AufrüstungsrückenwindRüstungskonzern Rheinmetall zielt auf starkes Wachstum
Quelle: dpa
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Angesichts seiner neuesten Zukäufen (etwa NVL) will Rheinmetall nun weiter kräftig wachsen, heißt es. Dabei hilft natürlich auch der Rüstungs-Boom.
Weichen gestellt! Die neuesten Zahlen des Rüstungsriesen Rheinmetall, der immer größer wird, liegen vor. Der Verkauf des Hemmschuhs Autogeschäft läuft, wenn auch zäh. Die Düsseldorfer fokussieren sich nur noch auf die Rüstung ...
(Bild: Rheinmetall)
Rheinmetall plant, stark zu wachsen. Aber im vergangenen Jahr hat Deutschlands größter Rüstungskonzern trotz der immensen Nachfrage nach Rüstungsgütern nur das untere Ende seiner Prognosen erreicht, wie man sagen muss. Dafür könnten sich die Aktionäre über eine unerwartet hohe Dividende freuen. Die Aktie gab aber dennoch deutlich nach (-6,6 Prozent und rutschte sogar auf ein Jahrestief und auf den letzten Platz im Dax. Das Papier sei stabil, doch die Gewinne im laufenden Jahr seien damit dahin. Rheinmetall leidet nach Ansicht von Experten wohl an „Wachstumsschmerzen“, was aber eine günstige Chance, zum Einstieg bedeuten könne. Der Ergebnisausblick liege außerdem unter der Markterwartung.
Rheinmetalls Backlog soll sich verdoppeln
Rheinmetall werde einen bedeutenden Anteil an den steigenden Rüstungsausgaben haben. So soll der Umsatz in diesem Jahr um 40 bis 45 Prozent auf 14 bis 14,5 Milliarden Euro nach oben gehen. Das organische Wachstum (ohne Übernahmen) soll bei 28 bis 31 Prozent zu Liegen kommen. Was die operative Ergebnismarge angeht, so erwartet Rheinmetall-Chef Papperger, dass es rund 19 Prozent sein werden. Die hohe Nachfrage könnte die treibende Kraft sein, die Ziele auch zu erreichen. Denn Ende Dezember betrug der Backlog 63,8 Milliarden Euro. Dieser Orderbestand beinhaltet verbindliche Aufträge und Rahmenverträge. Damit waren die Auftragsbücher von Rheinmetall so voll wie nie zuvor, wie betont wird. Die sogenannte Nomination stieg im vergangenen Jahr um knapp neun Prozent (auf 26,4 Milliarden Euro). Diese Kennziffer umfasst sowohl den klassischen Auftragseingang als auch unter anderem das Volumen aus neu abgeschlossenen Rahmenverträgen. Der Backlog soll sich nach Ansicht der Rheinmetall-Entscheidern in diesem Jahr mehr als verdoppeln, auch wenn etwa der Wechsel der Bundesregierung für leichte Verzögerungen gesorgt habe, die man noch spüre.
Rheinmetall macht nur noch in Rüstung
Rheinmetall konzentriert sich nicht zuletzt künftig komplett auf das Rüstungsgeschäft. Die Düsseldorfer möchten sich – das weiß man schon – von seiner Autozuliefersparte trennen, denn diese hat das Unternehmen als nicht fortgeführtes Geschäft in der Bilanz ausgeklammert. Gleichzeitig wagt sich der Konzern, eigentlich bekannt für militärische Land- und Luftverteidigungssysteme, durch die Übernahme des Marineschiffbauers NVL und anhand eines Gemeinschaftsunternehmens rund um Satelliten nun auch an die Themen Schiffsbau und an die weltraumgestützte Verteidigung. Laut Papperger zahlt sich die Entwicklung zum umfassenden Systemhaus im Rüstungsbereich schon heute aus, was nicht zuletzt wegen hoher Vorauszahlungen von Kunden und einem in der Folge stark gestiegenen freien Barmittelzufluss klappen könnte. Der Rheinmetall-Manager hält deshalb durchaus auch weitere Zukäufe für gut möglich.
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Mit Blick auf das fortgeführte Geschäft (eben ohne die Autozulieferung) stieg der Umsatz im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2024 um 29 Prozent (auf 9,94 Milliarden Euro). Zuletzt hatte Rheinmetall jedoch ein Wachstum zwischen 30 und 35 Prozent angepeilt. Das operative Ergebnis verbesserte sich um ein Drittel (auf 1,84 Milliarden Euro). Die entsprechende Marge lag danach bei 18,5 Prozent. Hier hatte der Rüstungskonzern 18,5 bis 19 Prozent anvisiert. Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre – vor allem wegen höherer Verluste aus nicht fortgeführten Geschäften – ein niedrigerer Gewinn von 696 Millionen Euro (nach 717 Millionen Euro ein Jahr zuvor). Die Aktionäre sollen für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von 11,50 Euro je Aktie erhalten. Das ist deutlich mehr, als Analysten erwartet hatten. Fürs Vorjahr wurden 8,10 Euro je Anteilsschein ausgeschüttet.
Verkauf des Autogeschäfts zieht sich hin
Der Verkauf des Geschäfts rund um die Autozulieferung schleppe sich aber unerwartet dahin. Rheinmetall peilt für eine Vertragsunterzeichnung nun spätestens das dritte Quartal an. Im Dezember 2025 zeigte sich der Rüstungskonzern noch so optimistisch, dass bereits im ersten Quartal alles abgehandelt sein könnte. Damals hieß es, dass mit zwei Bietern verhandelt wird. Man stehe aber mittlerweile kurz vor davor, sich für einen der beiden zu entscheiden, kommentierte Papperger bei einer Pressekonferenz. Die Sparte ist für Rheinmetall nach eigenen Angaben ein Klotz am Bein. Denn der Umsatz sank 2025 um fast 13 Prozent, die operative Ergebnismarge betrug nur drei Prozent.
Neuer Krieg im Iran pusht Bestellungen bei Rheinmetall
Im Rüstungsgeschäft rechnet Rheinmetall dagegen auch längerfristig mit glänzenden Aussichten. Die Düsseldorfer bestätigten ihre Mittelfristziele und wollen den Umsatz bis 2030 auf rund 50 Milliarden Euro in etwa verfünffachen. Die operative Marge soll dann bei mehr als 20 Prozent liegen. Parallel soll die Beschäftigtenzahl auf 70.000 mehr als verdoppelt werden. Denn außer dem massiven Rückenwind durch den Ukraine-Krieg profitiert Rheinmetall nun auch von der Eskalation im Iran. Der Rüstungskonzern versorgt etwa die USA und dessen Verbündete unter anderem mit Raketen und Luftverteidigungssystemen. Papperger sprach von einem erheblichen Wachstumsschub durch den neuen Konflikt. Die Rheinmetall-Systeme würden dringend gebraucht, weshalb die Telefone permantent klingelten.
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