Porträt

Zum Zerstäuben, Ausspritzen und Verteilen

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Von Insektenbombe bis Bierdose – der Siegeszug in Haushalte

Aber nicht nur in Norwegen wird experimentiert. Zur Geschichte der Spraydose gehören außerdem ein Chemiker und ein Insektenforscher aus den USA. Der Chemiker Lyle D. Goodhue ist bereits seit 1935 auf der Suche nach einem geeigneten Treib- und Lösungsmittel zur Insektenbekämpfung. Halogenverbindungen mit einem niedrigen Siedepunkt stehen dabei im Fokus seiner Forschungen. Zusammen mit dem Insektenforscher William N. Sullivan testet Goodhue abenteuerliche Verfahren der Chemikalienvernebelung. Die Tests der verschiedenen Treibmittel führen immer wieder in Sackgassen, bis Goodhue sich an die Arbeiten von Rotheim erinnert: Er mischt ein Treibmittel mit dem Insektenbekämpfungsmittel und füllt es nach dem Prinzip des Norwegers in eine ventilbestückte Druckgasflasche.

Der Versuch ist erfolgreich, die legendäre „bug bomb“ („Insektenbombe“) ist geboren und findet bereits vor 74 Jahren ihren Nutzwert. Sie rettet ab 1942 vielen US-amerikanischen Soldaten im Pazifik-Krieg das Leben als diese nicht nur gegen die Japaner sondern auch gegen die Malaria-übertragende Anopheles-Mücke kämpfen. Nach Kriegsende findet das Druckgas-Wunder in den USA zunehmend Anwendung für Produkte des täglichen Bedarfs.

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Tatsächlich sind modifizierte Bierdosen mit Plastikventilen der Anfang der haushaltsgerechten Massenprodukte. Sie sind handlicher als Flaschen, die Behälter leichter und die Ventile können günstig produziert werden. In Deutschland erobert die Spraydose spätestens Mitte der fünfziger Jahre mit der Zeit des Wirtschaftswunders die privaten Haushalte – vor allem das „flüssige Haarnetz“, das Haarspray, gilt ab 1955 als ein Meilenstein in der Geschichte der Spraydose. War Rotheims ursprüngliche Erfindung noch eine Spritze, konnte die Flüssigkeit ab den 50er Jahren zerstäubt und somit genau dosiert werden. Diese Technik verdanken wir wiederum einem Amerikaner.

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