Durchstarten 2021 „Wir erwarten eine merkliche Erholung“

Autor: M.A. Frauke Finus

Krisenerprobt und schon immer auf die eigenen Stärken gesetzt. Walter Maurer, Geschäftsführer der Waterjet AG, blickt optimistisch auf 2021. Er rechnet schon in diesem Jahr mit einer nachhaltigen Umsatzerholung. Für das Mikro-Wasserstrahlschneiden ist eine weitere Maschine bestellt und es sind neue Mitarbeiter eingestellt.

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Walter Maurer ist Geschäftsführer der Waterjet AG in Aarwangen (Schweiz).
Walter Maurer ist Geschäftsführer der Waterjet AG in Aarwangen (Schweiz).
(Bild: Waterjet)

Wie sehen Ihre aktuelle Situation und das allgemeine Stimmungsbild in Ihrem Unternehmen aus?

Wir sind ein Industriedienstleister im Bereich Wasserstrahlschneiden mit rund 50 Mitarbeitern in zwei Schweizer Betriebsstätten. Entscheidender Vorteil des Wasserstrahlschneidens ist, dass es völlig „kalt“ arbeitet und so das Material schont. Zudem kann es für eine sehr große Bandbreite unterschiedlichster Werkstoffe verwendet werden. Unser Kundestamm umfasst mehr als 1.000 aktive Kunden aus zahlreichen unterschiedlichen Branchen. Die von uns selbst entwickelte Mikro-Wasserstrahlschneidtechnologie wächst stärker als das übrige Geschäft und wird mehr und mehr zu einem wesentlichen Standbein. Mit unserer eigenen Forschungsabteilung entwickeln wir ständig neue Lösungen für besondere Kundenwünsche und neue Anwendungsfelder. Diese Innovationsfähigkeit hat uns auch in der Corona-Krise sehr geholfen. Wir haben zwar Federn gelassen, konnten aber Kurzarbeit und Entlassungen vermeiden und rechnen für das Jahr 2021 schon wieder mit leichtem Wachstum.

Welche Probleme/Herausforderungen traten in Ihrem Unternehmen während der Covid-19-Krise auf?

Wir haben sofort mit Beginn der ersten Corona-Welle ein eigenes Hygiene-Konzept entwickelt und konsequent umgesetzt. Dabei waren wir sogar schneller als das zuständige Bundesamt für Gesundheit (BAG). Geholfen hat uns dabei, dass mein Bruder und Teilhaber Arzt in einer Klinik ist. In der kritischen Zeit hatten wir dringende Aufträge von Medizintechnikfirmen, die Beatmungsgeräte herstellen. Deshalb wollten wir sicherstellen, dass die entsprechenden Mitarbeiter nicht krankheitsbedingt ausfielen. Das haben wir so gelöst, dass immer nur ein Teil der entsprechenden Mitarbeiter in der Firma war, während wir die Reserveleute sogar dafür bezahlten, dass sie auf Abruf zu Hause blieben. Mitarbeiter mit Erkältungssymptomen wurden sofort nach Hause geschickt. Auch sonst haben wir besondere Maßnahmen ergriffen. So wurden unsere Raumpflegerinnen angehalten, nach Dienstschluss Türgriffe, Handläufe sowie alles, was typischerweise von mehreren Personen mit den Händen berührt wird, jeden Abend gründlich zu desinfizieren. Manche dieser Maßnahmen konnten wir später zurückfahren. Im Endergebnis gab es im Unternehmen keinen einzigen Fall einer betriebsintern übertragenen Corona-Erkrankung. Der einzige Mitarbeiter, den es erwischte, hatte sich bei einem privaten Ereignis infiziert und meldete sich noch aus dem Urlaub heraus krank.

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„Zur Person“
Walter Maurer
  • 1992 Gründung der Waterjet AG gemeinsam mit Renè Affentranger
  • Produktionsleiter bei einem Schweizer Glashersteller, dort lernte er das Wasserstrahlschneiden kennen
  • Leiter Instandhaltung eines großen Unternehmens in Südafrika
  • Gelernter Elektromechaniker

Wie wirken sich diese Probleme auf Ihre eigene Arbeit aus?

Auswirkungen ergaben sich vor allem bezüglich des Rückgangs bei Kundenaufträgen. Wir stellen ja keine eigenen Produkte her, sondern sind zu 100 % Dienstleister für andere Gewerbebetriebe. In der schlimmsten Zeit so um den Juni herum mussten wir teils erhebliche Umsatzrückgänge in Kauf nehmen. Auf das Jahr gerechnet lag das Minus im unteren zweistelligen Prozentbereich. Zum Glück hat uns die große Vielfalt an Kundenbranchen vor den ganz brutalen Abstürzen bewahrt, die manche Sektoren erleben mussten. Die stärksten Einbrüche hatten wir im Bereich der allgemeinen Medizintechnik, wohl weil viele Behandlungen zugunsten freier Kapazitäten für Corona-Patienten aufgeschoben wurden, sowie in der Uhrenindustrie. Im Bereich Beatmungssysteme hatten wir dagegen einen regelrechten Boom.

Im betrieblichen Tagesablauf war der Umsatzrückgang interessanterweise kaum spürbar, da der Termindruck bei den verbleibenden Aufträgen stark zunahm. Ursache war vermutlich der verstärkte Wettbewerbsdruck bei unseren Kunden: Wer überhaupt noch einen Auftrag ergattern konnte, musste dafür wohl auch terminlich bis an die Grenze des Möglichen gehen. Das wurde dann an uns weitergereicht.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren oder werden sich Prozesse und Abläufe künftig dauerhaft ändern? Wenn ja, mit welchen Änderungen rechnen Sie?

