Scholpp Umzug der Superlative

Autor / Redakteur: Stefan Werth / M.A. Frauke Finus

Ende letzten Jahres hat Scholpp Montagetechnik, Dienstleister für die Verlagerung und Montage von Industrieanlagen, für die Fielitz GmbH die weltgrößte Fluidpresse nach Ingolstadt gebracht. Der 220 t schwere Presszylinder reiste sicher per Bahn durch Deutschland.

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Scholpp bringt für die Fielitz GmbH die weltgrößte Fluidpresse an einen neuen Standort.
Scholpp bringt für die Fielitz GmbH die weltgrößte Fluidpresse an einen neuen Standort.
(Bild: Scholpp)

Wenn Maschinen an einem Standort demontiert und an einem anderen Ort neu aufgebaut werden, sind eine durchdachte Projektkoordination und präzise Projektierung essentiell. Handelt es sich dabei um eine einzigartige Presse mit außerordentlichen Ausmaßen und extrem hohem Gewicht, erfordert dies besonders viel Erfahrung und eine Bündelung spezieller Kompetenzen. Scholpp übernahm das Mammutprojekt – von der Demontage über den Transport bis hin zur Remontage und Modernisierung.

2014 erwarb die Fielitz GmbH, ein Blechumformspezialist aus Ingolstadt, eine weltweit einmalige Riesenpresse. Fielitz entwickelt und vertreibt seit mehr als 25 Jahren metallische Strukturen und Oberflächen für Fassaden, Decken, Wandverkleidungen, den Messebau und Designelemente. Dank modernster Fertigungstechnologien werden alle kalt verformbaren Werkstoffe wie Aluminium, Edelstahl, Stahl, Kupfer, Bronze, Messing oder Titan in Form gebracht.

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Die „neue alte“ Presse soll das Fertigungsspektrum erweitern. Geschäftsführer Eberhard Fielitz betont: „Mit der Presskraft der Anlage von bis zu 150.000 t und der Fluidtechnik ist es relativ leicht und wirtschaftlich, auch geometrisch außergewöhnliche Fassadenelemente bis zu einem Format von bis zu 8 m² herzustellen.“ Fielitz produziert vorzugsweise für Kunden mit hohen technischen und gestalterischen Ansprüchen. Die erworbene Presse soll am neuen Standort in einem Topzustand

sowohl technisch als auch optisch errichtet werden.

Konzentriertes Know-how für anspruchsvolle Aufgaben

Im Frühjahr 2015 wandte sich die Firma Fielitz mit dieser Herausforderung an Scholpp. Angefragt wurde ein umfangreiches Leistungspaket aus Demontage und Reinigung der ganzen Anlage, Transport nach Ingolstadt sowie anschließende Remontage, Modernisierung und CE-Zertifizierung. Die Erfahrungen von Götz Schleith, Leiter Operations Scholpp, mit solch komplexen Projekten und die Kompetenz der gesamten Scholpp Gruppe überzeugten Fielitz.

Götz Schleith berichtet: „Wir kamen mit den Geschäftsführern der Firma Fielitz in mehreren

Gesprächen zusammen. Dabei haben wir unseren Leistungskatalog vorgestellt. Fielitz hat im Anschluss die benötigten Leistungen ausgewählt und wir haben geschaut, welche technischen, logistischen und kalkulatorischen Lösungen es für die unterschiedlichen Aufgaben gibt. So stellte sich auch heraus, dass die elektrische Steuerung der Anlage neu aufgebaut und modernisiert werden musste.“

Eberhard Fielitz ergänzt: „Mit Scholpp konnten wir alle Leistungen aus einer Hand beziehen, von der Demontage über den Transport bis zur Remontage und Umbau der Steuerung.“ Bereits während der Planungsphase stellte Projektleiter Schleith sein Team zusammen. Das bestand neben Scholpp Kompetenzen aus der Montagetechnik in Stuttgart zudem aus den Pressenspezialisten der PTC Press Engineering Oberhausen und den Reinigungsspezialisten vom Scholpp-Standort Nürnberg.

Die Spedition Kübler übernahm die Transportplanung für die Herzstücke der Presse: den 220 t schweren Zylinder und den 100 t schweren Rahmen. Bald wurde klar, dass es keine Chance gibt, den Zylinder in diesen Ausmaßen und Gewicht auf der Straße oder auf dem Wasserweg zu transportieren.

