Bauteilbeschaffung Bleche biegen, um Erdbeben zu simulieren

Ein Gastbeitrag von Thomas Lübke 4 min Lesedauer

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Wenn die eigenen Möglichkeiten zur Herstellung ganz besonderer Blechteile nicht mehr ausreichen, nutzen viele Forschungseinrichtungen der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich regelmäßig das Online-Beschaffungsportal Blexon. Zum Beispiel das Institut für Geotechnik aus dem ETH-Departement Bau, Umwelt und Geomatik, wo unter anderem mit großem Aufwand die Wirkung von Erdbeben simuliert wird.

Rund 20 Tonnen schwer und eingehüllt in einen riesigen Betonzylinder, kann die Drehbewegung der Forschungszentrifuge am ETH-Institut für Geotechnik bis auf das 250-fache der Erdanziehungskraft beschleunigt werden.(Bild:  Blexon)
Rund 20 Tonnen schwer und eingehüllt in einen riesigen Betonzylinder, kann die Drehbewegung der Forschungszentrifuge am ETH-Institut für Geotechnik bis auf das 250-fache der Erdanziehungskraft beschleunigt werden.
(Bild: Blexon)

Die Wucht eines Erbebens nachzubilden, erfordert extrem belastbare technische Konstruktionen. Das ETH-Institut für Geotechnik nutzt dafür eine rund 20 Tonnen schwere Armzentrifuge, deren Drehbewegung bis auf das 250-fache der Erdanziehungskraft beschleunigt werden kann. Eingehüllt in einen riesigen Betonzylinder, können an den beiden Enden vom Dreharm der Zentrifuge maßstabsgetreue Modelle unterschiedlichster Bodenstrukturen befestigt werden.

Der Aufwand dient dem Zweck, die Auswirkungen von Erdbeben beliebiger Stärke auf die Bodenschichten möglichst präzise simulieren zu können. Wo immer beispielsweise ein großes Bauwerk in einem erbebengefährdeten Gebiet errichtet werden soll, kann die Statik dank der Simulation den jeweiligen Bodenverhältnissen entsprechend optimal angepasst werden.

Begrenzte Möglichkeiten der eigenen Werkstatt

Die Zentrifuge an sich haben die Zürcher Forscher von der Ruhr-Universität Bochum gebraucht erstanden. Um den gewünschten Zweck zu erfüllen, wurde die Konstruktion aber erst noch etwas aufgepeppt: „Damit wir im Rahmen der Versuche auch durch Erdbeben ausgelöste Überschwemmungen simulieren können, mussten am Dreharm der Zentrifuge mehrere Rohrleitungen verlegt werden“, erklärt Jürg Giger, der sich im ETH-Institut für Geotechnik um die Entwicklung und Konstruktion von Forschungsgerät kümmert. „Als Halterung kam angesichts der gewaltigen Belastung des Materials nur zehn Millimeter starkes Stahlblech infrage, das entsprechend gebogen und mit Aussparungen für die Rohre versehen werden musste.“ Mit dem ETH-eigenen Maschinenpark konnte Giger die Aufgabe aber nicht bewerkstelligen: „Unsere Werkstatt ist auf die Bearbeitung von Werkstücken mit Fräsmaschinen und Drehbänken ausgelegt. Bleche können wir lediglich bis zu einer Dicke von drei Millimetern biegen und auch das nur bei einfacheren Biegeteilen.“

Mit Hilfe von Blexon konnte Jürg Giger das Problem leicht lösen. „Wenn wir für unsere Konstruktionen besondere Blechteile benötigen, die besonders dick sind oder beispielsweise eine Laserbearbeitung oder eine Pulverbeschichtung erfordern, greifen wir regelmäßig auf Blexon zurück“, sagt der 27-Jährige Maschinenbauingenieur. Vor allem schätzt Giger die einfache Handhabung des Online-Blechportals: „Nach dem Hochladen des Modells direkt aus CATIA V5 bekomme ich in kürzester Zeit die Rückmeldung, ob das Bauteil nach meinen Vorgaben machbar ist und wann ich voraussichtlich mit der Lieferung rechnen kann. Die Auftragsabwicklung selbst ist top organisiert, und mit den über Blexon georderten Teilen sind wir auch in qualitativer Hinsicht sehr zufrieden.“

