Bruchgefahr abwenden

Unfallzahlen bei Leitern reduzieren

| Autor / Redakteur: Jörn Jacobs / Frauke Finus

So selbstverständlich die Leiter ist, so häufig sind Unfälle mit ihr – diese Gefahr gilt es zu reduzieren.
So selbstverständlich die Leiter ist, so häufig sind Unfälle mit ihr – diese Gefahr gilt es zu reduzieren. (Bild: Rise-Tec)

Leitern sind für viele Berufsgruppen alltägliche und unverzichtbare Arbeitsmittel. Das subjektive Risiko für dieses Arbeitsmittel wird als gering eingeschätzt, weil seine Verwendung keine besonderen Kenntnisse oder Fertigkeiten erfordert. Doch die Unfallzahlen sind hoch.

So selbstverständlich die Leiter ist, so häufig sind Unfälle mit ihr – das objektive Risiko ist im Gegensatz zur Eigensicht also sehr hoch. Gemäß der Statistik zum Arbeitsunfallgeschehen, herausgegeben von der DGUV, lagen die meldepflichtigen Absturzunfälle im Jahr 2016 bei 25.684, davon fast die Hälfte (12.274) im Umgang mit Leitern und Tritten. Häufig sind die Stürze aus Höhen größer 3 m mit entsprechender Verletzungs-, ja sogar mit Todesfolge. Bei etwa 95 % sind dabei die Stürze durch defekte Leitern oder falschen Umgang mit Leitern ausgelöst worden, wie falsches Aufstellen, falsche Belastung durch weites seitliches Hinauslehnen, nicht-standfester Untergrund und Arbeiten mit hohem Krafteinsatz auf einer ungesicherten Leiter.

Um die immens hohen Unfallzahlen zu reduzieren, wurde die Norm DIN EN 131 Teil 1 und 2 durch das Europäische Komitee für Normung unter Mitwirkung verschiedener Berufsgenossenschaften, Sozialversicherungsträger und Hersteller überarbeitet und vom 01.01.2018 an in Kraft gesetzt. Neben der generellen Unterscheidung in Leitern für professionelle und nicht-professionelle Verwendung, dreht sich der zentrale Ansatz um die „Standverbreiterung“ für alle Anlege-, Kombi- oder Schiebeleitern über 3 m Länge. Die Verbreiterung kann durch die Gesamtform der Leiter oder durch eine Traverse realisiert werden, mit dem Ziel Unfälle durch seitliches Herauslehnen zu verhindern.

Stabilität der Leiter nicht mehr gewährleistet

Darüber hinaus sollen Schulungen des professionellen Anwenders Falschverwendungen vermeiden und die jährliche Leiterprüfung durch Sachkundige beschädigte Arbeitsmittel aus dem Verkehr ziehen, ähnlich dem TÜV beim Auto. Diese Ansätze sind sicherlich geeignet, die Unfallzahlen in einem ersten Schritt zu reduzieren – aber: Da speziell die Prüfung durch Sachkundige in vielen Betrieben wenig Beachtung findet, bleiben beschädigte Leitern eine wesentliche Unfallursache.

Das Leichtmetall Aluminium ist als Material für die Leiterherstellung weltweit etabliert, damit das vielseitige Arbeitsmittel für den Verwender eben „leicht tragbar“ ist. Trotz der Vorteile zeigt Aluminium den gravierenden Nachteil, dass nach einer Beschädigung des Holms oder der Sprosse die Stabilität der Leiter nicht mehr gewährleistet ist. Eine Beule von über 1 cm Tiefe bedeutet, dass diese Leiter nicht mehr genutzt werden darf und verschrottet werden müsste, weil die Aluminiumstruktur an dieser Stelle stark geschädigt ist und ohne Vorwarnung brechen kann.