Wir selbst haben die Krise bisher ja noch einigermaßen glimpflich überstanden. Am Markt rechne ich jedoch mit deutlichen Bremsspuren. Im neuen Jahr dürften etliche Firmen aufgeben oder nur stark geschwächt weitermachen können. Das hatte auch Auswirkungen auf die Außenstände. Dort erwarte ich einen weiteren Anstieg ohne Aussicht auf Besserung.

Veränderungen wird es auch bezüglich mancher Arbeitsabläufe geben. Homeoffice ist allerdings bei Waterjet kaum machbar. Dazu ist der Bedarf an schneller, direkter Abstimmung der verschiedenen Abteilungen untereinander zu groß. Unsere Vertriebler und Arbeitsvorbereiter sitzen in einem gemeinsamen Büro. So bekommt jeder automatisch alles mit, was an den Nachbarschreibtischen so läuft. Damit können die Mitarbeiter sehr schnell reagieren, wenn es mal zu Personalausfällen kommt. Ebenso wichtig ist die direkte Nähe zur Produktion, um bei Änderungen oder Ausfällen sofort die erforderlichen Abstimmungen durchzuführen. Mit Homeoffice wäre das in dieser Form nicht möglich. Der einzige Bereich, in dem Homeoffice eingeführt werden konnte, war der Materialeinkauf im Bereich Abrasivmaterial.

Deutliche Veränderungen erwarte ich dagegen bei Meetings mit externen Kunden oder Partnern. Hier werden wir künftig verstärkt auf virtuelle Abläufe setzen, nicht zuletzt auch aus Kostengründen.

Welche Lerneffekte haben Sie aus der Krisensituation mitgenommen und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Wir sind krisenerprobt und haben auch früher dann vor allem auf unsere eigenen Stärken gesetzt. Das sind bei uns Eigeninitiative, Innovationsfähigkeit und finanzielle Solidität. Wir haben nicht gewartet, bis uns der Staat Anweisungen gab, sondern sofort ein eigenes Hygienekonzept umgesetzt, dessen Effizienz sich in der Praxis erwiesen hat, denn im Betrieb hat es – wie bereits erwähnt – trotz der zeitweise hohen Inzidenzraten im Lande keinen einzigen Ansteckungsfall gegeben. Auch bei geringem Auftragseingang haben wir uns nicht geduckt und eingeigelt, sondern freie Kapazitäten im Rahmen einer internen Innovationsoffensive für Entwicklungsprojekte genutzt. Deshalb verfügen wir jetzt über Verbesserungen, mit denen wir künftig am Markt punkten wollen. Und last but not least haben wir auch in der Krise darauf geachtet, dass wir nur Aufträge annehmen, die ausreichende Deckungsbeiträge erbringen. Deshalb verfügen wir weiterhin über eine gesunde Kapitalbasis. Das gibt den Mitarbeitern Zuversicht mit Blick auf die Überlebensfähigkeit der Firma und die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze. Dies wirkt sich positiv auf Arbeitsproduktivität und Ausschussgeschehen aus.

Für die Zukunft bin ich optimistisch und rechne schon 2021 mit einer nachhaltigen Umsatzerholung. Alles spricht dafür, dass wir den Umsatzeinbruch von 2020 nicht nur ausgleichen, sondern im Vergleich zu 2019 sogar eine Steigerung erzielen können. Dies gilt besonders für das Mikro-Wasserstrahlschneiden. Hierfür haben wir bereits eine weitere Maschine geordert und neue Mitarbeiter eingestellt.

Gibt es positive Aspekte, die Sie für Ihren Arbeitsalltag aus der Covid-19-Krise mitnehmen?

Für mich hat sich auch in dieser Krise wieder gezeigt, dass meine Mitarbeiter der wichtigste Aktivposten des Unternehmens sind.

Welchen Herausforderungen abseits von der Covid-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?

Kopfzerbrechen bereitet mir insbesondere das sich immer weiter verschlechternde politische und gesellschaftliche Umfeld. Die Regulierungswut des Staates hat sich in der Corona-Krise eher noch gesteigert und setzt sich auch im Bereich CO2/Klima ungebrochen fort. Dies verursacht hohe Kosten und einen immer größeren internen Arbeitsaufwand, der Arbeitszeit bindet und zulasten der Effizienz geht. Weiterer Problempunkt ist das immer weiter abnehmende gesellschaftliche Ansehen handwerklich-wertschöpfender Tätigkeiten. Dadurch fällt es mir immer schwerer, geeignete Nachwuchskräfte für Ausbildung und Produktion zu finden.

Welche persönlichen Worte möchten Sie Ihrer Branche und den Mitarbeitern in Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?

Als Schweizer Mittelständler habe ich bei meinen Mitarbeitern und mir selbst immer auf Leistung, Solidität und Eigeninitiative gesetzt und bin damit gut gefahren. Bei Problemen sollten man selbst aktiv werden und auf die eigene Kraft vertrauen, statt auf andere zu warten. Es ist besser, Hammer zu sein als Amboss. Das zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Firmengeschichte.

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Gemeinsam aus der Krise

In dieser Interviewreihe geben unsere Leser*innen Einblicke in die Herausforderungen und Chancen der Corona-Pandemie. Sie verraten, was sie aus dem Krisenjahr 2020 gelernt haben. Sämtliche Interviews finden Sie unter www.blechnet.com/durchstarten

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Über den Autor

M.A. Frauke Finus

M.A. Frauke Finus

Leitende Redakteurin, Redaktion @blechnet.com