Regionale Fertigungspartner bevorzugt

Jürg Giger schätzt an Blexon die Einfachheit und Schnelligkeit der Auftragsabwicklung, aber auch den Grundsatz, dass der jeweils ausgewählte Fertigungspartner möglichst nah am Kunden angesiedelt sein soll. „Unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes ist das ein wichtiges Kriterium, und eine schnellstmögliche Lieferung ist natürlich auch von Vorteil“, sagt Giger. Tatsächlich konnte Blexon für Aufträge aus dem ETH-Institut für Geotechnik bislang immer Lieferanten vermitteln, die selbst auch in der Region Zürich ansässig sind. Allerdings schränkt Giger ein: „Wenn es um Bauteile für sehr komplexe Konstruktionen geht und die von uns vorgegebenen Toleranzen präzise eingehalten werden müssen, können wir Blexon leider nur bedingt nutzen.“ Jürg Giger hat dafür Verständnis, denn „die Bereitstellung und Verarbeitung einer zweiten Zeichnung wäre mit dem Vorteil der schnellen Auftragsabwicklung auf dem Portal wohl nur schwer in Einklang zu bringen“. In den meisten Fällen, etwa bei der Beschaffung von Bauteilen für Gehäusekonstruktionen oder einer Rohrbefestigung für die eingangs erwähnte Forschungszentrifuge, habe sich Blexon mittlerweile aber als erster Anlaufpunkt etabliert. „Selbst wenn wir im Einzelfall bestimmte Blechbauteile auch mit eigenen Mitteln bearbeiten könnten, wäre der damit verbundene Aufwand für unsere Verhältnisse doch recht groß“, sagt Giger. „Indem wir das Angebot von Blexon nutzen, entlasten wir gleichzeitig unsere Mechaniker, die dann mehr Zeit für die Arbeit am eigentlichen Forschungsgerät haben.“

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Was die Lieferung von Blechbauteilen für Forschungs- und Technologieprojekte der ETH Zürich insgesamt angeht, hat sich Blexon mittlerweile als feste Größe etabliert. „Die ersten Aufträge hat die ETH schon im Jahr 2014 über uns platziert, kurze Zeit nachdem wir den Leistungsumfang des Portals um eine ganze Reihe von Funktionen erweitert hatten“, berichtet Bruno Kaelin, Mitgründer und Geschäftsführer der Blexon AG. „Meistens handelt es sich um Blechteile, die nach den Konstruktionsvorgaben der ETH nur mithilfe spezieller Technologien wie Laserschneiden, Pulverbeschichten, Abkanten und Gewindeformen erstellt werden können. Die dafür nötigen Maschinen vorzuhalten, wäre für die ETH schlicht unwirtschaftlich, und in solchen Fällen bietet sich der Weg über Blexon als ideale Lösung geradezu an.“ Mittlerweile haben unterschiedliche Departements der ETH über Blexon mehrere hundert Aufträge abgewickelt, „als Ganzes betrachtet, ist die ETH für Blexon schon eine nicht unerhebliche Größe“, sagt Bruno Kaelin.

Mindestens im Institut für Geotechnik ist der nächste Job auch schon in Arbeit. Nachdem der Umbau der Forschungszentrifuge weitgehend abgeschlossen ist, widmet sich Maschinenbauingenieur Jürg Giger aktuell der Modifikation eines Vakuumsaugers, mit dessen Hilfe Sandproben spezifischer Dichte in einen besonderen Behälter aus Metall gefüllt werden. „Für den beabsichtigten Forschungszweck muss das Gerät mit einer neuen Vorrichtung ausgestattet werden, damit der Metalldeckel die Oberfläche der Probe perfekt abschließt“, so Giger. „Nach der Art der benötigten Teile ist das ganz klar ein Fall für Blexon.“

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