor M&A auf Vorjahresniveau sowie einem Bereinigten EBIT voraussichtlich zwischen 1,6 und 1,9 Mrd. Euro. Entscheidend für die Zielerreichung im Geschäftsjahr 2015/2016 werden neben der Entwicklung der Werkstoffmärkte wiederum die Effizienzsteigerungsmaßnahmen sein, die EBIT-Effekte von 850 Mio. Euro erbringen sollen, heißt es.

Weniger Geschäftsvolumen bei Industrial Solutions und Steel Europe

Industrial Solutions verzeichnete mit einem Auftragseingang von 4,9 Mrd. Euro nach Unternehmensangaben erwartungsgemäß ein niedrigeres Geschäftsvolumen als im Vorjahreszeitraum (5,7 Mrd. Euro) – dieser war wesentlich durch Großaufträge bei Marine Systems und Resource Technologies geprägt. Vor dem Hintergrund der volatilen und rückläufigen Öl- und Rohstoffpreise zeigten sich die Kunden bei der Auftragsvergabe zurückhaltend. Der weiterhin hohe Auftragsbestand von 12,3 Mrd. Euro zum 30. September 2015 ermögliche eine langfristige Planung für die nächsten zwei bis drei Jahre, heißt es weiter. Der Umsatz blieb mit 6,3 Mrd. Euro auch währungsbedingt insgesamt stabil (Vorjahreswert 6,3 Mrd. Euro), trotz der Veräußerung der schwedischen Aktivitäten von Marine Systems gegen Ende des Vorjahres. Auf vergleichbarer Basis ergab sich ein leichter Rückgang um 2 %. Das Bereinigte EBIT lag mit 424 Mio. Euro gestützt durch umfangreiche Effizienzsteigerungsmaßnahmen leicht über dem Vorjahreswert (420 Mio. Euro).

Steel Europe verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr einen insbesondere durch die Rohstoffmärkte getriebenen preisbedingten Rückgang des Geschäftsvolumens. Auftragseingang und Umsatz gingen um 6 beziehungsweise 1 % auf 8,4 beziehungsweise 8,7 Mrd. Euro zurück (Vorjahr 8,9 Mrd. Euro beziehungsweise 8,8 Mrd. Euro). Das Bereinigte EBIT verbesserte sich deutlich um 271 Mio. Euro auf 492 Mio. Euro (Vorjahr 221 Mio. Euro). Hier wirkten sich die konsequent weitergeführten Maßnahmen aus dem Programm „Best-in-Class Reloaded“ positiv auf das Ergebnis aus, hinzu kamen Entlastungen bei den Rohstoffkosten, wenngleich diese Kostenvorteile zum Teil durch den schwächeren Eurokurs wieder aufgezehrt wurden.

Neuer Markenauftritt: einheitliche Dachmarke für alle Konzerngesellschaften

Thyssen Krupp wird künftig mit einer neuen und weltweit einheitlichen Dachmarke auftreten. Die Weiterentwicklung der Marke spiegelt nach Unternehmensangaben die Transformation des Essener Technologieunternehmens zu einem diversifizierten Industriekonzern wider. „Thyssen Krupp hat sich in den vergangenen Jahren nachhaltig verändert. Wir sind heute ein anderes Unternehmen. Wir sind diversifizierter und damit stabiler geworden", sagt Dr. Heinrich Hiesinger, Vorstandschef von Thyssen Krupp.

„Wir werden aber noch nicht überall als der leistungsfähige Industriekonzern wahrgenommen, der wir sind und künftig noch mehr sein wollen. Deshalb haben wir uns entschieden, die Marke weiterzuentwickeln", ergänzt Kommunikationschef Alexander Wilke. Die neue Marke stelle den Kunden stärker in den Mittelpunkt. Sie vermittele die Aufstellung als diversifizierter Industriekonzern und den Anspruch, integriert zu arbeiten, dadurch interne Synergien zu heben und Mehrwert für Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre zu schaffen.

Die neue Marke verdichtet in einem Logo, einem Claim und neuen Farben, wofür Thyssen Krupp steht. Wilke: „Diese Elemente sind aber nur der sichtbare Teil unserer Marke. Das Herzstück ist das Markenversprechen. Weil es den Kunden in den Mittelpunkt stellt und sagt, wie wir unsere Kunden voranbringen wollen.“

Dem Veränderungsprozess weiteren Schub geben

„Der neue Markenauftritt bedeutet nicht, dass wir am Ziel der Transformation angekommen sind. Aber er soll unserem Veränderungsprozess nach innen und außen einen weiteren Schub geben“, so Hiesinger weiter. Deshalb wird Thyssen Krupp in Zukunft als einheitliche Dachmarke auftreten. Über 180 verschiedene Markenauftritte existieren aktuell im Konzern noch nebeneinander. Das bedeutet Komplexität und gleichzeitig ineffiziente Nutzung von Ressourcen. Die Dachmarke schafft ein einheitliches Bild bei Kunden und Mitarbeitern.

Auch das neue Logo unterstreiche das, heißt es weiter. Die bis vor kurzem noch getrennten Signets von Thyssen und Krupp bilden jetzt eine Einheit. Der neue Claim „engineering.tomorrow.together.“ verdichtee das Markenversprechen „und beschreibt in drei Worten, wer wir sind, was wir machen und wie wir es tun“, erklärt Wilke. Dabei stelle die neue Marke ganz bewusst eine Evolution dar.

Thyssen Krupp wird die neue Marke nach eigenen Angaben mit Augenmaß und der finanziellen Situation des Unternehmens angepasst einführen. Eine millionenschwere Werbekampagne gebe es nicht. Die Fahrzeuge der Servicetechniker, die Lkws der Logistikeinheit, Büromaterialien oder etwa Arbeitskleidung werden erst dann im neuen Design der Marke erscheinen, wenn sie ohnehin regulär ausgetauscht werden müssen. Insgesamt investiert Thyssen Krupp einen mittleren einstelligen Millionenbetrag in den neuen Markenauftritt.

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