Klimaziele
Grüner Stahl – alternative Herstellungsprozesse

Ein Gastbeitrag von Jan Graber 5 min Lesedauer

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Die Stahlproduktion ist weltweit für acht Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Es gibt alternative Herstellungsprozesse, doch die Investitionen sind hoch und der Weg weit. Zwei Experten geben Einblicke

Dieses Teil wurde aus grünem Stahl auf einem Bystronic-Laser geschnitten.(Bild:  Bystronic/Stefan Jermann)
Dieses Teil wurde aus grünem Stahl auf einem Bystronic-Laser geschnitten.
(Bild: Bystronic/Stefan Jermann)

Die Welt ist auf Stahl gebaut. Von Gebäuden und Stromleitungen über die Automobilindustrie und den Schiffbau bis hin zur Medizinal-, Büro- und Computertechnik – kein Bereich unseres Lebens, in dem Stahl nicht in irgendeiner Form enthalten ist. „Stahl hat tausende Applikationen“, sagt Wilfried Liegard, Mitglied eines Forschungsteams des Maschinenbauers Bystronic. Stahl biete so viele unterschiedliche Eigenschaften: Er kann ebenso starr wie biegsam sein, absorbierend oder federnd, einfach zu formen oder formstabil. Hinzu kommt, dass Eisenerz auf unserer Erde fast unerschöpflich verfügbar ist.

Und der Stahlhunger wächst: In den letzten 50 Jahren hat sich die Stahlproduktion rund versechsfacht. 2022 wurden laut worldsteel.org über 1,8 Milliarden Tonnen Stahl produziert – zwei Drittel davon in China. Die Stahlproduktion hat deshalb einen entscheidenden Einfluss beim Erreichen der Klimaziele. Weltweit ist die Stahlproduktion für rund acht Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich, in Europa beträgt der Anteil vier Prozent. Beim klassischen Herstellungsverfahren werden pro Tonne Stahl gleichzeitig 1,8 Tonnen CO2 erzeugt. Oder wie es Christian Leinenbach, Metall-Experte des Forschungsinstituts Empa und Dozent an der EPFL, spitz formuliert: „Eigentlich handelt es sich um eine CO2-Produktion. Eisen ist das nützliche Nebenprodukt.“