Öhne Beölung lassen sich Bleche nur schlecht umformen. Seit inzwischen 80 Jahren beliefert Raziol die Industrie mit allem, was dafür nötig ist. Der Mittelständler aus Iserlohn ist in seiner Branche technologisch an der Spitze – dank vielfältiger Kooperationen und einer ganz besonderen Unternehmenskultur.
Eine Sprühanlage von Raziol für den Automotivebereich.
(Bild: Raziol)
Im Jahr 1941 gründete Raimund Zibulla sein eigenes Unternehmen, die Raimund Zibulla OHG Letmathe, aus der sich der heutige, einprägsame Name Raziol auch ableitet: Dieser steht nämlich für Raimund Zibulla Öle. Dabei waren es zunächst nicht einmal die Umformöle selbst, die er verkaufte. Raimund Zibulla bot die Additive an, die Öle mischten sich die Mitarbeiter in den Unternehmen selbst.
Doch damals wie heute gilt: Bei händischen Prozessen hängt das Ergebnis stark von einzelnen Personen ab. Im Jahr 1948 trat dann Georg Zibulla, Sohn von Raimund Zibulla, in das Unternehmen ein. Und kurz darauf bot Raziol auch fertig gemischte Umformöle an, wie von den Kunden gewünscht. Denn nun konnten sie sich darauf verlassen, dass die Öle stets gleich zusammengesetzt waren.
Raziol wuchs weiter, im Jahr 1977 trat mit Georg Gisbert Zibulla die dritte Generation in das Familienunternehmen ein. Noch heute erinnert er sich gerne an seine Zeit im Außendienst: „Das war ganz wichtig, um die Probleme der Kunden kennenzulernen und zu lösen“, erklärt der heutige Seniorchef.
Erste Beölungsanlage löst Kundenprobleme
+Eines dieser Probleme waren Ölpfützen neben den Umformanlagen. Die Beölung der Bleche war damals nicht besonders ausgefeilt. Eine Wäschewringe brachte dann Georg Gisbert Zibulla auf die entscheidende Idee: So müsste eine Beölungsanlage aussehen. Dabei musste Raziol eine ganze Reihe technischer Herausforderungen bewältigen: Welches Material eignet sich für den Ölauftrag? Wie führt man das Öl durch das Medium auf das Blech? Und wie sorgt man dafür, dass sich das Öl auch wirklich gleichmäßig auf dem Blech verteilt? Die Entwicklungsarbeit war erfolgreich, und 1982 konnte Raziol die ersten Gebrauchsmuster für Rollenbandöler anmelden. „Das war für das Unternehmen ein wesentlicher Entwicklungsschritt: Vorher waren wir ein reiner Chemieanbieter gewesen. Mit dem Rollenbandöler kam der Einstieg in den Anlagenbau, der heute unser zweites Standbein ist“, erläutert Georg Gisbert Zibulla.
Der Rollenbandöler war ein voller Erfolg. Weitere Patente, zum Beispiel für die Sektionalbefettung oder für die Beölung von Platinen, kamen hinzu. „Fast alle Patente sind aus Wünschen unserer Kunden entstanden. Das verdanken wir der engen Zusammenarbeit, die wir mit ihnen pflegen“, betont der Seniorchef. Mittlerweile sind die Aggregate aus der Umform- und Stanzindustrie nicht mehr wegzudenken. Raziol hat dazu ein umfangreiches Know-how aufgebaut: Ob es um Walzendurchmesser, Geschwindigkeit, Ölkapazität oder Besatz geht – die Fachleute aus Iserlohn können ihre Kunden stets richtig beraten.
Um das Angebot bei den Beölungsanlagen zu erweitern, entwickelte Raziol ab den 1980er-Jahren auch kontaktlose Systeme. Im Jahr 1997 lieferten die Beölungsexperten die erste Großanlage mit dieser Technologie aus, und seitdem hat sich viel getan. Nicht nur der Sprühdruck ist deutlich gesunken, von 3 auf nur noch 0,3 bis 0,4 bar. Dadurch sinkt der Druckluftverbrauch um gut 70 Prozent und die Standzeiten werden länger. Auch die Düsen lassen sich einzeln ansteuern und das Öl somit ganz gezielt auftragen.
Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz im Einsatz
Diese Technologie hat Raziol in konkrete und nützliche Anwendungen für die Industrie-4.0-Revolution eingebracht. Ein Beispiel ist die Präzisionsdosiereinheit für Schnellstanzautomaten. „Unser Kunde aus der Elektroindustrie hatte das Problem, dass das Stanzöl auch als Isolator für den elektrischen Strom wirkt. Um die Funktion der Stecker zu garantieren, mussten wir eine Lösung entwickeln, die die richtige Ölmenge nicht nur garantieren kann, sondern dies auch dokumentiert und die Daten weitergibt“, berichtet Georg Gisbert Zibulla. Mit der patentierten Präzisionsdosiereinheit für Schnellstanzautomaten gewann Raziol den „Award zur Blechexpo“ 2015 der Zeitschriften „Blechnet“ und „MM Maschinenmarkt“.
