Handgeführte Werkzeuge Behälter und Rohre mit Trumpf-Nibblern perfekt zerlegt

Autor / Redakteur: Ralph Schiffler / Annedore Munde

Wohl wahr – der Rückbau eines Kernkraftwerks gehört nicht eben zu den alltäglichen Aufgaben eines Blechbearbeiters. Aber was sich als Werkzeug bei dieser sensiblen Arbeit bewährt, mag ja für die normalen Anwender nicht gar so falsch sein. Und eben deshalb haben wir uns entschieden, Ihnen den Artikel über den Rückbau des Kernkraftwerks Würgassen nicht vorzuenthalten, wo die Trumpf-Nibbler N 700 und N 1000 mühelos Behälter oder Rohre aus Blech zerlegen.

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Seit zehn Jahren schon läuft der Rückbau des Kernkraftwerks Würgassen. Die Ent-scheidung dazu fiel vom Betreiber – der heute zum EON-Konzern gehörenden Preussen Elektra – bereits im Jahr 1995 aus wirtschaftlichen Gründen. Der Rück-bau selbst wird ebenso unter streng wirtschaftlichen Gesichtspunkten durchgeführt. Das primäre Ziel formuliert Peter Korth, Teilbereichsleiter im Kernkraftwerk Würgassen: „Die im Kraftwerk verwendeten Materialien werden in größtmöglichem Umfang dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt. Da ein Großteil radiologisch nur gering belastet ist, gehen Experten davon aus, dass nach der Dekontamination nur zirka 2 bis 3% als radioaktiver Abfall entsorgt werden müssen.“

Der Ablauf ist immer ähnlich. Nach einer ersten Charakterisierung wird das Material demontiert, dann zerlegt oder zerkleinert und in der Regel dekontaminiert. Anschließend prüfen es Experten nach Vorgaben der Strahlenschutzverordnung. Wenn eine Freigabe erfolgt, kann es zur weiteren Verwendung als normaler Beton- oder Metallschrott abgegeben werden.

Für die Dekontamination von Metallen gibt es zwei Wege. Da meist nur die äußerste Oberfläche von der Kontamination betroffen ist, wird diese in der Regel abgestrahlt. Damit ist das Material in kürzester Zeit wieder unbelastet. Dieses Verfahren bevorzugen die Experten in Würgassen, da es schnell und preisgünstig ist.

„Wenn jedoch die Oberfläche im Verhält-nis zum Gewicht zu groß wird, ist es wirtschaftlicher, das Metall einzuschmelzen. Dabei wandert die Kontamination in die Schlacke. Das Metall kann dann verwendet werden“, erläutert Peter Korth.

Schnell und wirtschaftlich zerkleinern

Schnell und wirtschaftlich müssen der Abbau und das Zerkleinern erfolgen. Insbesondere bei Arbeiten an der Anlage werden mechanische Trennverfahren wie Nibbeln oder Sägen bevorzugt, da diese gegenüber dem thermischen Trennen einen großen Vorteil haben: Es entstehen in der Regel deutlich weniger Aerosole, was signifikante Einsparungen bei den speziellen Absaug- und Filtervorrichtungen möglich macht. In Nachzerlegplätzen sind solche Vorrichtungen vorhanden und wirtschaftlich betreibbar. Bei der Demontage an der Anlage sind diese aufwendig anzubauen.

Daher werden kaltgängige Verfahren, bei denen nur geringe Mengen von Aerosolen entstehen, bevorzugt. Je nach Art und Stärke des Materials kommen Sägen (Band-, Seil- oder Stichsägen) sowie Scheren und Nibbler von Trumpf zum Einsatz. Letztere eignen sich besonders gut für Behälter und Rohre mit einer Materialstärke von bis zu 10 mm bei ferritischem oder 6 mm bei austenitischem Material. „Wir haben zwei verschiedene Nibbler regelmäßig im Einsatz – den N 700 und den N 1000. Sie beißen sich regelrecht von selbst in das Material, sind gut handhabbar und ermöglichen sehr schnelles Arbeiten. Das führt letzten Endes zu einer hohen Arbeitsproduktivität.“

