Laut der Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Arbeitgeberverbände plant inzwischen jedes fünfte Unternehmen, seine Produktion ganz oder teilweise ins Ausland zu verlegen, so die dpa.
Die Arbeitgeberverbände haben wieder Frühjarsumfrage durchgeführt. Demnach sieht es in Norddeutschland bei Metall- und Elektrounternehmen nicht gerade erfreulich aus. Rund 20 Prozent liebäugeln schon damit, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern ...
(Bild: winnievinzence - stock.adobe.com)
Im Februar und März haben an der Umfrage 141 Betriebe mit rund 95.000 Beschäftigten teilgenommen. Die Befragen kommen aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, aus dem nordwestlichen Niedersachsen und aus Bremen. Das Ergebnis sind alarmierende Daten aus der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie! Dass rund 20 Prozent der Befragten an eine Verlagerung der Produktion ins Ausland denken, ist einer der höchsten je in dieser Konjunkturumfragen gemessenen Werte, wie die Verbände betonen. Es offenbare sich auf ganz dramatische Weise, dass hierzulande viel zu hohe Arbeits- und Energiekosten plagen, sowie die weiter wuchernden Bürokratielasten, die Unternehmen aus dem Land treibe. So vernichtet man Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Norddeutschland, macht der Präsident des Arbeitgeberpräsidenten Nordmetall, Folkmar Ukena, der dpa klar.
Die sechs Plagen der deutschen Unternehmen
Produktionsverlagerungen ins Ausland erwägen laut Umfrage vor allem Unternehmen im Straßenfahrzeugbau, im Luft- und Raumfahrzeugbau sowie Gießereien. Die Ursache für den Blick ins Ausland seien immer schwierigere Arbeitsbedingungen. So beklagten 80 Prozent zu hohe Arbeitskosten, 72 Prozent zu hohe Energiekosten und 70 Prozent einen zu großen Bürokratieaufwand. Rund 60 Prozent aller norddeutschen Metall- und Elektrobetriebe wiederum bewerteten den Arbeitskräftemangel als erschwerenden Wirtschaftsfaktor, etwas mehr als die Hälfte neue Gesetze und die internationale Politik. Wenn mit 71 Prozent fast 75 Prozent der Entscheider angeben, dass sich die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland in den letzten sechs Monaten weiter verschlechtert hat, ist das ein Alarmsignal erster Güte, so Ukena. Entsprechend wollten nur noch 22 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen im Vergleich zum Vorjahr erhöhen, dafür aber 31 Prozent einschränken oder 47 Prozent auf gleichem Niveau. Verbessert habe sich aus Sicht der Unternehmen immerhin die Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Hatten vor eineinhalb Jahren noch 84 Prozent darüber geklagt, seien es nun noch 63 Prozent. Bei der Verfügbarkeit von Auszubildenden sei der Wert von 74 auf 63 Prozent gefallen.
Die Gewerkschaften haben den „Schlag“ nicht gehört ...
Die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie braucht also dringend günstigere Energiepreise und eine Entlastungsoffensive in Sachen Bürokratie, fordert Ukena. In dieser Hinsicht passiere nach wie vor viel zu wenig, was man sowohl Brüssel, Berlin oder den norddeutschen Landeshauptstädten vorwerfen könne. Überflüssige Schriftformerfordernisse müssten weg und dafür die Digitalisierung der Ämter bei der Fachkräfteeinwanderung oder die Reduzierung des Meldeumfangs bei Unternehmensneugründungen endlich durchgesetzt werden. „Nur so werden wir weiter eine starke Metall- und Elektroindustrie im Norden bleiben können“, glaubt Ukena. Gleichzeitig ermahnte er die IG Metall, dass, wer zum Tag der Arbeit in dieser dramatischen Krisenlage ernsthaft mit dem Slogan „Mehr Lohn, mehr Freizeit, mehr Sicherheit“ auf die Straße geht, offenkundig grundlegende Zusammenhänge nicht verstanden hat. Arbeitsplätze und Wohlstand könnten nur durch mehr Arbeit, niedrige Arbeitskosten und mehr Sicherheit erhalten werden. Alles andere ist ein direktes De-Industrialisierungsprogramm zum Schaden Norddeutschlands.
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