Exklusiv-Interview

„Vernetzte Prozesse finden immer mehr Anwendung“

| Autor: Stéphane Itasse

Nicola Hamann ist Geschäftsführerin des Euroblech-Organisators Mack Brooks Exhibitions Ltd.
Nicola Hamann ist Geschäftsführerin des Euroblech-Organisators Mack Brooks Exhibitions Ltd. (Bild: Mack Brooks Exhibitions)

Wenn die Euroblech vom 23. bis 26. Oktober 2018 in Hannover wieder ihre Tore öffnet, ist für die Blechbranche das Dabeisein Pflicht. Was die Besucher erwarten können, erläutert Nicola Hamann, Geschäftsführerin des Messeorganisators Mack Brooks Exhibitions, im Exklusivinterview.

Ihren jüngsten Informationen zufolge rechnen die Euroblech-Veranstalter mit einer Nettoausstellungsfläche von 89.000 m². Damit wird der Rekord aus dem Jahr 2016 mit 87.000 m² wieder gebrochen. Beteiligen werden sich auf der Ausstellerseite rund 1400 Unternehmen aus 38 Ländern. Mit dem diesjährigen Messemotto „Am Puls der Digitalisierung“ will die Euroblech zeigen, dass Industrie 4.0 und die damit verbundene Smart Factory inzwischen auch in der Blechbranche vollständig angekommen sind.

Welches sind derzeit die wichtigsten Branchentrends, die Besucher auf der Euroblech 2018 vorfinden werden?

Die fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung sind natürlich übergreifende Trends, die auch die Blechbearbeitungsindustrie in Bewegung halten. Hier wird man in diesem Herbst auf der Euroblech sehen können, wie vernetzte Prozesse in immer mehr Bereichen Anwendung finden, von einzelnen Bearbeitungsstufen bis hin zu ganzen Prozessketten. Themen wie die Elektromobilität prägen darüber hinaus Innovationen im Bereich der Werkstoffe und deren Bearbeitung.

Das Thema Digitalisierung begleitet uns schon einige Zeit – welche neuen Impulse kann die Euroblech hier setzen?

Industrie 4.0 war ja lange Zeit eine Art Zukunftsthema. Nachdem einzelne Vorreiterunternehmen über die vergangenen Jahre vermehrt gezeigt haben, wie die Digitalisierung von weiten Teilen der Produktion mehr und mehr Realität wird, investieren nun auch kleinere und mittlere Branchenunternehmen in digitale Systeme. Die Vorteile der erhöhten Flexibilität, genaueren Fertigungskontrolle, vorausschauenden Wartung und in der Folge erhöhten Effizienz und langfristigen Kosteneinsparung sind inzwischen in weiten Teilen der Branche angekommen. Die Euroblech bietet als international größte Branchenleitmesse das umfassendste Technologieangebot im Zeitalter der industriellen Digitalisierung für die Blechbearbeitung.

Was wollen Sie mit dem diesjährigen Euroblech-Wettbewerb unter dem Motto „Am Puls der Digitalisierung“ erreichen?

Bei unserem Wettbewerb ist die gesamte Branche aufgefordert, zu aktuellen Themen mit innovativen Lösungen und Ideen beizutragen. Erstaunlich ist bei den Beiträgen, die wir hierzu erhalten, dass viele Neuerungen nicht unbedingt immer nur von den Big Playern kommen, sondern auch viele Start-up-Unternehmen dabei sind, die herausragende Innovationen anbieten. Der Nachwuchs soll natürlich mit dem Onlinewettbewerb, der in erster Linie über die sozialen Medien verbreitet wird, angesprochen werden. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, Innovation und Leistung zu fördern. Wir sind gespannt, wen wir dieses Jahr auf der Euroblech prämieren dürfen.

Wie verändert sich die Euroblech als Messeveranstaltung selbst durch die Digitalisierung?

Bei den Exponaten an den Messeständen fällt natürlich auf, dass sich diese stark dahingehend verändert haben, dass die Maschinen, bedingt durch die fortschreitende Automation, heute einfach anders aussehen. Die Bedienung erfolgt über Bildschirme, alles geht schneller, leiser und reibungsloser.

Darüber hinaus prägt die Digitalisierung natürlich auch das Messewesen, angefangen von der Vermarktung, wo Onlineaktivitäten eine zentrale Rolle spielen, über das Besucherverhalten, wo digitale Funktionen die Ticketregistrierung erleichtern oder eine Messe-App den Besuch begleitet.

