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Xxxxxxxxxxx Wir haben einen führenden Pressenhersteller gekauft

Redakteur: Dietmar Kuhn

Die Schuler AG gilt als Wegbereiter für die Umformtechnik. Seit 2013 gehört der Maschinenbauer nun zum österreichischen Andritz-Konzern. Dr. Wolfgang Leitner, Vorstandsvorsitzender der Andritz AG, erläutert die Gründe, schildert die derzeitige Situation und gibt einen Ausblick auf die künftige Entwicklung.

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Dr. Wolfgang Leitner, Vorstandsvorsitzender der Andritz AG: „Wir haben mit Schuler keinen Wettbewerber gekauft, sondern einen global führenden Pressenhersteller, mit dem wir den Markt für Metallumformung weiter für uns erschließen können.“
Dr. Wolfgang Leitner, Vorstandsvorsitzender der Andritz AG: „Wir haben mit Schuler keinen Wettbewerber gekauft, sondern einen global führenden Pressenhersteller, mit dem wir den Markt für Metallumformung weiter für uns erschließen können.“
(Bild: Andritz)

Herr Dr. Leitner, was bedeutet für Sie das Stichwort Umformtechnik?

Dr. Wolfgang Leitner: Produkte, die mithilfe der Umformtechnik hergestellt werden, begegnen uns überall im Alltag – seien es Autoteile, Elektromotoren, Batterien, Getränke- oder Haarspraydosen oder auch Münzen, Armaturen oder Möbelbeschläge. Mit Schuler gehört nun der Technologie- und Weltmarktführer in der Umformtechnik zu Andritz.

Nun stehen Sie ja einem Konzern vor, der sich im großen Stil mit der Herstellung von Maschinen und Anlagen für die Stahlproduktion und -weiterverarbeitung befasst. Wie passt da die Umformtechnik in Ihr Portfolio?

Leitner: Als einer von vier Geschäftsbereichen der Gruppe plant, entwickelt und errichtet Andritz Metals komplette Linien für die Herstellung und Weiterverarbeitung von Kaltband aus Kohlenstoffstahl, Edelstahl und Nichteisen-Metallen. Als Ausgangsmaterial dient warmgewalztes Band, das von unseren Anlagen in der Regel zunächst gebeizt, dann gewalzt, geglüht und zum Abschluss beschichtet wird. Mit Schuler setzen wir diese Prozesskette fort: Platinenschneidanlagen trennen aus dem Band die Blechzuschnitte, die den Pressenlinien zugeführt werden. Die Pressenlinien formen dann daraus Stufe für Stufe die Bauteile, die am Ende der Linie mithilfe von Automationskomponenten abgestapelt werden. Andritz bietet nun also die gesamte Prozesskette vom warmgewalzten Band bis zum fertigen Bauteil. Wir können aber auch in anderen Bereichen mit Schuler kooperieren: Der älteste Stahlproduzent der Türkei, Karabük Iron & Steel Industry and Trade, hat zum Beispiel vergangenes Jahr bei Schuler eine Fertigungslinie zur Herstellung von Eisenbahnrädern im Wert von mehr als 90 Mio. Euro bestellt. Der türkische Staat baut derzeit Hochgeschwindigkeitsstrecken massiv aus und will das gesamte Schienennetz bis 2023 auf 25.000 km verdoppeln. Bestandteile der Fertigungslinie sind unter anderem eine neu entwickelte Radwalze von Schuler und Wärmetechnik zur Behandlung der Eisenbahnräder von Andritz Maerz. Damit handelt es sich um das erste Gemeinschaftsprojekt von Schuler und Andritz seit der Übernahme.

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Im Frühjahr 2013 haben Sie die Hand ausgestreckt um den Weltmarktführer für Umformtechnik, die Schuler AG, mehrheitlich zu übernehmen. Was hat Sie dazu bewogen?

Leitner: Wir haben mit Schuler keinen Wettbewerber gekauft, sondern einen global führenden Pressenhersteller, mit dem wir den Markt für Metallumformung weiter für uns erschließen möchten. Schuler und Andritz passen als namhafte Maschinen- und Anlagenbauer mit einer sehr langen Historie gut zusammen. Das Produktportfolio überschneidet sich kaum, ergänzt sich aber sehr gut.

