Porträt

Zum Zerstäuben, Ausspritzen und Verteilen

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Das 1-Zoll-Ventil bringt die Dosierung

Robert Abplanalp erfindet 1953 ein Ventil, das später 1-Zoll-Ventil genannt wird. Mit ihm kann man Flüssigkeiten mit einem zugesetzten Treibmittel in gewünschten kleinen Mengen und ganz fein aus der Dose versprühen. Dieses Ventil kann einfach und günstig in großen Stückzahlen produziert werden. Darüber hinaus besteht die Sprühdose ab den 1950er Jahren aus Aluminium oder Weißblech, das macht sie wesentlich leichter.

Gleichzeitig kommen plötzlich viele verschiedene Wirkstoffe aus der Dose. Und mit Verwendung des Ventils von Abplanalp steigen nicht nur die Umsätze, sondern auch die Ideen für Applikationen werden schnell recht ausgefallen. So schreibt der Spiegel in seiner Ausgabe 41/1964: „Die Absatzzahlen der bundesdeutschen Aerosol-Branche veranschaulichen einen beispiellosen Boom: Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich der Absatz von Sprühdosen in Westdeutschland nahezu verhundertfacht (1953: 1,5 Millionen Packungen; 1963: 120 Millionen Packungen). Haarspray, Kosmetika, Farben und Lacke sowie Insektizide sind nach wie vor die meistverkauften Spray-Artikel. Doch auch kuriose Präparate werden zunehmend verbreitet, so beispielsweise Trocken-Spray für Wellensittiche.“

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Kurioses aus der Sprühfabrik

Darüber hinaus ist sogar von Treibgaswarnsirenen für Segelboote nach amerikanischem und schwedischem Vorbild die Rede. Die Frankfurter Hoechst-Werke seien bestrebt, eine Aerosol-Heulflasche als Sicherung gegen Autodiebe auf den Markt zu bringen. Davon verspricht sich die Konzernführung vor 52 Jahren auch, eine weitere Zielgruppe beglücken zu können: Die Schlachtenbummler in den deutschen Kicker-Arenen würden für das neue Lärminstrument dankbar sein.

Das Ozonloch – die dunkle Seite der Sprühdose

Erstmals Mitte der 1970er Jahre wird bekannt und 1986 als sicher nachgewiesen, dass die bis dahin verwendeten Kühl- und Treibmittel FCKW die Ozonschicht in der Erdatmosphäre schädigen. Die Entdeckung des Ozonlochs 1985 sorgt für ein völlig neues Umweltbewusstsein. 1987 verpflichten sich viele Staaten zur drastischen Reduktion der Herstellung von FCKW. Am 29. Juni 1990 beschließt die internationale Konferenz zum Schutz der Ozonschicht in London, die Herstellung und Anwendung von CFK und FCKW ab dem Jahr 2000 zu verbieten oder zumindest stark einzuschränken.

Lange vor dem offiziellen FCKW-Verbot in Deutschland von 1991 hat die Aerosolindustrie bereits 1987 freiwillig auf diese Inhaltsstoffe verzichtet und setzt seitdem andere Treibmittel ein. Heute werden hauptsächlich Propan und Butan oder ein Gemisch aus beiden als Treibmittel verwendet, aber auch Dimethylether (DME).

Die Spraydose ist 90 Jahre nach ihrer Geburtsstunde nach wie vor unser alltäglicher Begleiter und absolute Massenware. Alleine in Deutschland wurden im Jahr 2015 1,330 Mrd. Dosen aus Aluminium und Weißblech abgefüllt.

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