Die Leiter im täglichen Einsatz

Wie oft fällt Material herunter und schlägt auf der Leiter auf? Wie oft „donnert“ eine Leiter gegen eine Kante an Gebäude, Gerüst oder am Transportfahrzeug? In den wenigsten Fällen wird doch danach geschaut, ob der Treffer harmlos war oder eventuell Wirkung zeigt. Also wird einfach weitergenutzt mit dem Risiko eines plötzlichen Bruches und Sturzes von der Leiter. An dieser Symptomatik ändert die „Standverbreiterung“ letztlich nichts. Es stellt sich die Frage, ob der Verwender das einfach so hinnehmen muss?

Heiko und Stefan Hassler, die Gründer von Rise-Tec-Leitern aus Bad Camberg, einem Start-Up in der Leiterherstellung, waren absolut nicht dieser Meinung. Ihrer Ansicht nach kann verbesserte Metallurgie, neue Formgebung und eine Fokussierung auf technische Fein-heiten bereits grundlegend die Bruch-Problematik verringern und würde somit helfen, die Unfallzahlen (weiter) zu reduzieren. Durch eine Abkehr vom bisherigen Standardholm einer Leiter zu anderen Formen wie dem in Deutschland einzigartigen Doppel-Delta-Profil oder dem ebenfalls speziell entwickelten Doppel-T-Profil ist es dem Unternehmen gelungen, die Widerstandsfähigkeit gegen Dellen und Beulen bei Leitern erheblich zu erhöhen.

Sprossen innen und außen mit größerem Durchmesser rundum verbördelt

Durch diesen „Punch-Resist-Effect“, in Verbindung mit einer speziellen Aluminium-Legierung, werden Schäden durch Werkzeuge oder Stöße in der Regel ohne wesentliche Schwächung der Aluminium-Struktur überstanden, so dass der Benutzer sicher weiterarbeiten kann. Entsprechende Versuche zeigen deutlich, wie viel besser Rise-Tec Leitern den definierten Krafteintrag aufnehmen. Das ist auch im Materialschnitt der Schadstelle sehr gut zu erkennen. Dadurch, dass Form und Metall die Energie eines Schlages besser auffangen, ableiten und umwandeln, wird die Tiefe der Beule verringert, die Stabilität und die „Standfestigkeit“ erhalten und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Darüber hinaus legt Rise-Tec Leitern Wert auf bessere Verbördelung der Sprossen, ein Punkt, der eigentlich nur wenig Beachtung findet.

Betrachten wir eine Leiter im täglichen Profieinsatz: Das Ersteigen der Leiter mit den alternierenden Steigschritten und Handgriffen gibt dynamische und ständig wechselnde Lasten auf die Leiter, die sie über die Sprossen in die Holme und zum Boden ableitet. Einfache Verbördelung auf der Außenseite des Holmes mit relativ geringem Durchmesser, teilweise sogar unter Auslassung der Ecken, muss zwangsläufig dazu führen, dass sich die formschlüssige Verbindung an dieser Stelle abnutzt, also umgangssprachlich „ausleiert“. So entsteht eine weitere Gefahrenstelle, die zu Stürzen durch Bruch der Leiter führen kann. Basierend auf dieser Erkenntnis sind bei Rise-Tec-Leitern die Sprossen innen und außen mit größerem Durchmesser 360° rundum verbördelt, um mehr Aluminium zur Kraftaufnahme beziehungsweise zum Kraftübertrag einzusetzen. Eine lange Lebensdauer im täglichen Einsatz ist hier das Ziel. Selbstverständlich nach DIN EN 131 gefertigt, entsprechen diese Leitern der „Professional-Klasse“, in Stabilität und Langlebigkeit werden die Normvorgaben jedoch weit überschritten. Die herausragende Stabilität und Widerstandsfähigkeit ermöglichen den Leiter-Einsatz auch unter besonderen Beanspruchungen. Überdies weist die Formgebung der Holme bei den Leitern der sogenannten „Purple-Label-Serie“ eine besondere Griffigkeit auf.

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