Drahtziehen Tausend Jahre Drahtziehen in Deutschland

Autor / Redakteur: Stefan Szkudlapski / Annedore Munde

Obwohl Draht seit dem 11. Jahrhundert auf die gleiche Art und Weise hergestellt wird und die Industrie in den letzten Jahren hohen Schwankungen ausgesetzt war, ist die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Drahthersteller und -verarbeiter auch für die nahe Zukunft gewährleistet.

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Die drahtherstellende und -verarbeitende Industrie ist mit einem Bruttoproduktionswert von 8,4 Mrd. Euro zwar nicht der größte deutsche Industriezweig, aber ohne Draht würden viele andere Produkte nicht laufen und fahren.

Die Ursprünge der deutschen Drahtherstellung liegen in Südwestfalen, insbesondere um Altena, sowie um Nürnberg. Seit dem 11. Jahrhundert wurde vom geschmiedeten Draht auf gezogenen Draht umgestellt. Ab dem 14. Jahrhundert nutzte man die Wasserkraft der zahlreichen Bäche in Südwestfalen, um die Ziehmaschinen anzutreiben. Das war auch die Voraussetzung dafür, dass diese Region zum Zentrum der deutschen und europäischen Drahtproduktion wurde und es auch noch blieb, als die vorhandenen Erzvorkommen in Südwestfalen erschöpft waren.

Die deutschen Drahtziehereien stellen Draht in allen Abmessungen und Qualitäten für die verschiedensten Einsatzbereiche her. Heute werden alle Werkstoffe zu Draht verarbeitet: Eisen, Kupfer, Aluminium, Silber und Gold. Dazu kommen in kleineren Mengen Magnesium und Titan.

Ob für die Elektro- und Elektronikindustrie, beispielsweise als Teil von Steckverbindern, in Kabeln und als Lötdraht, als Drahtfedern im Automobilbau oder als Rohmaterial für Drahtzäune, in der Medizintechnik oder in der Raumfahrt – Draht ist überall anzutreffen. Ohne Draht würde manche High-Tech-Innovation nicht funktionieren.

Draht-Branche konzentriert sich auf Südwestfalen

Von den etwa 65 deutschen Herstellern beziehungsweise in Deutschland produzierenden Unternehmensgruppen sind zirka 50 in Südwestfalen und hier über 45 im Märkischen Kreis ansässig. Und auch die Mehrheit der über 350 drahtverarbeitenden Unternehmen ist im Märkischen Sauerland ansässig.

Ein Charakteristikum ist die mittelständische Struktur der Branche. Etwa 30% der Unternehmen haben weniger als 20 Mitarbeiter und nur jedes vierte Unternehmen führt mehr als 100 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste. Und obwohl auch bei den Drahtziehereien eine gewisse Konzentration zu beobachten ist, hat die Anzahl der Betriebe in den letzten Jahren eher zugenommen, ein Zeichen für die Dynamik in der Branche.

Nach den konjunkturellen Turbulenzen der 90er Jahre, in welchen die Umsätze der Unternehmen in Jahresfolgen gravierend schwankten, ist seit der Jahrtausendwende ein kontinuierliches Wachstum eingekehrt.

Stabile Wirtschaftslage bei Draht-Herstellern und -Verarbeitern

So haben laut Bundesamt für Statistik die etwa 50 befragten Drahtziehereien 2002 noch mit 4630 Mitarbeitern 871 Mio. Euro Umsatz erzielt, 2006 erwirtschafteten 4200 Beschäftigte 1,29 Mrd. Euro. Der Export hat sich in diesem Zeitraum von 249 Mio. Euro auf 402 Mio. Euro erhöht und damit auch die Exportquote auf über 30%. Auch die Hersteller von Drahtwaren – die Weiterverarbeiter – konnten in diesem Zeitraum ihre Exportquote von 31% auf über 37% erhöhen, ein Zeichen für die hohe Leistungsfähigkeit der Branche und ihrer Unternehmen.

Ein weiteres Merkmal der Branche ist die hohe Konzentration der Zuliefererindustrie in der südwestfälischen Region. So sind die weltweit führenden Drahtziehmaschinenbauer direkt in der Region ansässig. Und auch die einzigen Ausbildungsstellen für Drahtzieher in Deutschland befinden sich in Hemer und Lüdenscheid.

Für die Zukunft scheinen die Unternehmen gut aufgestellt zu sein. Innovative Rohmaterialien, Hochleistungsziehmaschinen von den heimischen Maschinenbauern und Maschinen und Anlagen für die Oberflächenbearbeitung garantieren auch zukünftig der deutschen Drahtindustrie eine hohe Wettbewerbsfähigkeit.

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