Pressenbau Neff und Raster-Zeulenroda haben gemeinsames Wachstum im Visier
Dieter Dörmann, geschäftsführender Gesellschafter der Walter Neff GmbH aus Karlsruhe, hat die Raster-Zeulenroda Werkzeugmaschinen GmbH als Alleingesellschafter übernommen. Aus zwei Mitbewerbern mit langer Erfahrung im Pressenbau sind nun zwei Schwesterunternehmen geworden. Blechnet sprach mit Oliver Dörmann und Mathias Wappler, die neben Dieter Dörmann jetzt Geschäftsführer in Zeulenroda sind.
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Blechnet: Herr Wappler, als langjähriger Geschäftsführer der Raster-Zeulenroda kennen sie die Walter Neff GmbH als Mitbewerber. Was wird sich mit der Übernahme verändern?
Wappler: Raster-Zeulenroda wird als eigenständiges Unternehmen fortgeführt. Wenn wir jetzt mit Neff einen gemeinsamen Weg gehen, so bedeutet dies in erster Linie die Nutzung zahlreicher Synergieeffekte.
In den 140 Jahren unseres Bestehens haben wir in Zeulenroda eine bewegte Geschichte durchlebt. Nach der politischen Wende im Jahr 1989 ist unsere Mitarbeiterzahl von 1200 Mitarbeitern auf heute 107 geschrumpft. Auch die Situation als Treuhandbetrieb, die Privatisierung im Jahr 1994 und die darauf folgende Insolvenz haben Spuren hinterlassen und erforderten 2002 einen konsequenten Neuanfang – den Insolvenzverwalter immer im Rücken.
Trotz allem haben uns viele Kunden über die Jahre die Treue gehalten. Auf die 8,5 Mio. Umsatz, die wir im Jahr 2007 aus eigener Kraft erwirtschaftet haben, sind wir stolz. Wenn Dieter Dörmann also jetzt als Alleingesellschafter hinter uns steht, können wir auch Neukunden gegenüber ganz anders auftreten.
Blechnet: Herr Dörmann, was bedeutet die Übernahme für Neff?
Dörmann: Als Firma Neff denken wir bereits seit einigen Jahren über eine Erweiterung nach. Wir hatten mehrere Möglichkeiten: Hallenneubau und Firmenübernahme. Entschieden haben wir uns für die Firmenübernahme, da wir dadurch gute Möglichkeiten haben, die Kapazitäten und die Produktpalette zu erweitern. Raster-Zeulenroda kennen und schätzen wir seit vielen Jahre – sowohl die Produkte als auch die gut ausgebildeten Fachkräfte.
Blechnet: Stichwort Produktportfolio – was bleibt, was wird sich ändern?
Dörmann: Gemeinsam können wir jetzt eine breitere Palette anbieten. Im Bereich der mechanischen Pressen, der Stufenumformautomaten Paust und der Ageo-Pressen, liegen die Kernkompetenzen bei Raster-Zeulenroda. Neff ist bei hydraulischen Pressen und deren Nischentechnologien wie beispielsweise der Warmumformung stark.
Grundsätzlich können wir jetzt entsprechend der jeweiligen Stärke unserer Unternehmen die einzelnen Kundengruppen noch gezielter ansprechen und individuelle Lösungen anbieten. Eine Zentralisierung wird es nicht geben.
Blechnet: In welchen Bereichen werden Sie sich spezialisieren?
Dörmann: Wir wollen uns in den Synergiebereichen entwickeln und verbessern. Der Bereich Service und Modernisierung wird an beiden Standorten ausgebaut werden, so dass man Kunden von beiden Unternehmen ideal bedienen kann.
Die Lohnfertigung wird weiter in Zeulenroda angesiedelt sein. Hier wurde in den vergangenen Jahren bereits einiges investiert: 400000 Euro sind in die Sanierung einer Portalfräsmaschine geflossen, so dass man diese Maschine sowohl für die Eigenproduktion als auch für die Lohnfertigung stärker einbeziehen kann. Mit weiteren Investitionen soll die Produktion in den kommenden Jahren schrittweise erhöht und der Standort gestärkt werden.
Blechnet: Wie wird sich die Übernahme im Hinblick auf Zielmärkte auswirken?
Wappler: Unsere größten Kunden sind derzeit in Deutschland. Erst kürzlich haben wir von Mann+Hummel den Zuschlag für die Lieferung einer Stufenpresse mit 260 t Presskraft erhalten. Bereits Anfang Dezember 2007 konnten wir einen 125 t-Stufenumformautomaten an die Solinger Firma J.C.König übergeben. Zukünftig können wir uns jedoch auch eine Erweiterung über die Grenzen Deutschlands hinaus vorstellen.
Dörmann: Osteuropa wird für beide Firmen zunehmend eine Rolle spielen. Auf dem fernöstlichen Markt hat Neff jetzt mit der Lieferung einer Presse für Hyundai den Markteintritt geschafft. Auch das ist für beide Unternehmen eine interessante Perspektive.
Das Interview führte Blechnet-Redakteur Annedore Munde
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