Was kann die Messe den Besuchern dadurch zusätzlich bieten?

Auf jeden Fall eine Zeitersparnis. Durch unsere digitalen Services auf der Messewebseite kann im Vorfeld der Messebesuch leichter geplant werden; viele Tools dienen zur schnelleren Orientierung auf der Messe und ermöglichen eine einfache Kontaktaufnahme zwischen Ausstellern und Messebesuchern.

Interessant ist jedoch, dass bei all den Möglichkeiten, die die digitale Welt bietet, der persönliche Austausch auf der Messe sowie das Live-Erlebnis der technologischen Innovationen, die auf einer Messe gezeigt werden, nach wie vor einen Stellenwert haben, der einfach nicht virtuell erfolgen kann. Die vertrauenschaffende Begegnung zwischen Geschäftspartnern, der Austausch unter Experten und das Staunen über die Technik machen auch im Jahre 2018 die Messe zu einem wichtigen und unvergesslichen Erlebnis im Kreise von Gleichgesinnten.

Ein junges Messethema in Hannover ist die Additive Fertigung – wie entwickelt sich dieser Bereich auf der Euroblech?

Die Additive Fertigung ist inzwischen Teil des Ausstellungsprofils der Euroblech, zu finden innerhalb der Kategorie Füge- und Befestigungstechnologie. Wie in jedem anderen fertigungstechnischen Industriesektor muss man hier die Entwicklung beobachten, da, bei allem Hype um dieses zukunftsweisende Verfahren, die Additive Fertigung ja doch noch etwas in den Kinderschuhen steckt, auch wenn es in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gegeben hat. Einige Aussteller auf der Euroblech zeigen, wie diese neue Technologie im Bereich der Blechbearbeitung jetzt schon effektiv eingesetzt werden kann.

Sie organisieren neben der Euroblech noch die Messen Asiablech und Blech India – wie wirkt sich das auf die Internationalität der Euroblech aus?

Unsere Blechbearbeitungsmessen in China und Indien sind auf diese jeweiligen Märkte ausgerichtet. Das Messepublikum besteht auf diesen eher regionalen Veranstaltungen zu großen Teilen aus einheimischen Besuchern, auch wenn natürlich auf Ausstellerseite auch viele europäische Firmen oder deren asiatische Zweigstellen einen Stand haben. Auf die Internationalität der Euroblech haben diese Veranstaltungen allenfalls insofern einen Einfluss, dass indische oder chinesische Firmen, die auf den asiatischen Messen ausstellen, aber ihre Geschäfte auch international ausbauen möchten, dort auf die globale Leitmesse aufmerksam werden und in der Folge auch an der Euroblech teilnehmen.

Wie wirken sich die aktuellen internationalen Handelskonflikte auf die Euroblech aus?

Für internationale Messen sind jegliche Handelshemmnisse und -konflikte natürlich wenig erfreulich, da die Grundidee solcher Veranstaltungen ja ist, Branchenfachleute aus aller Welt zusammenzubringen, um Waren und Dienstleistungen zu kaufen und zu verkaufen. Ich glaube aber, dass durch die Globalisierung und das Internet der internationale Austausch von Waren und Dienstleistungen derart selbstverständlich geworden ist, dass das Messegeschehen auf internationalen Industriefachmessen von solch neuen Tendenzen in einigen Regionen nicht beeinträchtigt wird. Es sind sicherlich momentan einige Marktverschiebungen im Gange; die gab es aber schon immer.

Welche Effekte erwarten Sie dadurch auf der Besucherseite?

Vielleicht sogar eine weitere Internationalisierung? Wo ein Markt wegzubrechen droht, tun sich meist andere auf, man braucht ja Alternativen. Bestehende gute Geschäftsbeziehungen werden wohl noch intensiver gepflegt werden, neue Partnerschaften werden entstehen, Lieferverträge werden neu verhandelt; eigentlich also ein Zeitpunkt, wo der Besuch der weltweiten Leitmesse Euroblech – neben den vielen technologischen Neuerungen, die es dort zu erkunden gibt – auch für Kontaktpflege und neue internationale Geschäftsanbahnungen so wichtig ist wie lange nicht.

Frau Hamann, vielen Dank für das Interview!

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