Lean Production

Durch schlanke Geschäftsprozesse Zeit und Geld sparen

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Im aufgeführten Beispiel wird für den BPR-Ansatz zunächst ein E-Procurement-Partner benötigt, der die Teile in sein E-Procurement-Portal aufnimmt, so dass sie elektronisch von jedem Montageort geordert werden können. Dass dies, bezogen auf die Teile, etwas teurer werden kann, ist auch klar. Die Bündelung aller Einkaufsaktivitäten auf diesen Partner würde aber über entsprechende volumenorientierte Rabattstaffeln den Preis pro Ersatzteil deutlich günstiger gestalten, das heißt der gesamte Einkauf würde künftig über ein E-Procurement-System mit nur einem Partner erfolgen.

E-Procurement erlaubt schnellere Bestellungen aus der Montage

Die Aufnahme der Ersatzteile in den E-Procurement-Katalog ermöglicht nun einen Bestellabruf direkt von jeder Montagestelle. Dem Montageleiter wird ein Laptop mit Funkanbindung zum Internet zur Verfügung gestellt. Er kann dann über einen Standardbrowser jederzeit auf den Katalog zugreifen, um sein Ersatzteil in der entsprechenden Logistik-Prioritätsstufe zu ordern.

Bild 2: Prozess Material bestellen. Quelle Bild 1 und 2: Mayr (Archiv: Vogel Business Media)

Der Freigabeprozess der Bestellung erfolgt über den Workflow des Portals. Damit sind die Verantwortlichen jederzeit über alle Einkaufsaktivitäten der Teams im Bilde. Die Lieferung erfolgt immer vom Lieferanten just in time an die Montagestelle. Der gesamte Anforderungsprozess reduziert sich somit auf nur einen simplen Prozessschritt (siehe Bild 2). Zusätzlich vereinfacht sich die Abrechnung der Bestellungen durch die direkte Rechnungsübertragung aus dem Portal in elektronischer Form in das hauseigene ERP-System.

Jeder Einzelschritt produziert ein wohl definiertes Ergebnis

Schlanke Prozesse haben, wie gesagt, keine Schnörkel! Sie sind nüchtern, pragmatisch und geradlinig. Sie folgen vorgegebenen Einzelschritten, verzweigen nach definierten Regelwerken, werden parallelisiert und wieder zusammengeführt, vernetzt mit anderen Schrittfolgen und gegebenenfalls auch rückgekoppelt, um den Fehlerfall zu bearbeiten.

Das Wichtigste kommt aber wie immer zum Schluss: Jeder Einzelschritt (Teilprozess) produziert ein wohl definiertes Ergebnis. Ein messbares Ergebnis, gemessen in einer vordefinierten Metrik, beurteilt vom Empfänger der Leistung. Dieses Prinzip ist selbstverständlich im Umgang mit externen Partnern (Kunden).

Warum also ist es nicht auch gültig für unsere internen Partner? Unser Kunde zahlt nur für Produkte und Dienstleistungen, wenn Preis, Qualität und Leistung stimmen. Warum sollte sich unser interner Kunde anders verhalten? Für das Prozessergebnis intern sollten also dieselben Regeln gelten wie außerhalb.

Grafische Darstellungen zeigen unsinnige Prozessabläufe auf

Fazit: Basis, um unsinnige Prozessabläufe zu erkennen, ist eine grafische Darstellung von Prozessfolgen. Natürlich generiert eine grafische Darstellung allein noch keinen neuen Prozess, aber zumindest zeigt sie allen Prozessbeteiligten, wo die Geldvernichtung stattfindet.

In dem Beispiel ist der Einkauf anschließend von den Standardfällen der operativen Bestellung befreit, und die schnelleren, präziseren Prozessabläufe sind für das Montageteam wesentlich. Entscheidend für die Geschäftsleitung ist aber der Return on Invest, der bei dieser Vorgehensweise, wie unsere Erfahrungen aus ähnlichen Projekten in der Industrie zeigen, meist schon im ersten Jahr gegeben ist. Danach wird richtig Geld gespart. Und das ist erst der Anfang.

Dr.-Ing. Reinhard Mayr ist Professor für IT und Geschäftsprozesse am Institut für Produktion der Fachhochschule Köln.

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