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Bilanz-Pressekonferenz

Trumpf stellt sich dem Wandel

| Autor: Stéphane Itasse

Brexit, Flüchtlinge, Ukraine und Russland-Embargo – im abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Werkzeugmaschinenbauer Trumpf die Weltpolitik in seinem eigenen Geschäft zu spüren bekommen.„Was sich in der Unsicherheit in den politischen Debatten niederschlägt, findet seinen Ausdruck auch in den wirtschaftspolitischen Entwicklungen“, sagte Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Trumpf-Geschäftsführung anlässlich der Bilanz-Pressekonferenz am 19. Oktober.

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„Die Ausrichtung auf die digitale Vernetzung bleibt für uns zentral“, erklärte Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Trumpf-Geschäftsführung.
„Die Ausrichtung auf die digitale Vernetzung bleibt für uns zentral“, erklärte Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Trumpf-Geschäftsführung.
(Bild: Itasse)

So hat Trumpf in Großbritannien nach ihren Worten bereits schon vor dem eigentlichen Brexit-Votum eine Investitionszurückhaltung gespürt. „Im Fall der Türkei sind die Folgen des Putsches bis heute klar zu registrieren. Derzeit tätigen nur Großkunden Investitionen, kleine Unternehmen warten ab“, sagte sie weiter. Unter den Russland-Saktionen litten die Geschäfte in Polen und Tschechien.

Insgesamt konnte der Ditzinger Maschinenbauer seinen Auftragseingang vom Vorjahr nicht mehr erreichen: Am Ende des Geschäftsjahres 2015/16 standen 2,79 Mrd. Euro in den Büchern, im Vorjahr waren es noch 2,82 Mrd. Euro. Ein Plus gab es hingegen beim Umsatz, der um 3,4 % auf 2,81 Mrd. Euro zulegte. Dabei wuchs der Umsatz des Geschäftsbereichs Werkzeugmaschinen um 6,6 % auf 2,52 Mrd. Euro. Weitere Impulse erwartet Trumpf hier von der neuen vollautomatischen Laser-Fertigungszelle Trulaser 7030, die erstmals auf der Euroblech vorgestellt wird.

Umsatzmilliarde geknackt

Im Geschäftsbereich Lasertechnik/Elektronik konnte Trumpf erstmals die Umsatzmilliarde knacken. Mit einem Plus von 4,6 % erzielte das Unternehmen 1,01 Mrd. Euro , wobei die Lasertechnik mit 935 Mio. Euro Umsatz ein Plus von 5,1 % verbuchte, die Elektronik mit 93 Mio. Euro hingegen ein Minus von 9 %.

Technisch standen in diesem Geschäftsbereich einerseits eine neue Generation von Ultrakurzpulslasern zum Schneiden von hartem Glas – etwa für Tablets und Smartphones – im Vordergrund, aber auch Aktivitäten für die Additive Fertigung und den 3D-Druck. „Wir sind weltweit das einzige Unternehmen, das beide relevanten Technologien für den 3D-Druck von Metallteilen anbieten kann – sowohl Laser Metal Deposition als auch Laser Metal Fusion“, sagte Leibinger-Kammüller. Im Bereich Laser Metal Fusion hat Trumpf mit der Truprint 1000 bereits die erste Maschine auf den Markt gebracht, im Herbst soll mit der Truprint 3000 eine größere Maschine folgen.

Potenzial in der Additiven Fertigung

Insgesamt sieht Trumpf auch ein großes Potenzial in der Additiven Fertigung. Aus diesem Grund will das Unternehmen noch im laufenden Geschäftsjahr bis zu 100 Stellen in diesem Bereich neu schaffen, weitere 100 sind für das Geschäftsjahr 2017/18 geplant. Die meisten dieser Mitarbeiter sollen am Standort Ditzingen eingestellt werden.

Doch auch in anderen Geschäftsfeldern will Trumpf die Technik vorantreiben. Dazu hat das Unternehmen im Geschäftsjahr 2015/16 seine Aufwendungen für Forschung und Entwicklung um 11,7 % auf 296 Mio. Euro erhöht, die Investitionen stiegen um 6,3 % auf 138 Mio. Euro.

Ergänzend zur eigenen Forschung und Entwicklung hat Trumpf zudem eine eigene Venture-Capital-Gesellschaft gegründet. „Wir wollen in den kommenden fünf Jahren etwa 40 Mio. Euro für Minderheitsbeteiligungen ausgeben“, erläuterte Peter Leibinger, stellvertretender Vorsitzender der Trumpf-Geschäftsführung. Je Start-Up wolle Trumpf ein bis zwei Mio. Euro für einen Anteil von 10 bis 20 % ausgeben. Damit sollen auch Geschäftsbereiche identifiziert werden, die in den kommenden Jahren für Trumpf erst noch wichtig werden können.

Digitale Vernetzung weiter zentral

Beim Thema Industrie 4.0 hat Trumpf seine Aktivitäten noch verstärkt. Zur 2015 gegründeten Softwaretochter Axoom haben die Ditzinger noch zwei weitere Unternehmen hinzugekauft: Die Xetics GmbH in Stuttgart ist spezialisiert auf Fertigungssteuerungssysteme für kleine und mittlere Unternehmen und soll die Plattform von Axoom ergänzen, C-Labs mit Sitz in Redmond, US-Bundesstaat Washington, bietet Software für die hochsichere und einfache Erfassung und Übertragung von Maschinendaten im Produktionsumfeld.

„Die Ausrichtung auf die digitale Vernetzung bleibt für uns zentral“, betont Leibinger-Kammüller. Dies will Trumpf auch im eigenen Haus demonstrieren – innerhalb von fünf Jahren sollen alle Produktionsstandorte komplett auf digital vernetzte Prozesse umgestellt sein.

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