Neuer Markt Salzgitter will mit Rüstung aus den roten Zahlen raus

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

Um wieder trockenen Boden unter den Füßen zu haben, blickt der Salzgitter-Konzern nun auch auf die Rüstungsindustrie als neue Kundschaft.

So sicher, wie diese Stahlplatte aus der Stahlsorte Secure 500 den Beschusstest bestanden hat – und damit auch von der Bundeswehr akzeptiert wird – so sicher will Salzgitter in wenigen Monaten in den Rüstungssektor einsteigen ...(Bild:  Salzgitter)
So sicher, wie diese Stahlplatte aus der Stahlsorte Secure 500 den Beschusstest bestanden hat – und damit auch von der Bundeswehr akzeptiert wird – so sicher will Salzgitter in wenigen Monaten in den Rüstungssektor einsteigen ...
(Bild: Salzgitter)

Die Rüstung ist derzeit ein Wachstumsfeld, was Salzgitter, wie der Konzernchef Gunnar Groebler betont, auf jeden Fall besetzen will. Nicht zuletzt blickt er dabei auch auf die lukrativen Margen, die bei solchen Geschäften winken. Vom Volumen bleibe das zwar dennoch ein Nischenmarkt, aber eben ein sehr attraktiver! Warum macht man das? Nund, die derzeitige Schwäche der Autoindustrie als bisherigem Hauptabnehmer von Salzgitter-Produkten werde der Verteidigungsbereich zwar nicht ausgleichen können, doch es lohne sich dennoch, dort einzusteigen. Mit ersten Erfolgen rechnet Groebler sogar schon im zweiten Halbjahr 2026. Und binnen drei Jahren soll der Anteil der Verteidigung am Konzernumsatz auf einen Wert im 1-stelligen Prozentbereich ansteigen, wie man weiter erfährt. Salzgitter habe im letzten Jahr fast alle Freigaben der Bundeswehr erreicht und sei damit jetzt auch mit Blick auf die deutsche Militär lieferfähig. Auch wurde mit Thyrolf & Uhle aus Dessau ein Spezialanbieter für Sicherheitsstahl gekauft. Salzgitter ist damit, wie Groebler anmerkt, für den Verteidigungsmarkt gut aufgestellt.

Salzgitter übernimmt bald HKM von Thyssenkrupp Steel

Dabei wird auch die geplante Übernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) von Thyssenkrupp Steel, die zum 1. Juni 2026 wirkt, helfen. Thyssenkrupp Steel hatte angekündigt, sich aus dem Gemeinschaftsunternehmen zurückziehen oder es schließen zu wollen. Bisher hält Thyssenkrupp dort 50 Prozent, Salzgitter 30 Prozent. Bis Ende Mai soll der Kauf unter Dach und Fach sein, so Groebler. Man warte noch auf ein Sanierungsgutachten, das aber in Arbeit sei. Auch die Freigabe durch die Kartellbehörden steht noch aus. Das Ziel ist es, bis zum Sommer die HKM vollständig zu übernehmen. Im Laufe von etwa drei Jahren soll die HKM dann radikal umgebaut werden. Dazu gehöre, dass die beiden Hochöfen durch Anlagen für grünen Stahl ersetzt werden. Leider wird die Belegschaft dabei auch auf etwa 1.000 Personen verringert. Das klingt laut Groebler zwar zeitkritisch, aber der Grund sind vor allem die bereits bewilligten Fördermittel für den Umstieg auf Grünstahl, die einen 3-Jahres-Zeitraum verlangen. Langfristig sieht man für HKM eine gute Zukunft. Denn HKM liefert auch Vorprodukte für die boomende Rüstungsindustrie. Zudem soll nach dem Umbau das Portfolio erweitert und Vorprodukte ins Sortiment kommen, die bisher aus Russland stammten. Das stärke den europäischen Binnenmarkt und fülle die Lücke, die durch die Sanktionen gegen Russland klaffe.

Im letzten Jahr wurden die Ziele mehr als erreicht

Im vergangenen Jahr hat der Stahlkonzern seine Verluste trotz eines schwachen Stahl-Umfeldes bereits deutlich reduziert. 2025 standen unter dem Strich 69,8 Millionen Euro Verlust, nach einem Fehlbetrag von 347,9 Millionen Euro im Jahr zuvor, wie das Unternehmen mitteilte. 2024 war das Ergebnis noch von hohen Wertberichtigungen, Rückstellungen und Umbaukosten geprägt gewesen. Helfen soll zudem das seit 2022 laufende Effizienzprogramm, das nun noch einmal erweitert wurde: Statt der zuletzt bis 2028 angepeilten 500 Millionen Euro Ergebnisverbesserung soll es nun 575 Millionen bringen. Die ersten 250 Millionen Euro seien bereits 2025 erreicht worden. „Wir sind im Jahr 2025 deutlich über unser Ziel hinausgekommen, kommentiert Groebler. Das selbst gesteckte Ziel sei um ein Drittel übererfüllt worden.

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