Als „kaltgehendes Verfahren“ nutzte das Kernkraftwerk Würgassen die Vorteile der Trumpf-Nibbler bereits in verschiedenen Projekten. Eines hebt Teilbereichsleiter Peter Korth besonders hervor: „Beim Zerlegen der sogenannten Kondensations-rohre waren wir über die Nibbler sehr froh. Denn die spezielle Beschichtung dieser Rohre, die in der Kondensationskammer des Druckabbausystems eingesetzt waren, durfte keiner thermischen Belastung ausgesetzt werden. Mit den Nibblern konnten wir dies verhindern und so die insgesamt 72 Rohre schnell, sicher und zuverlässig zerkleinern.“ Insgesamt wurden 3600 laufende m Trennschnitte realisiert.

Thermische Belastung vermeiden

Für diesen speziellen Auftrag wurden die Profis der Pforzheimer Firma Sina beauftragt, die mit erfahrenem Personal und hochwertiger technischer Ausstattung für besondere Angelegenheiten prädestiniert sind. Jens Bresemann, Projektleiter für nukleare Demontagen bei Sina, erläutert: „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter steht bei solchen Arbeiten absolut im Vordergrund. Wenn – wie in diesem Fall – wegen der Spezialbeschichtung der Rohre keine thermische Belastung erfolgen darf, setzen wir immer die Nibbler von Trumpf ein. Es gibt keine sinnvolle Alternative dazu. Davon abgesehen, lässt sich mit diesen Werkzeugen enorm produktiv arbeiten. Auch aus diesem Grund hätten wir den Auftrag mit den N 1000 erledigt.“

Erste Aufgabe in Würgassen: Innerhalb der ehemaligen Kondensationskammer des Kernkraftwerks zerlegten die Demontageprofis im Schutzanzug die 72 rund 10 m langen Rohre mit 600 mm Durchmesser, die senkrecht im Raum hingen und nach unten offen waren. Somit wurde von unten nach oben gearbeitet. Jeweils ein Meter lang sollten die einzelnen Rohrstücke sein. Dazu sägten die Abbruchprofis in entsprechender Höhe ein Startlochdreieck aus, führten dort den N 1000 ein und trennten das rund 250 kg schwere Teilstück ab.

Ein darunter aufgebauter Ablagetisch verhinderte das Herabfallen und diente gleichzeitig zum direkten Weitertransport der meterlangen Rohre zu einer Zerlegestation. Während ein Mitarbeiter das nächste Rohrstück in gleicher Höhe abnibbelte, übernahm ein Kollege in der Zerlegestation den nächsten Arbeitsschritt. Um den Ferritstahl bestmöglich für die Dekontamination via Abstrahltechnik vorzubereiten, wurden die kurzen Rohre mit drei Längsschnitten jeweils in drei Einzelstücke zerteilt – wieder mit dem N 1000.

Für Sina-Projektleiter Jens Bresemann sind diese Werkzeuge nichts Neues: „Wir arbeiten schon seit Jahren mit den Nibblern aus Ditzingen und haben damit gute Erfahrungen gemacht. Die Zuverlässigkeit und innovative Qualität passt genau zu dem, was auch unsere Firma verkörpert.“

Das leisten die Nibbler von Trumpf

Der Nibbler N 1000-0 kann Stahl mit einer Stärke von bis zu 10 mm trennen. Er verfügt über ein 2-Gang-Getriebe, das für eine optimale Schneidleistung sorgt. So wird eine Arbeitsgeschwindigkeit von bis zu 1,6 m/min möglich. Problemlos kann mit ihm auch über Abkantungen von 90° gefahren werden. Der N 700-2 zeichnet sich vor allem durch die gute Handhabbarkeit aus. Er schafft bis zu 7 mm dicken Stahl und ist dabei mit 8,3 kg ein echtes Leichtgewicht seiner Klasse. In punkto Ergonomie sorgt ein drehbarer Motorhandgriff zusätzlich für Handlichkeit.

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