Energiemanagement Wie Blechbearbeiter einen Beitrag zum Klimaschutz leisten

Autor / Redakteur: Annedore Munde / Dietmar Kuhn

Auch die Blechbearbeitungsbranche kommt künftig an einem professionellen Energiemanagement nicht vorbei. Wenn sich die Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen jedoch so auszahlen, dass das Unternehmen letztendlich gegenüber seinen Kunden auf energiekostenbedingte Preiserhöhungen verzichten kann, profitieren beide Seiten davon. Ein Blechbearbeiter praktiziert dies.

(Bild: Trumpf)

Die CBV Blechbearbeitung GmbH gehört zu den klassischen Blechbearbeitern. Schon wenn man das Firmengebäude betritt, blickt man auf eine große Präsentationswand mit einer Auswahl an Musterteilen. Angefangen von der CAD-Konstruktion und -Programmierung über die Fertigung von Blechteilen, Klein- und Großserien, Spezialteilen, Baugruppen und Schweißkonstruktionen bis hin zur Komplettfertigung inklusive Fräsarbeiten und Oberflächenbehandlung wird eine breite Palette an Auftragsarbeiten abgedeckt. Neben der klassischen Blechbearbeitung bilden computergesteuerte Bearbeitungen wie Laserschneiden, Stanzen, Nibbeln, Umformen und Kanten einen Schwerpunkt der Fertigung. Die Hauptabnehmer des Unternehmens kommen vor allem aus der Mikroelektronik, der Medizintechnik, dem Sondermaschinenbau, der Analysetechnik sowie aus der Kfz-Zulieferindustrie.

CBV baut auf gute Mannschaft und gute Organisation

In Laasdorf bei Jena ist man gut ausgelastet, zählt etwa 1000 Kunden und bedient im Schnitt etwa 330 Auftraggeber parallel. Immerhin 3 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftete die CBV im vergangenen Jahr. Die Kunden kommen überwiegend aus Deutschland mit dem Schwerpunkt Thüringen sowie aus den Niederlanden. „Kein Kunde sollte mehr als 25 % des Gesamtumsatzes ausmachen“, sagt Werner Neumann. Der geschäftsführende Gesellschafter der CBV Blechbearbeitung GmbH hat das Unternehmen als einer von vier Gesellschaftern im Jahr 1992 gegründet. Seitdem ist es stetig gewachsen, von anfangs vier auf derzeit 35 Mitarbeiter.

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Letztendlich auch durch klare Vorgaben, Regeln und natürlich Motivation und Visionen. „Wenn wir so viele Aufträge gleichzeitig bearbeiten, ist eine sehr gute Mannschaft und eine ebenso gute Organisation notwendig“, weiß Neumann zu berichten. Auf seine Leute kann er sich verlassen: ein Team aus hochqualifizierten Facharbeitern mit teils langjähriger Erfahrung in der Blechbearbeitung. Über Facharbeitermangel kann sich Neumann nicht beklagen.

Dass es bei CBV für jeden Mitarbeiter ein kostenloses Mittagessen gibt, für die Geburt eines Kindes ein Begrüßungsgeld gezahlt wird und für die Mitarbeiter eine Zusatzrentenversicherung, erzählt er nur am Rande. Doch genau das schweißt auch zusammen. Wichtig ist: Das Geschäft läuft und die Unternehmensnachfolge ist auch bereits geregelt. Sohn Ronny, der so wie Werner Neumann selbst das Handwerk der Blechbearbeitung von der Pike auf gelernt hat und im Unternehmen mitarbeitet, ist seit vergangenem Jahr Teilhaber des Unternehmens.

Energieeffizienz für Stanzen, Schweiß- und Laseranlagen war immer ein Thema

Neumann ist einer, der frühzeitig nach vorn denkt. Auch in puncto Energie. „Unsere Stanzen, Schweiß- und Laseranlagen sind energieintensiv. Also war Energieeffizienz für uns seit jeher ein Thema.“ Die Planung der Unternehmenserweiterung nahm er deshalb zum Anlass, um mit einem Energieberater das Thema systematisch anzugehen. „Dieser Schritt hat sich nicht nur für uns gelohnt, sondern auch für unsere Kunden, denn wir konnten auf energiekostenbedingte Preiserhöhungen verzichten“, so der CBV-Chef.