Welchen Stellenwert räumen Sie der Schuler AG in der Andritz-Gruppe ein?

Leitner: Die Geschäftsentwicklung von Schuler war bislang sehr gut, unsere Erwartungen wurden teilweise sogar übertroffen. Schuler ist gut profitabel und liefert einen sehr wichtigen Beitrag zum Gesamtergebnis der Andritz-Gruppe. Schuler ist nicht nur sehr stark in Deutschland, sondern mit bereits 30 % des Umsatzes auch in China – und ist damit auch auf den wichtigsten weltweiten Wachstumsmärkten präsent. Schuler hat vor drei bis vier Jahren schon damit begonnen, sich stärker zu globalisieren und seine Struktur zu verändern. Das ist der richtige Weg, den wir unterstützen.

Wird die Schuler AG auch in Zukunft autark operieren können?

Leitner: Schuler bleibt ein eigenständiges Unternehmen. Der Bau eines neuen Engineering- und Bürogebäudes für 40 Mio. Euro, in dem 750 Mitarbeiter Platz haben, ist ein klares Bekenntnis zum Standort Göppingen.

Innerhalb der Andritz AG gibt es ja mindestens einen weiteren Pressenhersteller. Kommen sich beide Unternehmen da nicht in die Quere?

Leitner: Andritz Kaiser gehört seit 2004 zur Gruppe und liefert Pressen in einem bestimmten Presskraftbereich. Die Bandbreite der Pressen, die Schuler anbietet, ist jedoch deutlich größer. Wir haben also insgesamt nur ein sehr geringes Maß an Überschneidung.

Nutzen Sie innerhalb der Andritz-Gruppe auch Synergieeffekte? Wenn ja, woraus ergeben sich diese vor allem?

Leitner: Wo es sinnvoll ist, nutzen wir innerhalb der Gruppe selbstverständlich Synergieeffekte. Weil sich das Produktportfolio von Andritz und Schuler kaum überschneidet, wenn man es in seiner Gesamtheit betrachtet, gibt es hier allerdings nur in einem begrenzten Umfang Synergieeffekte. Potenziale sehen wir vor allem in den Bereichen Beschaffung und IT über alle Bereiche der Andritz-Gruppe hinweg.

Wie soll sich die Schuler AG nach Ihren Wünschen künftig entwickeln?

Leitner: Die Integration des damaligen Hauptkonkurrenten Müller Weingarten, den Schuler ja im Jahr 2007 übernommen hat, ist durch die globale Wirtschaftskrise 2009 gestoppt worden, weshalb praktisch kein Synergiepotenzial genutzt werden konnte. Andritz setzt nun gemeinsam mit Schuler das Wachstums- und Strategieprojekt fort, das Schuler 2011 aus diesem Anlass gestartet hatte und das sowohl operative als auch organische Maßnahmen umfasst. So wurde im vergangenen Jahr der Vorstand von fünf auf vier Mitglieder reduziert, die zweite Führungsebene in Deutschland verkleinert oder die komplexe Gesellschaftsstruktur vereinfacht. Ein Teil der zahlreichen deutschen Gesellschaften wurde zusammengeführt und eine entsprechend klare Struktur ist geschaffen worden. Im operativen Bereich liegt der Fokus auf vier Punkten: der Konzentration auf Kernkompetenzen in der Fertigung, dem Ausbau des Servicegeschäfts, der Ausweitung unserer Präsenz auf den Wachstumsmärkten, wie beispielsweise China oder USA, sowie der Entwicklung von Produkten für diese Länder. Die Produkte, nach denen die Wachstumsmärkte verlangen, müssen vor Ort gefertigt werden. Andritz steht damit voll hinter der Strategie von Schuler. Ich gehe davon aus, dass die Maßnahmen zur Umstrukturierung bis zum Jahresende 2014 abgeschlossen sind. Damit schaffen wir die Basis dafür, dass Schuler auch in Zukunft auf die Markterfordernisse im Hinblick auf Wettbewerbsposition, Wachstum und Ertrag gut vorbereitet ist.

* Das Interview führte MM-Redakteur Dietmar Kuhn

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