Technologisch hält sich Raziol weiterhin an der Spitze, wie weitere Innovationen zeigen: „Es wird heute viel über Künstliche Intelligenz in der Industrie gesprochen. Wir haben das in unserer Kooperation mit dem Fraunhofer-IPM bereits realisiert: Bei unserem Laserscanner zur bildgebenden Beölungsmessung“, erklärt Georg Gisbert Zibulla. Das patentierte System erkennt nicht nur die Beölung auf dem Blech, wie es vom Walzwerk kommt. Es gleicht zudem auch die Soll- und Istwerte der Beölung ab und schmiert genau an den Stellen nach, an denen der Ölauftrag zu gering ist. Diese Innovation erhielt ebenfalls einen „Award zur Blechexpo“, im Jahr 2017.
Stand: 08.12.2025
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Ein weiterer Meilenstein war das Tribometer 5000. Die Anlage ermittelt Reibkennwerte bei der Blechumformung und erlaubt es, in Versuchsreihen eine Vielzahl möglicher Parameter einzustellen. Einstellbar sind Geschwindigkeiten, beheizbare Werkzeuge und Materialauflagen, sowie unterschiedlich hohe Flächenpressungen bis 500 N/mm². Der Vergleich verschiedenster Schmierstoffe erfolgt durch die Gegenüberstellung des Reibwertes. „Die Ölmenge und die Reibwerte zwischen Werkzeug und Substrat sind heute eine Grundvoraussetzung für die Berechnung der Umformung“, erklärt Georg Gisbert Zibulla.
Beim Thema Tribologie setzt Raziol auch stark auf die Kooperation mit der Wissenschaft. Viele Raziol-Produkte zur Applikation werden vom Institut für Produktionstechnik und Umformmaschinen (PtU) in Darmstadt verwendet. Auch im Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen University werden mit einem Raziol Tribometer und einer Laborbeölungsanlage aus dem Hause Raziol tribologische Forschungsprojekte durchgeführt. „Wir suchen gezielt Kontakt zu Universitäten, um mit dem voranzukommen, was uns die Kunden sagen“, sagt Georg Gisbert Zibulla. Diese Zusammenarbeit mit namhaften Instituten in Deutschland will Raziol auch künftig nutzen.
Corona bringt neuen Geschäftsbereich Luftreiniger
Was ein innovatives Unternehmen leisten kann, zeigte Raziol dann im Corona-Jahr 2020: Aus der Krise machten die Iserlohner einen neuen Geschäftsbereich. „Wir stellen die Absaugungen für unsere Beölungsanlagen seit mehr als einem Jahrzehnt selbst her. Für die Aerosole in der Atemluft mussten wir die Anlagen hin zur Raumfiltrierung modifizieren“, erläutert der Seniorchef – fertig war die Raumluftabsaugung für den Infektionsschutz. Nur der Geräuschpegel war noch zu senken: „In der Fabrik stört die Absaugung nicht, im Wohn- oder Bürogebäude ist man da empfindlicher“, erklärt Georg Gisbert Zibulla. Aber auch für diesen Anwendungsbereich bietet Raziol mit der Entwicklung und Markteinführung des UV-C-Luftstromdesinfektionsständers, welcher Raumluft durch UV-C-Strahlung desinfiziert, eine passende Lösung.
Dass es so schnell gelang, neuartige Produkte auf den Markt zu bringen, führt er nicht zuletzt auf die Raziol-Mitarbeiter zurück. „Wir haben einen Stamm von Leuten, sowohl in der Technik als auch im Kaufmännischen, die sind hochmotiviert und fordern uns immer wieder.“ Die Unternehmenskultur der Iserlohner spiegelt das wider: Viele Auszubildende bringen die besten Noten mit. „Das kommt nicht nur davon, dass sie gut sind, sondern auch davon, dass wir sie stützen“, erklärt Georg Gisbert Zibulla. 20 oder 30 Jahre Betriebszugehörigkeit sind dann bei Raziol keine Seltenheit, und auch Mitarbeiterkinder treten oft ein. „Seinen Kindern den Arbeitgeber zu empfehlen, macht man nur, wenn man bei der Arbeit zufrieden ist“, sagt der Seniorchef stolz.
Mittlerweile ist mit Christian Zibulla die vierte Familiengeneration in die Raziol-Geschäftsführung eingetreten. Und mit seiner Innovationskraft, seinen Mitarbeitern und seiner Unternehmenskultur sieht sich das Unternehmen auch für die Zukunft bestens aufgestellt.