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Blechbearbeitung Wann sich Automatisierung lohnt

Autor: Stéphane Itasse

Wo stehen die deutschen Blechbearbeiter bei der Automation ihrer Fertigung? Der MM befragte dazu Fachleute aus der deutschen Industrie: nach Kriterien, Werkstoffen, Chancen und Grenzen der Automation. Was sie der Industrie empfehlen, fasst der MM zusammen.

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Ist Automatisierung die Wunderwaffe gegen Fachkräftemangel und zur Effizienzsteigerung? Das gilt nur, wenn die Voraussetzungen stimmen.
Ist Automatisierung die Wunderwaffe gegen Fachkräftemangel und zur Effizienzsteigerung? Das gilt nur, wenn die Voraussetzungen stimmen.
(Bild: Tom Lesaffer)

Warum sollten Blechbearbeiter überhaupt in Automatisierung investieren? Bei einem Grund waren sich die meisten Experten einig: dem Fachkräftemangel. „Manche machen aus der Not eine Tugend und setzen auf Automatisierung. Damit steuern sie nicht nur dem Fachkräftemangel entgegen, sondern bleiben auch wettbewerbsfähig“, sagt Axel Willuhn, Produktmanager Stanz- und Lasertechnik bei Amada. Ein Mitarbeiter betreut dann zwei bis drei Maschinen auf einmal. Manfred Kussmaul, Leiter Automatisierung bei Trumpf, benennt noch weitere Punkte: „Neben Kostendruck und Fachkräftemangel bemerken auch immer mehr Unternehmen, dass sie ihre Intralogistik optimieren müssen, und setzen deshalb auf Automation“, berichtet er.

Ein weiterer Grund ist die steigende Produktivität der Grundmaschinen: Die Mitarbeiter kommen mit dem erhöhten Ausstoß nicht hinterher und die Unternehmen investieren, um die Mitarbeiter zu entlasten. „Nicht zuletzt zwingt eine Smart Factory zu einem geordneten Materialfluss“, sagt Kussmaul. Die Software zeigt auf einem einfachen Notebook, welches Teil in welchem Fertigungsschritt ist; verlorene Teile oder verlegtes Material gehören der Vergangenheit an.

Reproduzierbarkeit und Qualität mit Automatisierung

Thomas Dörig, Head of Solution Center bei Bystronic, sieht seine Kunden vor der Herausforderung, einerseits Blechteile schnell, flexibel und preislich wettbewerbsfähig anzubieten und andererseits die Aufträge reproduzierbar und mit konstanter Qualität zu bearbeiten. „Für beide Themen ist eine optimale Prozessautomatisierung bis hin zur mannarmen oder mannlosen Produktion ein wichtiger Treiber“, erläutert er. Eine hohe und konstante Qualität ist für ihn heute im Markt entscheidend. „Die mannarme oder mannlose Produktion kann hier mit ihrem hohen Automatisierungsgrad den entscheidenden Unterschied ausmachen“, sagt er.

Effizienz und optimierte Prozesse benennt Matthew Fowles, Group Marketing Manager bei LVD, als die wichtigsten Gründe. „Der Antrieb, der hinter allem steckt, ist, den Prozess von der Bestellung bis zur Bezahlung zu beschleunigen“, sagt er. Automatisierung sei immer ein Gewinn für die Effizienz und beschleunige den Durchsatz.

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Die Maschinenauslastung zu erhöhen, sieht Michael Roser, Verkaufsleiter bei Boschert, als weiteren Faktor. „Die Leute hoffen, sie können eine Nachtschicht mannlos arbeiten lassen“, sagt er. Damit könnten sie mehr Output aus der Maschine holen, bei gleicher Arbeitskraft.

„Das funktioniert aber nur bei einfach auszusortierenden Teilen“, stellt Roser klar. Ein Teil, das sich in einer mannlosen Schicht verklemmt, kann alles zunichte machen. „Auch zu kleine oder zu große Teile werden schwierig, man braucht viele Erfahrungswerte, um es genau beurteilen zu können“, berichtet er. Bei einfachen Teilen wiederum haben die Blechbearbeiter im Wettbewerb nur eine Chance, wenn sie die Maschinen nachts mannlos laufen lassen können. „Wir empfehlen meist unseren Kunden, insbesondere im Handwerk, dass sie den Nighttrain mit einfachen Teilen und Mannunterstützung laufen lassen“, erläutert Roser.

Teile spielen eine ganz entscheidende Rolle

„Ob sich eine starke Automatisierung lohnt, hängt auch von den Teilen ab“, schließt sich Willuhn an, nicht unbedingt von der Unternehmensgröße. „Wir haben auch Unternehmen, die mit fünf bis zehn Mitarbeitern einen hohen Automationsgrad betreiben“, berichtet er. Damit würden sie die Personalkosten niedrig halten und eine hohe Maschinenbedienung gewährleisten – womit sich die Lohnkostenanteile auf mehrere Maschinen verteilen lassen. „So ein betriebswirtschaftlicher Kniff kann bei engen Kalkulationen wichtig sein“, sagt Willuhn.

„Viele kleine Unternehmen tun sich leichter mit Investitionen in die Automatisierung als große, vor allem Lohnfertiger“, beobachtet Kussmaul. Und er erläutert weiter: „Das liegt daran, dass in kleineren Unternehmen oft der Inhaber nach Bauchgefühl entscheidet. In großen Unternehmen müssen Businesspläne erstellt werden und dafür sind manche Dinge schwer zu berechnen.“

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