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Studie Umformmaschinenbauer aus Italien liegen vorn

| Autor: Stéphane Itasse

Unter sechs Jahren Wirtschaftskrise hat der italienische Maschinenbau zwar stark gelitten. Doch die überlebenden Unternehmen sind daraus gestärkt hervorgegangen und sollten keineswegs als Wettbewerber abgeschrieben werden, wie eine neue Studie zeigt.

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Die italienischen Maschinenbauer sehen sich eher als Nischenanbieter als ihre deutschen Konkurrenten, wie eine neue Studie zeigt.
Die italienischen Maschinenbauer sehen sich eher als Nischenanbieter als ihre deutschen Konkurrenten, wie eine neue Studie zeigt.
(Itasse)

Für die Studie hat die Unternehmensberatung PWC im Auftrag des italienischen Verbands der Hersteller von Werkzeugmaschinen, Robotik und Automation Ucimu 34 Umformmaschinenhersteller aus Deutschland und 24 aus Italien genauer analysiert. Bei den kritischen Erfolgsfaktoren sehen die Autoren demnach die italienischen Unternehmen bei der Nachfragesteuerung im Marktzyklus vorne: Ihnen gelinge es besser, sowohl bei Ersatzbeschaffungen als auch bei Neuinstallationen die Bedürfnisse der Kunden zu erfassen und darauf zu reagieren. Außerdem seien sie bei der Modularisierung der Maschinen sowie bei der Technik stärker.

Deutsche Umformmaschinenhersteller bieten bessere Pakete

„Hingegen sind die deutschen Unternehmen zumindest in ihrer Kommunikation stärker, wenn es um eine lösungsbasierte Herangehensweise geht“, sagte Fabrizio Franco De Belvis, Executive Director Industrial Products & Service Strategy Group bei PWC in Rom, anlässlich der Vorstellung der Studie. Dies umfasse vor dem Verkauf beispielsweise das Co-Engineering, das Angebot schlüsselfertiger Systeme oder eine Beratung im Hinblick auf die Lebenszykluskosten. Beim Verkaufsprozess seien dies Finanzierungsangebote wie Leasing oder der Rückkauf gebrauchter Maschinen. Zudem seien die deutschen Umformmaschinenhersteller im Durchschnitt größer und könnten deshalb leichter in Forschung und Entwicklung – einschließlich der technischen Ausstattung hierfür – sowie in die Erschließung neuer Märkte investieren.

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Eine zunehmende Ausdifferenzierung zwischen Groß- und Nischenanbietern sah Filippo Gasparini, Präsident des Maschinenbauers Gasparini, in der Podiumsdiskussion nach der Vorstellung der Studie. „Für uns Italiener ist es wichtig, sich auf Nischenmärkte zu konzentrieren und die Kundenwünsche individuell zu erfüllen“, sagte er. Hingegen sah Cristiano Porrati, Vizepräsident der Subregion Südeuropa bei Prima Power, einen steigenden Druck aus den Schwellenländern, der besonders die italienischen Unternehmen treffe: „Sie sind durch ihre geringere Größe bei F&E sowie bei den Investitionsmöglichkeiten gehemmt.“

Deutsche und Italiener ergänzen sich sehr gut

„Besser als eine Unterscheidung zwischen kleinen und großen Unternehmen wäre eine zwischen Nischenanbietern und Nutzern von Skaleneffekten“, entgegnete Giovanni Zacco, Marktentwicklungsmanager bei der BLM Group. „Am Ende sind beide profitabel, aber die Märkte sind unterschiedlich.“ Gemeinsam könnten sie gegen die Wettbewerber Europas wie Japan und künftig China antreten.

Mehr Gemeinsamkeiten als Gegensätze zwischen italienischen und deutschen Umformmaschinenherstellern sah auch Marcella Montalitici, Geschäftsführerin der italienischen Trumpf-Tochtergesellschaft Trumpf Homberger. „Italiener und Deutsche ergänzen sich sehr gut, auch von der Herangehensweise an das Geschäft. Gemeinsam können wir mehr erreichen, zum Beispiel im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Fachkräften“, sagte sie.

In zwei Punkten widersprachen die Teilnehmer der Podiumsdiskussion auch den Ergebnissen der Ucimu-Studie. So sah Zacco keinen Nachteil darin, dass es in Italien für das Thema Industrie 4.0 keine vergleichbare Plattform wie in Deutschland gibt. „Italienische Unternehmen lassen sich bei den Industrie-4.0-Themen nicht abhängen. Sie haben eher eine organische Herangehensweise“, erläuterte er.

Auch bei der Preisfindung sehen die italienischen Unternehmer den Vorteil nicht mehr auf ihrer Seite. „Bei der Preissetzung sind die Deutschen mittlerweile ähnlich flexibel wie die Italiener, da besteht kein großer Unterschied mehr“, berichtete Porrati.

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