Umformtechnik Verborgene Umformeigenschaften moderner Edelstahllegierungen

Redakteur: Dietmar Kuhn

Edelstahl ist immer noch ein besonderer Werkstoff, der sich heute auch umformtechnisch hervorragend bearbeiten lässt. Wie das geht, dazu befragten wir Prof. Ralf Kolleck von der TU Graz, Leiter des Instituts Tools & Forming, welche Kriterien für einen Edelstahlbearbeiter interessant sind.

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Prof. Dr.-Ing. Ralf Kolleck, Leiter des Instituts Tools & Forming der TU Graz: „Für uns ist es interessant, dass trotz jahrelanger Verwendung von nicht rostendem Edelstahl noch immer viele Fragen nicht abschließend beantwortet sind.“
Prof. Dr.-Ing. Ralf Kolleck, Leiter des Instituts Tools & Forming der TU Graz: „Für uns ist es interessant, dass trotz jahrelanger Verwendung von nicht rostendem Edelstahl noch immer viele Fragen nicht abschließend beantwortet sind.“
(Bild: Kuhn)

Herr Prof. Ihr Institut beschäftigt sich sehr stark mit dem Thema Edelstahl. Was ist für Sie das Besondere an diesem Werkstoff?

Kolleck: Für uns ist interessant, dass trotz jahrzehntelanger Verwendung von nicht rostendem Edelstahl noch immer viele Fragen, wie zum Beispiel die Prozesssicherheit während der Umformung, die simulative Abbildbarkeit des Tiefziehprozesses, nicht abschließend beantwortet sind. Dies sind einige der Themen, mit denen wir uns gemeinsam mit unseren Partnern schon länger intensiv beschäftigen und auch noch in Zukunft beschäftigen werden.

Es gibt eine Vielzahl von Edelstahllegierungen. Welche sind für den Umformer am interessantesten?

Kolleck: Für zukünftige Anwendungen muss man sich vor allem vermehrt um die Werkstoffgruppe der ferritischen Edelstähle kümmern. Schlagworte, wie zum Beispiel Werkstoffsubstitution, der Unterschied zwischen stabilen und instabilen Austenitgüten und die Themen Streckziehen sowie Tiefziehen, spielen dabei eine übergeordnete Rolle für neuere Entwicklungen.

Welche Güten sind für die Umformung besonders interessant?

Kolleck: Vor allem die Gruppe der metastabilen Austenite, wie zum Beispiel die Gruppe des 1.4301, haben hervorragende Umformeigenschaften aufgrund hoher Bruchdehnungen. Außerdem lässt sich das Umformverhalten durch geeignete Prozessführung gezielt steuern, wie bereits in einem gemeinsamen Projekt mit Thyssen-Krupp Nirosta gezeigt wurde. Hierzu wurde ein beheiztes Spülenwerkzeug entwickelt, um aktiv die Bildung von Umwandlungsmartensit während der Umformung zu vermeiden.

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