Pünktliche Räumung des alten Standortes

Scholpp startete im Oktober 2015 mit der Demontage. Die elektrischen Elemente wurden komplett zurückgebaut. Während des Abbaus der mechanischen Komponenten waren bereits die Reinigungsspezialisten vom Geschäftsbereich Service vor Ort. Jedes einzelne Teil wurde technisch gereinigt und erst dann für den Transport verladen.

Eine besondere Herausforderung stellte das Spezialöl dar, mit dem die Anlage betrieben wurde. 12.000 l der Flüssigkeit wurden abgelassen, aufbereitet und umweltgerecht abgefüllt.

Weniger als 2 cm Platz zur Bahnsteigkante

Nach der pünktlichen Demontage stand der schwierigste Abschnitt des Projektes bevor: der Transport des Zylinder. Spätestens an dieser Stelle wurde allen Beteiligten bewusst, dass es sich um ein Projekt der Superlative handelt. Bereits im Vorfeld trat Scholpp mit der Deutschen Bahn in Kontakt, um alle nötigen Genehmigungen einzuholen. Der eingesetzte Tragschnabelwaggon ist der einzige in Europa, der den Schwerpunkt seiner Ladung mit bis zu 350 t nach links oder rechts verfahren kann. Dieser war notwendig, um den Zylinder mit seinen Ausmaßen unfallfrei durch die teils engen und kurvenreichen Bahnhöfe zu bewegen. „Die Verladung des Zylinders auf den Schwerlasttransporter und die Fahrt zum Verladebahnhof hat gut funktioniert, da liefen alle Zahnräder super ineinander“, lobt Schleith die Zusammenarbeit mit allen Partnern.

Vom Verladebahnhof startete er seine 250 km lange Reise nach Ingolstadt auf dem Spezialwaggon. Da dieser nur nachts und mit einer maximalen Geschwindigkeit von 40 km/h fahren durfte, dauerte der Transport knapp eine Woche. Götz Schleith erinnert sich: „Als ich dann streckenweise mitgefahren bin, verstand ich, warum das so langsam geht. Der Abstand zwischen dem Zylinder und dem Bahnsteig lag teilweise bei weniger als 2 cm. Hier erreichten wir nicht einmal Schrittgeschwindigkeit.“

Das Mosaik wird zusammengefügt

Und doch – der Koloss kam kurz vor Weihnachten in Ingolstadt an. Dort standen schon drei Autokrane bereit, um den Zylinder wieder auf einen 20-achsigen Schwerlasttransporter zu verladen. Anschließend erfolgte der Transport nachts zum Werksgelände der Firma Fielitz. Noch in dieser Nacht wurde der Zylinder mithilfe des Hubgerüsts von Scholpp übernommen und in der neuen Halle positioniert.

In der gleichen Nacht wurde der 100-Tonnen schwere Rahmen des Zylinders auf der Straße nach Ingolstadt gefahren und dort einen Tag später mit dem umgebauten Hubgerüst abgeladen und positioniert. Auch alle anderen Maschinenteile gelangten mit vielen LKW-Transporten problemlos über die Straße nach Ingolstadt. Obwohl die einzelnen Komponenten auf unterschiedlichen Wegen unterwegs waren, fügten sich am Zielort alle wieder gleichzeitig zum gewünschten Mosaik zusammen. „Letztendlich konnte die Firma Fielitz am 24.12. ihre Hallenfassade schließen. Das war wirklich eine Punktlandung für alle Beteiligten“, freut sich Schleith.

Remontage und Modernisierung

Für die anschließende Remontage der Anlage erhielt das Montageteam Unterstützung von den Spezialisten der PTC. Innerhalb von zwei Wochen wurden alle großen mechanischen Komponenten zusammengebaut, im Anschluss erfolgte die Feinjustierung. Danach konzentrieren sich die PTCMitarbeiter auf die elektrische Remontage, inklusive Modernisierung der gesamten Steuerungstechnik, dann wird die Anlage neu lackiert.

Der erste Probelauf wird Götz Schleith noch einmal das Herz schneller schlagen lassen: „Ich habe großes Vertrauen in meine Mannschaft, aber die Aufregung vor dem ersten Probebetrieb ist bei jedem Projekt da. Solch eine Mammutmaschine haben wir nicht alle Tage. Der Schließzylinder muss einwandfrei funktionieren und alle Sicherheitsrichtlinien eingehalten werden, dann können wir die Anlage zur Wiederinbetriebnahme freigeben.“ Mit der entsprechenden CE-Zertifizierung, die ebenfalls durch SCHOLPP vorgenommen wird, wird die Firma Fielitz bereits in wenigen Wochen ihre ersten Aufträge mit der Fluidpresse bearbeiten können.

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