Fahrerlose Transportsysteme Valtra automatisiert Traktorenproduktion mit Rocla-Technik

Redakteur: Bernd Maienschein

Der finnische Traktorenhersteller Valtra hat die Beschickung seiner Fertigungslinie mit einem fahrerlosen Transportsystem (FTS) von Rocla automatisiert. Das FTS „unterstützt optimal“ die Anforderungen der Taktproduktion und Variantenvielfalt, wie Rocla angibt.

Firma zum Thema

Rocla-FTF bei Valtra auf dem Weg zur Beschickung der Traktor-Montagelinie. Bild: Rocla
Rocla-FTF bei Valtra auf dem Weg zur Beschickung der Traktor-Montagelinie. Bild: Rocla
( Archiv: Vogel Business Media )

Der Lieferumfang des fahrerlosen Transportsystems umfasst Roclas mehrfach ausgezeichnetes fahrerloses Transportfahrzeug (FTF), ein Lagerverwaltungssystem sowie ein auf die Fertigung abgestimmtes Lagerkonzept. Das FTS ist für die Beschickung der Achskomponenten zuständig. Diese werden taktgenau an die Montageplätze geliefert.

FTF transportiert auch schwere Komponenten

Die vollständig automatisierte Durchführung der Transporte gibt dem Mitarbeiter mehr Kapazität, um sich komplexeren Aufgaben zu widmen. Neben der Beschickung wird das FTF auch zum Transport schwerer Komponenten am Anfang der Fertigungslinie eingesetzt. Für die Zukunft ist es möglich, das System an Änderungen in der Produktion anzupassen oder zu erweitern.

Das Valtra-Werk im finnischen Suolahti produziert jährlich 11.000 kundenspezifische Traktoren, die zum großen Teil exportiert werden. Eine reibungslose Intralogistik ist maßgeblich, um den Materialfluss aufrecht zu halten und somit die Produktion zu gewährleisten. „Die Flexibilität war ausschlaggebend, warum wir uns für ein FTS und nicht für fest installierte Fördersysteme entschieden haben“, so Valtra-Entwicklungsingenieur Sami Savolainen.

Just-in-time-Anlieferung an den Montageplatz

Die Produktion, die Flexibilität und die Optimierung der Lagerkomponenten waren wichtige Aspekte für Valtra bei der Wahl einer effizienten Lösung für seine Fertigung. Ursprünglich wurden alle Komponenten an den Montageplätzen gelagert, unabhängig vom Produktionsplan.

Dies verursachte eine hohe Anzahl von nicht benötigten Komponenten an den Montageplätzen, an welchen die Vormontage und die Endmontage durchgeführt werden. Dies verlangsamte die Arbeit, da benötigte Einbauteile gesucht wurden und die Arbeitsplätze mit unnötigen Teilen überladen waren.

Die Lösung war, die Lagerung der Komponenten sowie die Vormontage von den Arbeitsplätze zu entfernen. Heute sind lediglich die Komponenten für den nächsten Traktor an den Montageplätzen vorrätig. Diese werden durch das FTS just in time an die Montageplätze geliefert. Durch die produktspezifische Beschickung hat der Mitarbeit die Möglichkeit, sich auf die eigentliche Montage zu konzentrieren. Dies hat zu einer Vereinfachung des Arbeitsablaufs beigetragen und die Effizienz der betroffenen Stationen wurde deutlich erhöht. Die Produktivität der gesamten Montagelinie wurde hierdurch wesentlich verbessert.

Während der Produktion operiert das FTS autark

Das im Lieferumfang des FTS enthaltende Warehouse-Management-System (WMS) von Rocla steuert die Transportaufträge für die Fahrzeuge. Während der Produktion operiert das FTS völlig autark. Es erhält die Transportaufträge vom WMS, welches alle Materialbewegungen kontrolliert und verwaltet. Die Transportaufträge werden abhängig vom Produktionsplan generiert. Das WMS ist dem bestehenden Produktionsleitsystem untergeordnet; die Reihenfolge der Transportaufträge sind vom Produktionsablauf abhängig. Im Bedarfsfall können jederzeit priorisierte Transportaufträge in das System eingepflegt werden.

„Mich hat die Einfachheit der Anlage überzeugt. Das System operiert ohne Detektoren oder I/O Schnittstellen. Hinzu kommt, dass keine größeren Installationen oder Änderungen in der Infrastruktur unserer Produktion notwendig waren. Die für unsere Produktion notwendigen Transporte werden von dem FTS völlig autark durchgeführt“, so Savolainen.

Sicherheitsprotokolle verbessern die Arbeitssicherheit

Die FTF operieren innerhalb der Produktion. Arbeiter und andere Flurförderzeuge bewegen sich in der gleichen Umgebung. Personen werden durch Signallichter an schwer einsehbaren Stellen über ankommende FTF in Kenntnis gesetzt.

Die Sicherheitsprotokolle des FTS haben zur Verbesserung der Arbeitssicherheit im gesamten operativen Bereich der FTF beigetragen. Die Sicherheitssensoren (Laserscanner) der Fahrzeuge erfassen die Fahrwege und generieren einen Nothalt, wenn ein unbekanntes Objekt vor dem Fahrzeug auftaucht. „Ein entscheidender Faktor für unseren Beschluss, ein System von Rocla zu kaufen, war das Know-how. Rocla kann auf Jahrzehnte lange Erfahrung bei der Installation von FTS zurückgreifen“, erklärt der Entwicklungsingenieur.

Pick to AGV als Kommissionierstrategie im Einsatz

Eine Erweiterung des bestehenden Systems wurde kurz nach der Inbetriebnahme entschieden und ebenfalls durch Rocla implementiert. Hierbei handelt es sich um eine semiautomatische Kommissionierungslösung (Pick to AGV). Ein Mitarbeiter läuft mit dem Fahrzeug durch die Kommissionierzonen.

Die Bedarfsliste wird dem Kommissionierer über einen Bildschirm (Visual Assistent) am Fahrzeug angezeigt. Das Fahrzeug fährt autark an die Regalpositionen, der Mitarbeiter lädt das Fahrzeug und quittiert den Vorgang über einen Tastschalter am Fahrzeug. Sobald alle Komponenten geladen sind, fährt das FTF selbstständig an die Montagestation. Die Komponenten werden auf ein kundespezifisches Gestell geladen.

Diese Anwendung hat die Produktivität der Montagestationen bei Valtra wesentlich erhöht und den Kommissioniervorgang sowie das Lager optimiert. An den Montagestationen gibt es etwa 80 verschiedene kundenspezifische Ausführungen. Die Automatisierung der Beschickung dieser Stationen spart dem Mitarbeiter wichtige Zeit und verringert die Möglichkeit von Montagefehlern.

(ID:384702)