„Die Energiekosten in unserem Unternehmen stellen eine erhebliche betriebswirtschaftliche Belastung dar. Rund 400.000 kWh an Strom benötigen wir jährlich“, sagt Neumann. Dies verursache monatlich Kosten in Höhe von rund 8500 Euro. Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit hat das Unternehmen daher verschiedene Maßnahmen ergriffen, um den Stromverbrauch und die Kosten zu reduzieren.

1 Mio. Euro in energieeffiziente Technik investiert

So wurde im November vergangenen Jahres mit dem Austausch aller im Unternehmen verwendeten Leuchtstoffröhren gegen Energie einsparende LED-Leuchten begonnen. „Die Anschaffungskosten in Höhe von rund 20.000 Euro amortisierten sich bereits in den ersten Monaten. Allein durch diese Maßnahmen konnten unsere Stromspitzen von 164 kW auf 126 kW gesenkt werden.“

Dazu kam die Investition von rund 1 Mio. Euro in neue Technik. So wurde unter anderem eine neue Laserschneidanlage angeschafft, durch die der Energieverbrauch weiter reduziert werden konnte. „Die neue Anlage verbraucht heute nur halb so viel Strom wie die alte Maschine und benötigt für die maßgerechte Fertigung von Blechteilen nur noch ein Drittel der Zeit“, bringt Werner Neumann die Einsparungen durch die neue Trulaser 5030 fiber auf den Punkt.

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Um den Verbrauchsspitzen langfristig die Höhe zu nehmen, achtet der Firmenchef bei Neuanschaffungen immer auch auf den Energieverbrauch der Anlagen: „Für mich ist das eine langfristige Investition in die Zukunft der Firma, auch wenn es kurzfristig teurer scheint.“

Dünnschicht-Photovoltaikanlage senkt Stromkosten um zwei Drittel

Im Rahmen eines Gebäudeumbaus errichtete CBV außerdem auf dem Dach der Werksstätte eine Dünnschicht-Photovoltaikanlage. Die Kosten beliefen sich auf rund 285.000 Euro. Nach sechs Jahren haben sich die Investitionskosten laut Neumann bei den derzeitigen Elektrizitätspreisen amortisiert. Der Vorteil der Dünnschichtanlage liegt vor allem darin, dass bereits bei gedämpftem Licht Strom erzeugt wird. Mit einer Gesamtleistung von bis zu 150 kW dient die Anlage vor allem dem Eigenverbrauch. „Rund 70 % des selbst erzeugten Stroms können wir bislang nutzen“, sagt Neumann. „Infolgedessen sind unsere monatlichen Stromkosten um gut zwei Drittel gesunken.“

Insgesamt hat Neumann inzwischen rund 1,3 Mio. Euro in verschiedene Energieeffizienzmaßnahmen investiert. Neben zusätzlichen Kosten für Strom und Wärme spart er nun jährlich auch mehr als 1000 t Kohlendioxid ein. Neue Projekte sind geplant. So die weitere Senkung des Gasverbrauchs durch Wärmerückgewinnung.

Preisgekröntes Unternehmen feiert seine Meilensteine

Im Oktober 2012 feierte die CBV Blechbearbeitung ihr 20-jähriges Bestehen. Natürlich gab es aus diesem Anlass eine tolle Party. Was aber mindestens genauso viel zählt, sind all die kleinen und großen Meilensteine, die das Unternehmen seit seiner Gründung gesetzt hat.

Das Erreichen des Finales beim Wettbewerb um den „Thüringer Staatspreis für Qualität“ in den Jahren 2004 und 2005 beispielsweise. Zum Nachweis der Qualitätsfähigkeit als zugelassener Lieferant arbeitet das Unternehmen nach dem Standard DIN EN ISO 9001:2000.

2005 wurde die CBV dann mit dem „Großen Preis des Mittelstandes“ geehrt. Diese Auszeichnung wird von der bundesweit organisierten Oskar-Patzelt-Stiftung vergeben. Deutschlandweit waren mehr als 2500 Unternehmen für diesen Preis nominiert worden. Ebenfalls 2005 wurde Werner Neumann als Unternehmer des Jahres im Thüringer Saale-Holzland-Kreis ausgezeichnet. Nicht zu vergessen ist der Arbeitsschutzpreis 2011. All diese Meilensteine in der Firmengeschichte sind mindestens genauso preisverdächtig, wie es die Einsparungen im Energiebereich sind.

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